Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

KATER
Spielfilm, AT 2016, Farbe, 119 min., OmeU
Diagonale 2017

Regie, Buch: Händl Klaus
Darsteller/innen: Lukas Turtur, Philipp Hochmair
Kamera: Gerald Kerkletz
Schnitt: Joana Scrinzi
Ton: Klaus Kellermann, Claus Benischke-Lang
Sounddesign: Stefan Rosensprung
Szenenbild: Enid Löser
Kostüm: Tanja Hausner
Produzent/innen: Antonin Svoboda, Bruno Wagner
Produktion: coop99 filmproduktion

 

In einem großen Haus umgeben von einem wilden Garten lebt Orchesterhornist Stefan in einer harmonischen, gefestigten Beziehung mit seinem Freund Andreas. Idyllisch die Abende mit Freunden, aufregend die intimen Momente zwischen den beiden. Dann, eines Tages, in der Sekunde eines Moments, verändert sich alles. Ein Splitter von Gewalt dringt ein und zieht eine dämpfende, fortan nicht mehr enden wollende Sprachlosigkeit nach sich. Ein Film über zwei Menschen, die einander lieben. Lieben wollen.

Acht Jahre nach seinem eindrucksvollen Spielfilmdebüt MÄRZ geht es im neuen Film des österreichischen Regisseurs, Autors und Opernlibrettisten Händl Klaus erneut um Verlust. Um Verlust der Sprache in erster Linie: die Unfähigkeit, einen Schmerz auszudrücken, die sich lähmend über alles legt, wenn etwas Unbegreifliches geschehen ist. In MÄRZ erschütterte ein Selbstmord ein ganzes Dorf in dieser Weise. In Klaus’ neuem Film KATER ist es ebenfalls ein unverständlicher, gar momentaner Gewaltakt, der zumindest zwei Leben verändert.
Mit umwerfender Ruhe und aufrichtiger Zärtlichkeit inszeniert Händl Klaus bis zum Moment der unumkehrbaren Wende – und speziell auch danach: In kongenialer Zusammenarbeit mit Kameramann Gerald Kerkletz beobachtet er aufmerksam, doch unaufdringlich das eingespielte Leben der beiden Männer Stefan (Lukas Turtur) und Andreas (Philipp Hochmair) – und ihres Katers namens Moses. In einem schönen Haus mit wildem Garten vor der Tür leben sie umgeben von Kunst und lieben Freund/innen. Bestimmt wird ihr Rhythmus vor allem durch die Musik: Stefan ist Hornist im RSO, doch die emotionale wie auch die analytische Bedeutung klassischer Stücke setzt der Regisseur auch als tragende Pfeiler in den Alltagsszenen mit Andreas um.
Bevor eines Tages das Unverständliche passiert, übermittelt nicht zuletzt das vertraute, äußerst feinfühlige Spiel zwischen Turtur und Hochmair eine ungezwungene Nähe, eine ehrliche Direktheit. Nach dem Einbruch jedoch das andere Extrem: Entfremdung, wo vorher schier unzerstörbare Verbundenheit war, eine Verschiebung, auch bildlich: Kaum noch finden beide in einer Einstellung zueinander.
„Wenn wir lieben, steht immer alles auf der Kippe“, sagt Händl Klaus über diesen Film. Andreas und Stefan erfahren diesen „Kippmoment“, vielleicht haben sie ihn auch erzwungen. Von nun an, das wissen sie, ist ihre Liebe weder nur Wunsch noch nur Bereuen. Sie ist eine Entscheidung.
(Katalogtext, az)

Besonders besticht KATER durch die Übernahme religiöser Versatzstücke: Der Film handelt vom Paradies (auch darum die explizite Nacktheit der Protagonisten) und vom Verlieren desselben. Und er erzählt vom Ansinnen zweier Männer, es wiederzuerlangen. (…) Eine Schlange kommt in der Vertreibung von Andreas und Stefan aus ihrem Garten Eden gleichfalls vor. Und der Kater, um dessen Schicksal herum Händl Klaus seine Geschichte komponiert, heißt (nicht zufällig) Moses.
(Otto Friedrich, Die Furche)

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