Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Der weite Weg
AT 1946, Schwarzweiß, 76 min.
Diagonale 2016

Regie: Eduard Hoesch
Buch: Karl Jantsch (Karl Kurzmayer), Eduard Hoesch
Darsteller/innen: Maria Andergast, Rudolf Prack, Hans Holt, Willy Danek, Karl Skraup u. a.
Kamera: Karl Kurzmayer, Anton Pucher
Musik: Frank Fox, Erich Meder
Produktion: Donau-Film

 

Der programmatische Titel löst sein Versprechen, einen Neuanfang des österreichischen Films nach 1945 einleiten zu wollen, nur zum Teil ein. Authentizität erwächst in dieser Heimkehrersaga vor allem an den Rändern der Erzählung: dort, wo die offensichtlichen Folgen des Kriegs Formen eines „armen Kinos“ hervorbringen, das mit einigen geradezu neorealistischen Momenten überrascht.

Unter prekären Bedingungen entstanden, greift Der weite Weg einen weiteren identitären Erzählstrang des „Österreichischen“ nach dem Krieg auf: Als erster Heimkehrerfilm blendet er eine Teilwirklichkeit des Kriegs ein, eine andere aber aus. Er reiht sich damit ein in jenes patriotische Programm, das österreichische Filmemacher/innen nach 1945 als Staatsverpflichtung empfanden: Heimkehrer sind wesentliche Träger des Wiederaufbaus, der Blick ist nach vorn gerichtet, Fragen zur Vergangenheit, zu Biografien, zu Verstrickungen in den Kriegsjahren bleiben offen. Der Wille, zurückgekehrt jetzt an einem Strang zu ziehen, konstituiert das gute Gewissen.
Der von Eduard Hoesch mit Rohfilm der Sowjets gedrehte Streifen erfüllte den vom Wiener Kulturstadtrat Viktor Matejka (KPÖ) eingeforderten „ehrlichen Realismus“ zum Teil und am eindrucksvollsten dort, wo es keiner Regie bedurfte – in den Aufnahmen der zerstörten Stadt und der sichtlich abgezehrten Schauspieler/innen.
(Ernst Kieninger)

Kurz vor Kriegsende: In der Baracke eines Gefangenenlagers zusammengepferchte desillusionierte österreichische Soldaten begrüßen einen Neuankömmling, der nichts Besseres zu tun hat, als den seit Jahren von der Heimat getrennten Männern von seiner Wiener Geliebten vorzuschwärmen. Geradlinig führt der Film auf die absehbare Katastrophe zu: Als der Schürzenjäger den Namen seiner jüngsten Liebschaft nennt, springt Manhardt, deren Gatte, empört auf ihn zu; der Ehebrecher stürzt und kommt ums Leben. Vom Vorwurf des Mordes freigesprochen und nach Wien zurückgekehrt, kommt Manhardt nicht über die Untreue seiner Anni hinweg. Freund/ innen und ein zweiter schicksalhafter Zufall helfen.
Der weite Weg stellt mehr als nur ein Dokument der bescheidenen Anfänge der österreichischen Filmwirtschaft nach dem Krieg dar. Versprecher, grobe Schnitte und seltsame Anschlüsse verleihen dem Film ebenso wie auch die beherzte Leistung des Dialekt sprechenden Ensembles ein eigentümliches Gepräge von Authentizität. Zu Beginn erreicht das Ehemelodram durch Einsatz minimaler Mittel bemerkenswerte Intensität.
(Christoph Brecht, Ines Steiner)

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