Diagonale
Festival des österreichischen Films
28. März–2. April 2017, Graz

Zur Person: Andi Winter

Spotlight auf die „zweite Reihe“

 

Wer ist Andi Winter? Ein Phantom? Keineswegs. In der Programmschiene Zur Person hebt die Diagonale markante Handschriften im österreichischen Filmschaffen hervor und erweitert den Fokus: Neben Regisseur/innen können neuerdings auch Produzent/innen, Editor/innen, Kinobetreiber/innen, Kritiker/innen u. a. gewürdigt werden. Mit Andi Winter ist Zur Person einer Integrationsfigur aus der vermeintlich zweiten Reihe sowie dessen multidisziplinären Wirken gewidmet – als Filmvorführer, Cutter, Color Grader, Kameramann und -assistent, Schauspieler, Regisseur und Vernetzer zeigt sich Winter an Produktionen unterschiedlicher Größe und Ausrichtung beteiligt. So arbeitete und arbeitet Andi Winter etwa für und mit Branchengrößen wie Ulrich Seidl, Martin Gschlacht, Johanna Moder, Gerald Kerkletz, Johann Lurf und vielen anderen mehr. Zur Person ist 2017 so gesehen vor allem eine dialogische Plattform, die sich ausgehend von der Person Andi Winter in unterschiedliche Richtungen öffnet und vielstimmige Positionen in Verbindung zueinander bringt. Das Programm zeigt, wie sich der österreichische Filmkosmos im Kleinen nicht selten um integrative Multitalente wie Andi Winter dreht, die der breiten Öffentlichkeit noch weniger bekannt sind. Zur Person 2017 – ein „Working Class“-Spotlight. Sämtliche Programme werden von vertiefenden Gesprächen zwischen Moderatorin Anna-Katharina Laggner, Andi Winter und Filmgästen gerahmt.

Alle Filme Zur Person: Andi Winter im Filmprogramm. Infos zur Colors Lecture Samstag, 1. April 2017, 16 Uhr, Schubertkino 2

 

Der Beobachter Andi Winter, Foto: Paul Schön

Andi Winter, der Beobachter

Sozusagen einen Wiederkehrer zeigt die Diagonale mit Händl Klaus’ März (AT 2008), der bereits 2009 in Graz zur Aufführung kam. Das Regiedebüt von Händl Klaus, der im Vorjahr seinen zweiten großen Spielfilm Kater (AT 2016) in Berlin präsentierte, war auch Andi Winters erste enge Zusammenarbeit mit Kameramann Gerald Kerkletz. Die Erzählung folgt der letzten Nacht im Leben dreier junger Männer. Eine letzte Zigarette glimmt auf, bevor sie das von einem der Väter geliehene Auto mit Schlauch und Klebeband präparieren, den Motor starten – und einatmen. Die drei Freunde gingen ohne Zeichen, ohne Grund, ohne Abschiedsworte aus einem Leben, das abgesichert schien und doch brüchig war. Aus der Perspektive der behutsam-eindringlichen Kamera fehlt uns genauso wie den Angehörigen der Blick auf das Ganze: Was die drei Verstorbenen zu ihrem Schritt bewog, lässt sich eben nicht mehr sagen.

März Mittwoch, 29. März 2017, 16 Uhr, Rechbauer

 

Andi Winter in Rimini, Still: sixpackfilm

Andi Winter, der Darsteller

Ebenfalls auf der Diagonale 2009 lief die Uraufführung des preisgekrönten Spielfilms Rimini (R: Peter Jaitz, AT 2008). Die Figur des Alex, dargestellt von Andi Winter, gelangt darin zur Erkenntnis, dass auch andere Lebensentwürfe Gültigkeit haben können. Rimini ist so gesehen ein Film über Männlichkeitskrisen, der mit einmontierten Handyvideos die Schwierigkeit, zeitgenössische Figuren dingfest zu machen, behandelt. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang die lakonisch-originelle Darstellung von Andi Winter: „Mit großer Gelassenheit schickt Autor und Regisseur Peter Jaitz seine getriebenen Figuren ins Rennen um ihre Existenz. Der Film bleibt dabei immer sparsam in den Mitteln – genau wie die Schauspieler. Andreas Winter bringt als Alex ohne große Worte, allein mit seiner Mimik alle Leere und Langeweile auf die Leinwand“, liest sich eine Kritik von Thomas Mang (SR-online.de). Außerdem in diesem Programm zu sehen: das Musikvideo Killed by 9V Batteries – Fur mit Andi Winter (R: Robert Oberrainer, AT 2010).

