Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Kreuz des Südens
Spielfilm, AT 2014, Farbe, 90 min.
Diagonale 2015

Regie: Barbara Eder
Buch: Barbara Eder, Ivo Schneider
Darsteller/innen: Andreas Lust, Franziska Weisz, Lukas Resetarits, Maria Urban, Tina Posch, Harry Lampl, Michael Fuith, Oliver Rosskopf u. a.
Kamera: Andreas Thalhammer, Xiaosu Han
Schnitt: Christian Pilsl
Originalton: Atanas Tcholakov
Musik: Gerrit Wunder
Sounddesign: Manuel Grandpierre
Szenenbild: Maria Gruber
Kostüm: Christine Ludwig
Produzent/innen: Peter Wirthensohn, Tommy Pridnig
Produktion: Lotus-Film
Koproduktion: ORF

 

Es ist ein Kreuz mit dem Süden, genauer gesagt mit dem Südburgenland, wohin es den Wiener Kripobeamten Tommy zur Erholung und Erbschaftsabwicklung verschlägt. Nach einem tödlichen Zirkusunfall droht die Provinzherzlichkeit zu kippen: Die Zeichen stehen auf Lynchjustiz, und Tommy sieht sich mit Abgründen konfrontiert, die bis in die eigene Biografie zurückreichen. ORF-Landkrimi #4: eine burgenländische Homecoming-Story mit kriminalistischem Doppelboden. Dialektgewitter in Starbesetzung.
www.lotus-film.at

Katalogtext Diagonale 2015:
Das „Kreuz des Südens“ ist ein Sternbild, das Menschen auf Schiffen benutzt haben, um den richtigen Weg zu finden. Und genau darum geht es: Geh ich weg? Komm ich zurück oder wandere ich aus? (Barbara Eder)

Es ist ein Kreuz mit dem Süden, genauer gesagt mit dem Südburgenland, wohin es den Wiener Kripobeamten Tommy nach einer akuten Hirnblutung verschlägt. Zur Genesung zwangsverpflichtet kehrt er in den Heimatort des Vaters zurück, um den Verkauf des Erbes voranzutreiben. Es braucht nicht lange, bis die Kunde vom verlorenen Sohn die Runde macht. „Wir san do im Burgenland. Do waaß a jeda ois“, heißt es – Anonymität fällt im beschaulichen (fiktiven) Reingraben unter die Kategorie Fremdwort. Doch freilich gibt es sie auch hier: die unentdeckten Leichen im Keller (der Stoff, aus dem die Krimis sind). Nach einem vermeintlichen Zirkusunfall, der tödlich endet, droht die Herzlichkeit im Ort tatsächlich zu kippen. Ausgerechnet den wichtigsten Arbeitgeber der Region musste es treffen, ausgerechnet durch die Hand (oder das Wurfmesser) eines ehemaligen Reingrabeners – eines „Ausgrasten“, wie auch Tommy einer ist. Und in welcher Verbindung steht dieser zur Greißlerin, die sich so gar nicht in das eindimensionale Provinzbild einfügen will? Tommys professionelle wie private Neugier ist geweckt, alle anfänglichen Stadtfluchtgedanken sind vergessen. Doch mit lästiger Fragerei macht man sich nirgendwo beliebt, erst recht nicht als „Gschmiada“ (Polizist) aus dem verhassten Wasserkopf Wien.

Im starbesetzten Dialektgewitter formuliert sich eine Homecoming- Story samt kriminalistischem Doppelboden, die bewusst mit Genrekonventionen und Stadt-Land-Klischees kokettiert. Wenngleich sich das Sujet des Heimatfindens und -definierens bereits im Titel ins Astronomische ausweitet, verortet Barbara Eder den vierten ORF-Landkrimi in bodenständig- burgenländischer Tradition; erzählt etwa von Auswanderungswellen in den nordamerikanischen Raum und damit einhergehender Kinderverwaisung. Bei aller Tiefe lässt sie dabei Luft für schwarzhumorige Genretwists und einige zündende Romantikspitzen (boy meets girl – Andreas Lust trifft Franziska Weisz). Da soll noch jemand sagen, das Burgenland sei nichts als langweilig und flach. (sh)