Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

 

Festivaleröffnung:
Dienstag, 19. März 2019
19.30 Uhr
Helmut List Halle

Der Boden unter den Füßen (AT 2019) von Marie Kreutzer
Österreichpremiere

Eröffnungssponsor:
AVL Cultural Foundation

Kosponsoren:
Almert & Partner und
Energie Steiermark

Eröffnungsfilm’19: Der Boden unter den Füßen von Marie Kreutzer

Der Boden unter den Füßen © Juhani Zebra

Ein Film, der unter die Haut geht: Marie Kreutzers neuer Spielfilm Der Boden unter den Füßen wird am Dienstag, dem 19. März, die Diagonale’19 eröffnen. Der Boden unter den Füßen ist ein wagemutiger Film und großes Kino, das viel riskiert und gerade dadurch unglaublich betörend und faszinierend ist – vor allem deswegen, weil Der Boden unter den Füßen eine Zäsur im bisherigen Œuvre der in Graz geborenen Filmemacherin Marie Kreutzer (Was hat uns bloß so ruiniert, Gruber geht, Die Vaterlosen u. a.) darstellt. Das grandios besetzte Drama über zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten, besticht durch ernste, melancholische und zugleich feinfühlige Töne und offenbart neue Nuancen in Kreutzers Werk.

Nach der Weltpremiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin feiert Der Boden unter den Füßen seine offizielle Österreichpremiere bei der Diagonale’19 und läutet damit die 22. Festivalausgabe in Graz ein.

Zum Film

Die erfolgreiche Unternehmensberaterin Lola (Valerie Pachner) ist ständig unterwegs und hat ihr Privatleben ebenso fest im Griff wie ihre Karriere: ein berauschendes Jetset-Leben zwischen Hotellobbys, Meetings, Geschäftsessen, Flughäfen und einer geheimen Liaison mit ihrer Chefin Elise (Mavie Hörbiger). Der Suizidversuch ihrer älteren Schwester Conny
(Pia Hierzegger) bringt Lolas knallhart strukturiertes – und sich selbst gegenüber kompromissloses – Leben ins Wanken. Raffiniert und unvorhersehbar geht Marie Kreutzer in ihrem Film der ewigen Frage nach, wie viel Raum familiären Strukturen im eigenen Leben eingeräumt werden soll und muss, ohne die eigenen Bedürfnisse zu übergehen oder sich aus der Pflicht zu nehmen. Gedreht auf 35mm-Film huldigt Der Boden unter den Füßen dabei dem Kino, das wohl wie kein anderes Medium vermag, Realitäts-, (Wunsch-)Traum- und Wahnebenen zu verschieben, zu verkanten oder momenthaft aufzulösen. Hastend zwischen Selbst-, Prozess- und Profitoptimierung. Auf der verzweifelten Suche nach dem eigenen Glücksversprechen.

Ein herausragendes Schauspielerinnenensemble

Mit der einmal mehr großartigen Valerie Pachner (u. a. EGON SCHIELE – TOD UND MÄDCHEN, Vor der Morgenröte, JACK, Bad Luck) sowie mit Pia Hierzegger und Mavie Hörbiger in den tragenden Rollen versammelt Marie Kreutzer in Der Boden unter den Füßen ein starkes Schauspielerinnenensemble, das diesen aufwühlenden und doch feinsinnigen Film auf authentische Weise trägt. Ein Film, der der psychischen Verfasstheit eines Menschen in einer (selbst-)ausbeuterischen Welt gebührende Aufmerksamkeit zollt.