Rimini (Freitag, 31. März 2017, 21 Uhr, Rechbauer)

 

Blackstory

Blackstory

Andi Winter, der Netzwerker

Unter dem Titel Freundinnen von Freunden von Freundinnen – Film, Kino, Netzwerk verschreibt sich ein Slot der Reihe Zur Person dem Networking im österreichischen Filmschaffen bzw. der Frage, wie viele Räder ineinandergreifen, um einen Film zu realisieren. Zwei Musikvideos treffen dabei auf den kaum bekannten Kurzfilm Blackstory (R: Stefan und Christoph Brunner, AT 2012), dessen Crew-Liste sich wie ein Who’s Who der gegenwärtigen Filmbranche liest.

Zum Programm: Freundinnen von Freunden von Freundinnen (Freitag, 31. März 2017, 13.30 Uhr, Rechbauer)

 

Ich lege mich selbst ein/Rollentausch

Ich lege mich selbst ein/Rollentausch

Andi Winter, der Vorführer

Im wahrsten Sinne selbstreferenziell eröffnet das Sammelprogramm Kino. So ist Andi Winters Miniatur Ich lege mich selbst ein/Rollentausch (AT 2008) – Bewerbungsfilm an der Filmakademie Wien – Anstoß für ein multiperspektivisches Filmprogramm, das vor allem eines will: Kino aus unterschiedlichen Blickwinkeln, stets aber aus der Warte des Andi Winter abbilden und über diese nachdenken – von experimentellen Arbeiten (Kamerassistenz/zusätzliche Kamera) bis hin zu Musikvideos und Kurzspielfilmen (Regisseur und Colorist). Ein Filmvorführer geht ins Kino.

Zum Programm: Kino Mittwoch, 29. März 2017, 16 Uhr, Rechbauer

 

Andi Winter, Foto: Paul Schön

Andi Winter, Foto: Paul Schön

Lecture und Auftritt im Wettbewerb

Welche Farbe hat der österreichische Film? Mit dieser Leitfrage befasst sich eine Lecture von Andi Winter im Rahmen der Diagonale’17, die einen Einblick in das wenig erörterte Feld des Color Grading gibt. Mit RELATIV EIGENSTÄNDIG (R: Christin Veith, AT 2016) feiert des Weiteren ein Film im Dokumentarfilmwettbewerb Premiere, den Andi Winter nicht nur in farbgebender Weise mitprägte: Drei Jahre lang reichten Kameramann Andi Winter und Regisseurin Christin Veith zwei Kameras unter den Jugendlichen eines Privatgymnasiums und einer Neuen Mittelschule weiter. RELATIV EIGENSTÄNDIG begleitet das Erwachsenwerden einer Generation, die sich zwischen ihren Träumen und einer mitunter viel zu nüchternen Realität bewegt. RELATIV EIGENSTÄNDIG ist Winters erste Arbeit als hauptverantwortlicher Bildregisseur.

 

Vollständige Filmliste Zur Person: Andi Winter

 

Andi Winter, geboren 1976 in St. Pölten. Zunächst als Musiker aktiv. Produktion von Musikvideos und Projektionen fürs Theater. Seit 2003 Filmvorführer im Top Kino, später bei den Filmfestivals Viennale und Diagonale. Seit 2004 auf Filmsets anzutreffen: Kameramann/-assistent, Digital Imaging Technician, Schauspieler etc. Seit 2006 selbstständiger Colorist im Bereich Filmpostproduktion.

 

 

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Spotlight on: Andi Winter