Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

In Referenz

Nicht selten bleibt es Festivals, Cinematheken und Kinos mit Programmanspruch vorbehalten, Film in größeren Zusammenhängen zu positionieren, historische Referenzlinien aufzuzeigen oder Filme vor dem vorzeitigen Vergessen zu bewahren. Die Schiene In Referenz sucht nach derartigen Linien und setzt Klammern im Festivalprogramm. Heimisches Filmschaffen wird mit sich selbst und mit internationalen Positionen in Dialog gebracht, Aktuelles mit historischen Specials und Rahmenprogrammen verschaltet. So wird die Leinwand zum Knotenpunkt für eine Vielzahl von roten Fäden, die sich durch die Diagonale ziehen.

 

Notes on Marie Menken @ sixpackfilm

In Referenz: Stille Post zwischen Genres und Generationen

Rote Fäden, Klammern, Verweise

Die Reihe Zur Person und das historische Special verknüpft die Programmschiene In Referenz gleich in mehrfacher Weise: über Protagonist/innen und korrespondierende Filmarbeiten. Jessica Hausner trifft über Maya Deren, Alexander Hammid und Teiji Ito auf Martina Kudláček, Marie Menken auf Deborah Stratman. Österreich trifft USA, Historisches verschränkt sich mit Aktuellem. So wird das Festival zum Knotenpunkt einer Vielzahl roter Fäden, die mal deutlicher sichtbar, mal versteckter sind.

2001 gewinnt Jessica Hausner mit ihrem Spielfilm Lovely Rita (AT/DE 2001) den Wiener Filmpreis. Ex aequo wird Martina Kudláček für ihren Dokumentarfilm In the Mirror of Maya Deren (AT/CH/DE 2001) ausgezeichnet. Die beiden Filmemacherinnen verbindet nicht nur der Zufall dieses Moments, sondern auch die Begeisterung für die US-Avantgarde, zuvorderst für Maya Deren. In der Reihe Zur Person: Jessica Hausner zeigt die Diagonale neben Derens gemeinsam mit ihrem Ehepartner Alexander Hammid realisiertem Hauptwerk Meshes of the Afternoon (AT 1943) außerdem Arabesque for Kenneth Anger von Deren-Zeitgenossin Marie Menken (US 1961). Beide Arbeiten greifen genauso wie Hausners jüngster Film Little Joe (AT/DE/UK 2019) auf die unverkennbaren Kompositionen des legendären Musikers Teiji Ito zurück.

Mit Martina Kudláčeks In the Mirror of Maya Deren und Notes on Marie Menken (AT/US 2006) zeigt die Diagonale zwei poetische Filmporträts zweier legendärer Künstlerinnen der US-Avantgarde. Im historischen Special trifft mit Aimless Walk – Alexander Hammid (AT/CZ 1996) ein weiterer Porträtfilm auf Bezúčelná procházka (Aimless Walk – Spaziergang ins Blaue), Hammids ersten, 1930, noch vor dem Exil in Prag, entstandenen filmischen Stadtspaziergang. Dazu als rasantes Intermezzo: Go! Go! Go! von Marie Menken (US 1962–1964).

Wie stark der Einfluss und der Mythos Maya Derens bis in die Gegenwart nachhallen, zeigt sich zudem im aktuellen Kurzfilm Vever (for Barbara) von Deborah Stratman (GT/US 2019). Der Found-Footage-Film rekurriert unter anderem auf Maya Deren und steht im Zentrum eines Kurzfilmprogramms anlässlich des dreißigjährigen Bestehens von Österreichs renommiertestem Experimentalfilmverleih und -vertrieb sixpackfilm.

Weitere Fährten führen über Alexander Hammid zu Jonas Mekas und ins aktuelle Filmprogramm sowie zu einem von SYNEMA – Gesellschaft für Film und Medien kuratierten Spezialprogramm mit dem Titel Displaced Persons – Keine Heimat, nirgendwo!. Mehr dazu bei der Programmpräsentation im März.