Marie Kreutzer zurück in Graz

In besonderer Weise bedeutet der Eröffnungsfilm’19 für Marie Kreutzer ein Homecoming zum Festival des österreichischen Films. Bereits vor 18 Jahren feierte Kreutzer ihr Diagonale-Debüt, das in eine stete Wiederkehr nach Graz münden sollte: Mit ihrem ersten Kurzspielfilm Cappy Leit (AT 2000) war sie 2001 erstmals im Programm vertreten. Für White Box
(AT 2006) erhielt Kreutzer 2007 den Thomas Pluch Drehbuchförderpreis. 2011 folgte der Große Diagonale-Preis des Landes Steiermark – Bester Spielfilm für ihren ersten Langspielfilm Die Vaterlosen (AT 2011). Wie auch bei Der Boden unter den Füßen arbeitete Kreutzer schon damals mit der Kamerafrau Leena Koppe, die für Die Vaterlosen mit dem Diagonale-Preis für die beste Bildgestaltung bedacht wurde. Zudem wurde der Spielfilm in beiden Schauspielkategorien (Marion Mitterhammer und Johannes Krisch) ausgezeichnet. Auch ihre Folgearbeiten präsentierte Marie Kreutzer im Rahmen des Festivals. 2015 zeigte die Diagonale Gruber geht (AT 2015), 2017 die TV-Komödie Die Notlüge (AT 2017) und den Kinofilm Was hat uns bloß so ruiniert (AT 2016).

„Meine Beziehung zur Diagonale hat mit der Uraufführung meines ersten Kurzfilms im legendären Augartenkino begonnen. Sie ist eine lange und leidenschaftliche, und wie in der Pflege langer Beziehungen wichtig, freut man sich manchmal über einen neuen Kick. Eröffnen zu dürfen ist definitiv ein solcher Kick! Und dann noch mit Der Boden unter den Füßen, auf den die Menschen so unberechenbar, emotional, mitunter verstört reagieren wie auf keinen meiner Filme zuvor. Es wird ein aufregender Abend für mich!“
— Marie Kreutzer

„Kino! Genau das ist Der Boden unter den Füßen. Die kompromisslose Hingabe zu Kino und zu einem Erzählen, das sich inhaltlich nicht selbst genügt, sondern das sich formal und ästhetisch in jedes Filmbild einschreibt. Um den Blick des Publikums zu schärfen. Um die innerfilmische Realität der Protagonistinnen zu verschärfen. Marie Kreutzer traut sich viel und mutet dem Publikum einiges zu – das ist erfrischend, wohltuend und ein wagemutiger Schritt aus der Komfortzone. Der Boden unter den Füßen ist bestimmt ein streitbarer Film, jedenfalls einer, für den wir nicht nur streiten, sondern klar Position beziehen! Für die Kunst Kino!“
— Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber

Der Boden unter den Füßen © Juhani Zebra

Der Boden unter den Füßen (AT 2019)
Mit: Valerie Pachner (Lola), Pia Hierzegger (Conny), Mavie Hörbiger (Elise), Michelle Barthel (Birgit), Marc Benjamin (Sebastian), Axel Sichrovsky (Herr Bacher), Dominic Marcus Singer (Jürgen), Meo Wulf (Clemens)

Eine Produktion der Novotny & Novotny Filmproduktion
Förderungen des Eröffnungsfilms: Österreichisches Filminstitut, Filmfonds Wien, FISA – Filmstandort Austria, ORF Film/Fernseh‐Abkommen

 

Marie Kreutzer © Elsa Okazaki

Marie Kreutzer, geboren 1977 in Graz. Studium Buch und Dramaturgie an der Filmakademie Wien. Seit 2007 Vorstandsmitglied im drehbuchVERBAND Austria und im drehbuchFORUM Wien. Seit 2011 Mitglied in der Projektkommission im Österreichischen Filminstitut. Seit 2013 Lehrbeauftragte an der Kunstuniversität Graz. Für Die Vaterlosen wurde sie 2011 mit dem Großen Diagonale-Preis des Landes Steiermark – Bester Spielfilm ausgezeichnet.

Filme: Die Notlüge (AT 2017), Was hat uns bloß so ruiniert (AT 2016), Gruber geht (AT 2015), Die Vaterlosen (AT 2011), Ingrid (AT 2010), Punsch Noël (AT 2008), Weihnachtsdienst (AT 2007), White Box (AT 2006), 7 Todsünden/Trägheit (AT 2005), Un peu beaucoup (AT 2002), Cappy Leit (AT 2000)