Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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3 Tage in Quiberon
Spielfilm, DE/AT/FR 2018, Schwarzweiß, 115 min., OmeU
Diagonale 2019

Regie, Buch: Emily Atef
Darsteller/innen: Marie Bäumer, Birgit Minichmayr, Charly Hübner, Robert Gwisdek
Kamera: Thomas W. Kiennast
Schnitt: Hansjörg Weissbrich
Originalton: Joern Martens
Musik: Christoph M. Kaiser Julian Maas
Sounddesign: Kai Tebbel
Szenenbild: Silke Fischer
Kostüm: Janina Audick
Weitere Credits: Mischung MARTIN STEYER Maskenbild LJILJANA MÜLLER, HANNA HACKBEIL Produzent KARSTEN STÖTER Co-Produzenten DANNY KRAUSZ SOPHIE DULAC MICHEL ZANA Casting ANJA DIHRBERG, SONIA LARUE
Produzent/innen: Karsten Stöter, Danny Krausz, Sophie Dulac, Michel Zana
Produktion: Roh Filmfactory (DE), Dor Film (AT), Sophie Dulac (FR)
Koproduktion: Tita B Productions (FR) Departures Film (DE) Rohfilm Productions (DE) NDR ARTE ORF Film/Fernseh-Abkommen

 

— Spektrum: Out of Competition

Diagonale im Dialog: Im Anschluss an das Screening findet ein ausgedehntes Gespräch zwischen Emily Atef (Regie) und Rüdiger Suchsland (Journalist) über Mythos und Inszenierung der Schauspielerin Romy Schneider statt. Mit Unterstützung der Diagonale-Hauptsponsorin Steiermärkische Sparkasse.

1981 gab Romy Schneider dem „Stern“-Journalisten Michael Jürgs ein aufsehenerregendes Interview. Emily Atef rekonstruiert dieses Treffen in einem Spa-Hotel an der französischen Atlantikküste in ästhetischem Schwarz-Weiß, angelehnt an Robert Lebecks Fotos, die dieser damals vor Ort machte. Mit herausragenden Darsteller/innen gelingt Atef die überraschende Annäherung an die Person hinter dem medialen Bild und die Durchdringung der Projektionsfläche, die Romy Schneider war.

Als Romy Schneider 1981 einwilligt, dem „Stern“ ein Interview zu geben, ist sie 42 Jahre alt – und weiß, dass auch dieses Gespräch für Aufsehen sorgen wird. Stets bewegte sie sich in solchen Situationen zwischen Mut zur Offenbarung und selbstbedrohender Entblößung. Regisseurin Emily Atef konzentriert sich in ihrem Film auf dieses Interview, das Aufeinandertreffen von vier Personen und das daraus resultierende Spannungsfeld – in das sie auch die Zuseher/ innen in ihrer Rolle als Medienkonsument/innen miteinbezieht. Treffpunkt ist ein Spa Hotel in Quiberon, in das Schneider sich zurückgezogen hatte.
Der ehrgeizige „Stern“-Journalist Michael Jürgs sieht in diesem Interview eine große Karrierechance; begleitet wird er von Schneiders Lieblingsfotografen und gutem Freund Robert Lebeck.
Auf der Grundlage von Lebecks Fotos gestaltete Atef ihren Film (ebenfalls) in Schwarz-Weiß. Mit einer für Ambiguitäten extrem feinfühligen Marie Bäumer in der Hauptrolle kommt sie der Person hinter dem Bild, das die Medien von Schneider zu diesem Zeitpunkt manifestiert hatten und das Jürgs hier stets für aggressive und herablassende Verbalattacken dient, überraschend nah. Ihr gelingt ein analytisches Durchdringen der Projektionsfläche, die Schneider war, als die sie sich aber auch anbot. Das genaue Beobachten einer zur Ikone stilisierten Frau, die mit ihrer Opferrolle kokettierte, die für ihre Sinnlichkeit und Selbstbestimmtheit verehrt und für ihre Selbstzerstörung bemitleidet wurde. Und die Freilegung eines medialen Geflechts, in dem alle Seiten zu einem gewissen Grad profitierten.
(Katalogtext, az)

Es ist ein Kammerspiel über einen potenziell unmoralischen Tauschhandel, in dessen schuldhafte Verstrickungen man als Zuschauer förmlich hineingezogen wird: Wo wird der Journalist seine Grenzen setzen in seiner Gier nach Nähe, die doch auch die unsere, die der Öffentlichkeit ist? Und wird er Romy Schneiders Vertrauen am Ende durch Diskretion belohnen? Oder ist auch dieser Film am Ende gar eine letzte mediale Ausweidung nur der zerbrechlichen Diva? (…) Noch heute ist es kaum möglich, über diese große Künstlerin zu schreiben, ohne sie zugleich in ihrer Opferrolle festzuschreiben. Genau darüber weist der Film dank seiner nuancierten Zeichnung am Ende hinaus.
(Daniel Kothenschulte, Frankfurter Rundschau)