 

Musikverein Graz, Stefaniensaal © Robert Illemann

In Referenz: Musikverein für Steiermark

Festkonzert
Film und Musik im Dialog, Beiträge zum Thema Menschenrechte

Ein Festkonzert im Zeichen der zeitgeschichtlichen Jubiläen des heurigen Jahres: 75 Jahre Kriegsende und Befreiung vom Nationalsozialismus, 65 Jahre Staatsvertrag, 25 Jahre EU-Beitritt Österreichs. Erstmals kooperieren Musikverein für Steiermark, Diagonale und Österreichisches Filmmuseum im Rahmen eines gemeinsamen filmischen Konzertabends.

Zum 75. Mal jähren sich heuer das Ende des Zweiten Weltkriegs und die Befreiung vom nationalsozialistischen Regime. Die Musiker Friedrich Kleinhapl (Violoncello) und Andreas Woyke (Klavier) nehmen dies zum Anlass, einen Konzertabend mit Stücken aus den Ländern der Alliierten zu gestalten. Das 4. Festkonzert des für sein humanistisches Engagement und seine klare Haltung zum Einhalten der Menschenrechte bekannten Musikvereins für Steiermark, an dem auch die weiteren zeitgeschichtlichen Jubiläen des heurigen Jahres aufgriffen werden: 2020 jährt sich die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags zum 65. Mal. 25 Jahre ist es her, dass Österreich der Europäischen Union beitrat. Dieses gleich mehrfache Jubiläumsjahr nehmen der Musikverein für Steiermark, die Diagonale und das Österreichische Filmmuseum zum Anlass, am Abend des 27. März (19.30 Uhr) erstmals gemeinsam zu einem filmischen Festkonzert in den Grazer Stefaniensaal einzuladen.

Zwischen den Musikstücken werden kurze Filmbeiträge gezeigt, die ausgehend von den markanten zeitgeschichtlichen Ereignissen die Geschichte der Zweiten Republik fragmentarisch reflektieren. Filmbilder privater und öffentlicher Provenienz, aus den Beständen des Österreichischen Filmmuseums und des ORF-Archivs, Aufnahmen der Diagonale-Preisträger Johannes Gierlinger und Kristina Schranz sowie Fotos aus privaten Beständen, von denen ausgehend sich eine Erzählung Österreichs seit 1945 entspinnen lässt. Bekannte Aufnahmen und solche, die offizielle Bilder um private Blicke erweitern. Das Programm, das zwischen Filmprojektion und musikalischer Darbietung changiert, dauert neunzig Minuten. Die konkrete Filmauswahl wird am Abend der Auf- und Vorführung vor Ort bekannt gegeben.

Das filmische Festkonzert steht im Zeichen der Menschenrechte und positioniert die Stadt Graz und ihre Geschichte nicht nur in Österreich, sondern im Herzen Europas und der Europäischen Union. Eine Position, die nicht selbstverständlich ist und historisches Bewusstsein einfordert; eines, das stets erneuert werden muss.

Der Abend steht zudem im Zeichen der Erinnerung an den kürzlich verstorbenen Filmemacher Gustav Deutsch, mit dem gemeinsam die Diagonale und der Musikverein für Steiermark sowie das Österreichische Filmmuseum und Hanna Schimek, Gustav Deutschs Partnerin in Kunst und Leben, im Sommer 2019 erste Vorgedanken zu diesem Festkonzert skizziert hatten.

Festkonzert im
Musikverein Graz

Film und Musik im Dialog
Beiträge zum Thema Menschenrechte
Freitag, 27. März 2020
19.30 Uhr
Musikverein Graz
Stefaniensaal

Friedrich Kleinhapl – Violoncello
Andreas Woyke – Klavier

Musikprogramm

Edward Elgar, Mot d’amour, op. 13/1, Salut d’amour, op. 12, u. a.
Alfred Schnittke, Cellosonate Nr. 1
Claude Debussy, Cellosonate in d-Moll
Friedrich Gulda, Cellokonzert
Astor Piazzolla, Grand Tango

Karten sind bereits über den Vorverkauf des Musikvereins für Steiermark erhältlich.