Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Dolmetscher
Spielfilm, AT/CZ/SK 2018, Farbe, 113 min., OmdU
Diagonale 2019

Regie: Martin Šulík
Buch: Marek Leščák, Martin Šulík
Darsteller/innen: Peter Simonischek, Jiri Menzel, Zuzana Mauréry, u.a.
Kamera: Martin Štrba
Schnitt: Olina Kaufmanová
Originalton: Klaus Kellerman, Pavel Rejholec
Musik: Vladimír Godár
Szenenbild: František Lipták
Kostüm: Katarina Hollá
Produzent/innen: Bruno Wagner, Rudolf Biermann, Martin Šulík
Produktion: coop99 filmproduktion GmbH
Koproduktion: IN FILM (CZ) TITANIC (SK)

 

— Spektrum: Out of Competition

Diagonale im Dialog: Im Anschluss an das Screening findet ein ausgedehntes Gespräch zwischen Peter Simonischek (Hauptdarsteller) und Ute Baumhackl (Ressortleiterin Kultur & Medien Kleine Zeitung) über seine Rolle in Martin Šulíks Film statt. Mit Unterstützung der Diagonale-Hauptsponsorin Steiermärkische Sparkasse.

Der Sohn eines ehemaligen SS-Offiziers (Peter Simonischek) und der Sohn eines ermordeten Juden (Jiří Menzel) begeben sich zusammen auf einen Roadtrip durch die Slowakei, um die schrecklichen Erlebnisse der Vergangenheit zu ergründen. Ein zwischen Komik und Tragik changierendes, brillant gespieltes Roadmovie über zwei Männer, die versuchen, sich von den ungelösten Konflikten in ihrer Biografie zu befreien.

Die dunkle Nazivergangenheit seines Vaters holt Georg Graubner eines Tages unerwartet ein. Vor seiner Tür steht der achtzigjährige Ali Ungàr und schiebt eine Pistole in seine Manteltasche. Durch Zufall hat der slowakische Dolmetscher in einem Buch über die Kriegserinnerungen des ehemaligen SS-Offiziers Kurt Graubner Hinweise auf eine Massenhinrichtung gefunden, bei der auch seine jüdischen Eltern getötet wurden. Viele Jahre später will Ungàr den mutmaßlichen Mörder seiner Eltern zur Rede stellen. Stattdessen trifft er auf dessen Sohn, einen zerzausten Alt-68er, der den Frauen und dem Alkohol zugetan ist und nichts mit seinem Vater zu tun haben will. Nach dieser ersten, eher unglücklichen Begegnung ist Graubners Interesse jedoch geweckt. Er engagiert den älteren Slowaken als Übersetzer, und die beiden Herren begeben sich auf einer gemeinsamen Reise durch die Slowakei auf Spurensuche. Anhand alter Briefe und einiger weniger überlebender Zeug/ innen versuchen sie, die schrecklichen Ereignisse zu rekonstruieren, und kommen dabei nicht nur einander, sondern auch sich selbst näher.
Der Roadtrip der ungleichen Gefährten verläuft jedoch nicht ganz ohne Konflikte: Während Graubner sich vor allem amüsieren will, hofft Ungàr, das Grab seiner Eltern zu finden. Die grandios gegensätzlichen Hauptfiguren sind mit Peter Simonischek als alterndem Schwerenöter Graubner, der an jeder Hotelbar eine andere, vornehmlich junge Frau aufreißt, und dem klug-traurigen Witwer Ungàr, der vom tschechoslowakischen Neue-Welle-Star Jiří Menzel verkörpert wird, prominent besetzt. Die anfängliche Beschwingtheit des Films weicht mit fortschreitender Reise einem ernsten, melancholischen Ton. Und irgendwann merkt Graubner, dass die Geschichte seines Vaters auch seine eigene bestimmt. Dolmetscher ist ein zwischen Komik und Tragik changierendes Roadmovie über zwei alte Männer, die an den ungelösten Konflikten in ihrer Biografie leiden und versuchen, sich von dieser drückenden Last zu befreien.
(Katalaogtext, ast)

Dolmetscher, eine tschechisch-slowakisch-österreichische Koproduktion, ist ein Film über unangenehme Wahrheiten. Und über die Notwendigkeit, sich ihnen zu stellen, wenn man sich aus Abhängigkeiten befreien will. Dabei ist Georg keine Scheuklappen- Figur, die so tut, als wäre nie etwas gewesen. Seine Abgeklärtheit ist die eines flüchtigen Gefangenen, der nicht merkt, dass sein Fuß noch immer angekettet ist.
(Andrey Arnold, Die Presse)

Dank an KINO VOD CLUB