Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

 

Diagonale Film Meeting
14. und 15. März 2018
Hotel Wiesler, Salon Frühling

Das Programmheft zum Download als PDF

Projektsponsoren:
Fernsehfonds Austria
FISA – Filmstandort Austria

Mit Unterstützung von:
Creative Europe Desk Austria – MEDIA

Das Diagonale Film Meeting ist von ecoversum als Green Meeting zertifiziert.

Reisen Sie umweltschonend – mit den ÖBB oder mit Fahrgemeinschaften. Unterstützen Sie die klimafreundlichen Projekte www.atmosfair.de oder de.myclimate.org und kompensieren Sie so die CO2-Emissionen Ihrer Flugreise.

Fahren Sie gratis mit der Straßenbahn durch die Grazer Altstadt: zwischen Jakominiplatz und Hauptplatz plus eine Station in beide Richtungen, z.B. vom Festivalzentrum Kunsthaus Graz bis zum KIZ RoyalKino oder zum Rechbauerkino.

Diagonale’18 Film Meeting

Vom „Branchen-Wrestling“ zur Filmpolitik

Interessen und Zukunftsfragen der österreichischen Filmbranche

© Diagonale/Alexi Pelekanos

Das Diagonale Film Meeting 2018 will aus unterschiedlichen Perspektiven Filmpolitik betrachten, Schwächen und Stärken des Status quo benennen und filmpolitische Dringlichkeiten formulieren. Eingeladen sind erfahrene Akteur/ innen, die ihre Handschrift in der Filmbranche hinterlassen haben, wie auch junge und neue, die in Zukunft maßgeblich mitgestalten können und müssen, möchte man den zunehmend kritisch hinterfragten Erfolgskurs des heimischen Films fortsetzen. Das „Branchen-Wrestling“ in bekannter Form hilft dabei vermutlich wenig. Braucht es andere Strategien und Regeln im Ringkampf um und für den österreichischen Film?

Programm Mittwoch, 14. März
Programm Donnerstag, 15. März

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Bitte beachten Sie, dass die Anzahl der Teilnehmer/innen aufgrund der räumlichen Gegebenheiten begrenzt ist.

 

Einleitung

Nur drei Tage nach der Veröffentlichung des ÖVP-FPÖ-Regierungsprogramms am 16. Dezember 2017 folgte per OTS-Aussendung eine Stellungnahme aus der Filmbranche. Wesentliche Anliegen der Filmwirtschaft seien ernst genommen worden, das Regierungsprogramm biete eine konstruktive Basis, und man sei bei der Umsetzung der dringend notwendigen filmpolitischen Maßnahmen zur Unterstützung der Politik bereit. Zu Wort kamen die beiden Produzentenverbände AAFP und Film Austria und der Fachverband der Film- und Musikwirtschaft.

Die Stellungnahme der nichtproduzierenden Branche folgte am 10. Jänner 2018. Vertretungen der österreichischen Kunst- und Kulturschaffenden luden gemeinsam zur Pressekonferenz. Die Filmanliegen wurden vom Dachverband der österreichischen Filmschaffenden und vom Verband Filmregie vorgetragen. Ihr Urteil über das Regierungsprogramm fiel skeptischer und in manchen Punkten absehbar konträr zu den Positionen der Produzentenverbände aus. Ein Gießkannenprinzip, von dem das Regierungsprogramm abkommen möchte, gebe es ebenso wenig wie zu viele Filme. Die Kritik ging nicht nur in Richtung Regierungsprogramm, sondern auch in Richtung Filmwirtschaft: „Filmpolitik ist nicht allein Produzentensache“, schreibt der Verband Filmregie und fordert Mitsprache.

Eine wenig überraschende Episode. Die Diskussion darüber, was der österreichische Film sein soll und wie man ihn zu fördern habe, wiederholt sich und verkommt reflexartig zum Grabenkampf und, wie es Werner Müller vom Fachverband im „RAY“-Sonderheft vom Februar 2018 bezeichnet, zum (auch auf der Diagonale ausgetragenen) „Branchen-Wrestling“.

Die jüngsten Entwicklungen zeigen aber auch beispielhaft, wie Filmpolitik hierzulande funktioniert und wer sie gestaltet. Die Produzentenverbände waren auf einen möglichen Regierungswechsel vorbereitet: AAFP und Film Austria haben sich im Juni 2017 zur „Filmallianz Österreich“ zusammengetan und einen gemeinsamen Forderungskatalog an die Politik formuliert. Der Fachverband präsentierte im August 2017 ein „Angebot an die neue Bundesregierung“, um endlich zeitgemäße Rahmenbedingungen für die Film- und Musikwirtschaft zu schaffen. Da erstaunt es wenig, dass sich dieser Teil der Filmwirtschaft praktisch zeitgleich mit der neuen Regierung in Stellung gebracht hat. Er ist organisiert und agiert effektiv. Einige ihrer Akteur/innen sind seit vielen Jahren filmpolitisch aktiv und zeichnen in Mehrfachfunktionen für die Entwicklung des österreichischen Films verantwortlich. Sie prägen die österreichische Filmkultur. Sie vereinen Know-how, Erfahrung und Netzwerk.

Solche Persönlichkeiten gibt es auf Filmschaffendenseite auch; das österreichische Autor/ innenkino zeugt davon. Nur vertreten sie ihre Interessen nicht gleichwertig orchestriert. Einzelkämpfertum, diverse Interessenlagen, wenig nachhaltige Entscheidungsstrukturen, lückenhafte
Kenntnis in komplexen Sachfragen oder ganz einfach fehlende Zeitressourcen könnten Gründe dafür sein – womöglich auch dafür, dass sich viele
Verbände und Vertretungen schwertun, junge Filmschaffende zur filmpolitischen Mitbestimmung und -gestaltung zu motivieren.

Die Folge: Ein paar wenige verfügen nachhaltig über Willens- und Entscheidungskraft, um den österreichischen Film zu gestalten und für ihn zu sprechen. Nicht selten auch zum eigenen Vorteil, denn Filmpolitik ist oft der Mantel für Interessenspolitik und wird dann zur reinen Förderpolitik: Wer kriegt was vom Kuchen?

Dabei ist eine weitsichtige, transparente und geeinte Filmpolitik dringlicher denn je. Die Branchenrealität hinke sieben Jahre den optimalen Rahmenbedingungen hinterher, meinte ein filmpolitisch Aktiver im persönlichen Gespräch. Um zu verhindern, dass diese Lücke noch größer wird, benötigt der österreichische Film auch in Zukunft Player/innen, die Antworten auf und Lösungsansätze für politische sowie strukturelle Fragen formulieren und angesichts sich ändernder Rahmenbedingungen auch mit neuen Sicht- und Herangehensweisen aufwarten können.

Das Diagonale Film Meeting 2018 will aus unterschiedlichen Perspektiven Filmpolitik betrachten, Schwächen und Stärken des Status quo benennen und filmpolitische Dringlichkeiten formulieren. Eingeladen sind erfahrene Akteur/ innen, die ihre Handschrift in der Filmbranche hinterlassen haben, wie auch junge und neue, die in Zukunft maßgeblich mitgestalten können und müssen, möchte man den zunehmend kritisch hinterfragten Erfolgskurs des heimischen Films fortsetzen. Das „Branchen-Wrestling“ in bekannter Form hilft dabei vermutlich wenig. Braucht es andere Strategien und Regeln im Ringkampf um und für den österreichischen Film?

Gestaltung Diagonale Film Meeting 2018: Dominik Tschütscher