Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

Maria muss packen
Dokumentarfilm, AT/PL 2012, Farbe, 72 min., OmdU
Diagonale 2013

Regie, Buch, Kamera: Filip Antoni Malinowski
Darsteller/innen: mit: Maria Malinowska, Tadeusz Malinowski
Schnitt: Filip Antoni Malinowski, Julia Pontiller, Stefan Hahn
Ton: Florian Kindlinger
Musik: Thalija
Sounddesign: Florian Kindlinger
Produzent/innen: Jürgen Karasek, Filip Antoni Malinowski, Carlo Pisani
Produktion: Soleil Film GmbH
Koproduktion: Malina Film (PL)

 

Der Regisseur wird anwesend sein.

Ein ungewöhnliches polnisches Ehepaar, beide über 80. Nach 66 Jahren in der gemeinsamen Wohnung werden sie nun gezwungen, auszuziehen. Auf der einen Seite Maria mit zeitloslebendigem Geist und ungebrochenem Optimismus – auf der anderen ihr Ehemann Tadeusz, ein stiller Wissenschaftler und Fatalist. Ein Film über Gerechtigkeit und Gleichheit, aber auch über moralische Krisen in der vergangenen und gegenwärtigen Gesellschaft – und über das Altwerden und Jungbleiben.

Katalogtext Diagonale 2013:

Wie ein loser Familienstammbaum sind Porträt- und Gruppenfotografien liebevoll an einer Wand angebracht. 66 Jahre lang haben Maria Malinowski und ihr Ehemann Tadeusz in ihrer Wohnung in Posen, Polen, gelebt. „Da könnte man meinen, ein alter Mensch zu sein“, sagt die 81-Jährige und lächelt verschmitzt. Kinder und Kindeskinder habe sie hier groß werden gesehen – auch den Enkel und Regisseur, der bereits vor zwanzig Jahren nach Wien emigrierte. Und jetzt – wie aus heiterem Himmel – soll sie das geliebte Eigenheim verlassen?

Nachdem Polen die im Kommunismus verstaatlichten Wohnungen an die rechtmäßigen Eigentümer/innen rücküberschrieben hat, sind heute viele Langzeitmieter/innen von Delogierung betroffen – so auch die Großeltern von Filip Antoni Malinowski. Über Monate hat er sie in dieser Phase des Abschieds immer wieder besucht und mit der Kamera begleitet: ihn, den Fatalisten und stillen Wissenschaftler, sie, die zeitlos lebendige Optimistin.

In Form einer essayistisch-dokumentarischen Familienarchäologie nähert sich Malinowski deren persönlicher Katastrophe an, die sich zunehmend auch auf Gesundheit und psychische Verfasstheit niederschlägt. Mit jeder Einstellung, jedem Detail und jedem Gesprächssprenkel werden neue Geschichten freigelegt: über Zwischenmenschliches, aber auch über Zwangsarbeit in Hitler-Deutschland, Gräueltaten der Gestapo und den Alltag in Zeiten des Kommunismus. Maria muss packen ist ein Film über Gerechtigkeit und Gleichheit, in dem persönliche Familiengeschichte mit (polnischer) Zeitgeschichte rückkoppelt. Letztlich – und so würde es Maria formulieren – ist es auch ein liebevolles Plädoyer dafür, mit den kleinen Dingen glücklich zu sein und das Leben trotz allem zu genießen. (red)

Als unsere Familie von der Kündigung des Mietvertrags von Maria und Tadeusz erfuhr, mussten wir feststellen, dass der Ort, den wir unser „Zuhause“ nannten, in Gefahr war – ein Ort, an dem nicht nur die Generationen unserer Familie heranwuchsen, sondern der auch unsere Erinnerungen, die guten und schwierigen Momente unseres Lebens, beherbergt. Dieses „Nest“ war ein Ort, mit dem wir förmlich verwachsen waren, und trotzdem mussten wir uns damit abfinden, dass wir unser Zuhause womöglich für immer verlieren werden. So weit wollten wir es nicht kommen lassen. (Filip Antoni Malinowski)

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