Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

EGON SCHIELE - TOD UND MÄDCHEN
Spielfilm, AT/LU 2016, Farbe, 109 min., OmeU
Diagonale 2017

Regie: Dieter Berner
Buch: Hilde Berger, Dieter Berner
Darsteller/innen: Noah Saavedra, Maresi Riegner, Valerie Pachner, Larissa Aimée Breidbach, Marie Jung, Elisabeth Umlauft, Thomas Schubert, Daniel Sträßer, Cornelius Obonya, André Jung, Nina Proll, Wolfram Berger, Luc Feit
Kamera: Carsten Thiele
Schnitt: Robert Hentschel
Ton: Philippe Kohn
Musik: André Dziezuk
Sounddesign: Francois Dumont
Szenenbild: Götz Weidner, VSK
Kostüm: Uli Simon
Weitere Credits:
Maske: Béatrice Stephany
Tonmischung: Michel Schillings
Produzent/innen: Franz Novotny, Alexander Glehr, Bady Minck, Alexander Dumreicher-Ivanceanu
Produktion: Novotny & Novotny Filmproduktion
Koproduktion: Amour Fou (LU), Ulrich Seidl

 

Anfang des 20. Jahrhunderts ist Egon Schiele einer der provokantesten Künstler Wiens. Sein Leben und sein Werk sind geprägt von Erotik und Vergänglichkeit, seine Vorliebe für kindliche Modelle bringt ihn mit dem Gesetz in Konflikt und für ein paar Wochen in Untersuchungshaft. Regisseur Dieter Berner konturiert Schieles Schaffen anhand prägender Frauenfiguren im Leben des Künstlers.

EGON SCHIELE – TOD UND MÄDCHEN beginnt mit dem Tod. Ende 1918 finden Verwandte Egon Schiele in seiner Hietzinger Wohnung neben der Leiche seiner schwangeren Frau. Wie sie ist er an der Spanischen Grippe erkrankt, und es steht schlecht um ihn. Schiele ist damals 28 Jahre alt. Regisseur Dieter Berner setzt mit Rückblenden fort, in die Zeit der Mädchen. Seinem Film über Schiele und die Frauen liegt Hilde Bergers Roman „Tod und Mädchen“ zugrunde. Die Erzählung erstreckt sich über einen Zeitraum von zehn Jahren, Berner konzentriert sich dabei auf wichtige Stationen im Leben des „Wiener Modernen“.
Konturiert und maßgeblich geprägt ist Schieles Schaffen in Berners Film also von den zentralen Frauenfiguren im Leben des Künstlers: Gerti, Egons 15-jährige Schwester, sein erstes Modell und seine engste Vertraute, deren Platz bald von Moa, einer schwarzen Varietékünstlerin, eingenommen wird. Außerdem das „Probierfräulein“ Wally, die eine zeitweilige Lebensgefährtin und das Modell für die meisten Arbeiten Schieles ist, darunter auch das berühmte Gemälde „Tod und Mädchen“. Schließlich die bürgerlichen Schwestern Adele und Edith Harms; Letztere heiratet Schiele aus wenig romantischen Gründen.
„Das ist ja entsetzlich“, soll der Kaiser gesagt haben, als er die Kunst Egon Schieles zum ersten Mal präsentiert bekam. Der Künstler selbst (gespielt von Noah Saavedra, der in dieser Rolle enthusiastisch aufgeht) erzählt diese Anekdote auch im Film voller Stolz.
Es ist das Spannungsfeld zwischen Provokation und Anspruch, zwischen Ausdruck und Rechtfertigung, schließlich zwischen Kunst und Legitimation, das Berner in seinem Blick auf Schiele interessiert, mehr noch aber die Rolle vor allem der Wally Neuzil, furios und einnehmend dargestellt von Valerie Pachner. Ab dem ersten Zusammentreffen permanente Begleiterin in Schieles Leben, ist sie einmal Liebhaberin, beste Freundin, Seelenverwandte und schließlich geschäftliche Managerin. Sie ist es auch, die ihn vor Gericht verteidigt, als ihm aufgrund seiner Porträts von jungen Frauen Unzucht mit Minderjährigen vorgeworfen wird. „Ich bin Künstler, nicht Pornograf“, schmettert Schiele dem Richter entgegen, und ein wenig klingt das so, als würde er sich dies auch selbst sagen. Denn auch wenn der Selbstzweifel – zumindest in Berners Film – kein wesentlicher Charakterzug Schieles ist: Es wird deutlich, wie viel Kraft es kosten kann, künstlerisches Talent gegen Anfeindungen, bedingt möglicherweise bloß durch die jeweilige Zeit oder Gesellschaftsschicht, verteidigen zu müssen.
(Katalogtext, az)

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