Diagonale
Festival des österreichischen Films
28. März–2. April 2017, Graz

VR – Film im virtuellen Raum

Die Nacht der 1000 Stunden, Foto: Oleg Prodeus

Die Nacht der 1000 Stunden, Foto: Oleg Prodeus

Virtual Reality gewinnt in zunehmendem Maß an Bedeutung. Im Rahmen der Diagonale stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß VR für den Film und damit die Filmindustrie interessant ist und werden kann. An zwei Tagen entsteht im Saal 3 des Schubertkinos ein Labor, das zum Austesten, Kennenlernen und Diskutieren einlädt.

Eintritt frei.

 

Labor hosted by arx anima. animation vfx games

Fr 31. März 2017, 11.00–15.00 Uhr, Schubertkino 3
Mit Dank an Hutchison Drei Austria

 

VR – Hype oder Zukunft?

Talk

Fr 31. März 2017, 15.00 Uhr, Schubertkino 3
Mit: arx anima. animation vfx games, Johanna Pirker (TU Graz), Markus Wintersberger und Markus Josef Weiss (FH St. Pölten)
Moderation: Eva Fischer (sound:frame)

 

Pitoti Prometheus von Frederick Baker und Marcel Karnapke

VR-Screening

Sa 1. April 2017, 11.00 Uhr, Schubertkino 3
Aus den Ergebnissen eines EU-Forschungsprojekts zur Digitalisierung und Präsentation prähistorischer Felskunst aus Italien entstand Pitoti Prometheus, ein 360-Grad-Virtual-Reality-Film, der die archäologischen Funde mit aktuellen 3D-Scanning-Technologien und VR vereint.

 

Diagonale im Dialog

Sa 1. April 2017, 14.00 Uhr, Schubertkino 3
Virgil Widrich und Christian Berger über die realen und virtuellen Erscheinungsbilder in Die Nacht der 1000 Stunden.
Moderation: Eva Fischer (sound:frame)
Mehr zu Diagonale im Dialog
Mit Unterstützung des Diagonale-Hauptsponsors Steiermärkische Sparkasse.

 

Vielen Dank an Hutchinson Drei Austria für das Bereitstellen von 15 Samsung Gear VR Sets

 

Die Virtual Reality gewinnt in zunehmendem Maß an Bedeutung. Im virtuellen Raum können Welten erschaffen werden, die so echt erscheinen, dass sich gar Phobien und Höhenangst heilen oder hervorrufen lassen. Während Devices wie Samsung Gear VR bereits im Mainstream angekommen sind, steckt die Produktion von dreidimensionalem Content derzeit noch in den Kinderschuhen: Professionelle 360°-Kameras befinden sich in der Entwicklungs- und die inhaltliche Arbeit in einer Experimentierphase. Im Rahmen der Diagonale stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß VR für den Film und damit die Filmindustrie interessant ist und werden kann. Inwieweit muss der Film auf technologische Entwicklungen und den Markt reagieren? Beschäftigt sich die klassische Filmbranche schon mit dem Thema, und welche Vorstöße in der Richtung gibt es bereits?

An zwei Tagen entsteht im Saal 3 des Schubertkinos ein Labor, das zum Austesten, Kennenlernen und Diskutieren einlädt. Tag eins wird vom vielfach ausgezeichneten in Wien ansässigen und international agierenden High-End-Animationsstudio arx anima. animation vfx games gehostet. Im Rahmen eines Screenings können die Festivalbesucher / innen erfolgreiche internationale VR-Filme erleben, unterschiedliche Hardware ausprobieren und so ein Gefühl für diese neue Technologie bekommen. Im Zuge eines anschließenden Talks heißt es: „VR – Hype oder Zukunft?“ Gemeinsam mit Expert/innen wie Markus Wintersberger von der FH St. Pölten lädt arx anima zu einem Exkurs in VR ein und bespricht dessen Potenzial für Filmprojekte und Filmemacher/innen. Neben einem Kurzüberblick zu Technologie, Hardware und Software werden grundlegende Unterschiede zum klassischen Film sowie Vorteile, Nachteile und Fragen der Produktion diskutiert.

Tag zwei steht im Zeichen zweier filmischer Vorstöße in den virtuellen Raum. Zum einen präsentiert der Experimentalfilmemacher Frederick Baker seinen in VR produzierten Film Pitoti Prometheus. Zum anderen kommt der Filmemacher Virgil Widrich mit Kameramann Christian Berger im Festivalformat Diagonale im Dialog ins Gespräch. Die beiden präsentieren Filmausschnitte und unveröffentlichtes Material aus dem Planungs-, Review- und Entstehungsprozess ihres Films Die Nacht der 1000 Stunden.

(Eva Fischer)

 

Über die realen und virtuellen Erscheinungsbilder von Die Nacht der 1000 Stunden:

Die Geschichte einer Familie, die von all ihren verstorbenen Vorfahren heimgesucht wird, spielt in einem Wiener Palais im Ringstraßenstil, das jedoch kein realer Ort ist, sondern die Erinnerung seiner heutigen und ehemaligen Bewohner/innen an ihr Haus zu verschiedenen Zeiten.

Das Gebäude lässt folglich keine genaue Orientierung zu – die Wände, die Räume, die Möbel im Hintergrund, Ausblicke durch Fenster wurden vorab digital erstellt und am Set auf einer sechs mal sechs Meter großen Studiobühne als Rückprojektion auf zwei Leinwänden abgespielt. Gleichzeitig wurden die beweglichen Requisiten im Vordergrund real im Studio platziert, dass digitale und reale Lichtquellen nicht mehr voneinander zu trennen sind. So beleuchtet der digitale Mondschein durch projizierte Fenster echte Gesichter oder werfen reale Objekte (z. B. Kerzen) ihren Schein auf virtuelle Tapetenwände. Durch die Montage ergibt sich der glaubwürdige Eindruck eines realen dreidimensionalen Raumes in den Köpfen der Zuschauer/innen – und somit in der Realität auch eine Erinnerung an ein Haus, das es so niemals gegeben hat.

Durch die Previsualisierung des Hauses als 3D-Modell mit der real-time-machinima engine Moviestorm und der Projektion interaktiv veränderbarer Inhalte am Set stellt Die Nacht der 1000 Stunden eine neuartige Verbindung von Virtual Reality und linearem Kinofilm dar. Enorme technische und künstlerische Herausforderungen gab es auch für die punktuelle Beleuchtung des Sets mithilfe von Reflektoren, bei der das von Christian Berger entwickelte CRLS – Cine Reflect Lighting System zum Einsatz kam.

Die besondere Umsetzung, welche die beim Film übliche Produktionsreihenfolge verändert und die Professionen von Drehbuch, Storyboard, Previsualisierung, Ausstattung, Kostüm, Maske, Beleuchtung, Kamera, digitalem Design und Lichtbestimmung frühzeitig miteinander verschmelzen lässt, erfordert bereits ab der frühen Phase der Drehvorbereitung gemeinsame künstlerische Auseinandersetzung und intensives Teamwork, ermöglicht aber durch neue Arbeitsprozesse auch neue, bisher noch nicht gesehene künstlerische Ergebnisse.

(Virgil Widrich)