Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Filmprogramm | Spielplan | Regisseur/innen


Samstag, 01.04.
15:00 Uhr, Schubertkino 1

In seinem Debütfilm Tempo verband Stefan Ruzowitzky eine Geschichte über die Liebe und die Wiener Halbwelt mit einem Blick auf die blühende Techno-Szene der Zeit. Der rastlose Fahrradbote Jojo tanzt unter Tausenden Ravern in jenem Gasometer, der auch im archivierten TV-Beitrag Techno in Wien eine Hauptrolle spielt. Im Kontrast dazu bietet Ruzowitzkys (!) Video zu Tearin' Up My Heart von *NSYNC die gesäuberte Variante des damaligen Trends für postindustrielle Locations.

Eine erstaunliche Zeitreise bietet auch Techno in Wien, ein 25 Jahre alter Beitrag der ORF-Jugend-sendung X-Large, für die der umtriebige Ruzowitzky damals ebenfalls Beiträge gestaltete (diesen Clip fabrizierte allerdings Thaddäus Podgorski jun.). Moderator Christian Clerici, dessen Grunge-Kostümierung eigentümlich asynchron zur T-Shirt-und-Mützen-Mode der Techno-Szene erscheint, spricht in seiner Ankündigung von „ein paar jungen Remixern, die zu Hause in den Hinterzimmern durchaus konkurrenzfähige Klänge dieser Musikrichtung produzieren“. Die Erzählstimme, die durch das – auffallend nur von männlichen Machern bevölkerte – Porträt der Szene führt, gehört übrigens der späteren Filmemacherin Mirjam Unger. „Intelligente Instrumente arbeiten geräuschlos“, sagt sie, denn „das Abenteuer Techno entsteht im Kopfhörer“. Neben der Gemeindewohnung, in der man main frame zu viert an vorsintflutlichen Samplern, Mixern und MIDI-Keyboards kurbeln sieht, fungiert auch hier der zu jener Zeit noch völlig leere Gasometer als fotogene Location. Ein von der jungen Arabella Kiesbauer anmoderierter zweiter Beitrag zeigt denselben Ort in der Nacht bevölkert von tausenden schwitzenden Leibern und schließt so den Kreis zu Tempo.
(Katalogtext, Robert Rotifer)

In Kooperation mit dem ORF-Archiv

Robert Rotifer – Bild, Ton & Respekt
Geglückte Synthesen von Pop und Film
Boybands, Raves und Indie-Pop – zwei Programmsampler aus der Perspektive der österreichischen Musikszene. 

Regie: Thaddäus Podgorski Jun.
Kamera: Egon Ulbrich
Produktion: ORF