Diagonale
Festival des österreichischen Films
8.–13. Juni 2021, Graz

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Mehrunisa
Spielfilm, AT 2020, Farbe, 90 min., OmeU
Diagonale 2021

Regie, Buch: Sandeep Kumar
Darsteller*innen: Farrukh Jaffar, Ankita Dubey, Tulika Banerjee
Kamera: Christian Haake
Schnitt: Claudia Linzer
Originalton: Herbert Verdino
Musik: Iva Zabkar
Sounddesign: Matthias Ermert
Szenenbild: Ashish Narayan Verma
Kostüm: Ritika Tiwari
Weitere Credits: Dramaturgie: Petra Ladinigg
Produzent*innen: Sandeep Kumar
Produktion: Sandeep Kumar Films
Koproduktion: in Zusammenarbeit mit Golden Girls Film & Rangpaakhi Films (IN)

 

Als der achtzigjährigen Mehrunisa nach dem Tod ihres patriarchalischen Ehemannes eine Rolle in einem gigantischen Bollywoodfilm angeboten wird, sagt die einstige Schauspielerin der mächtigen männerdominierten Filmindustrie den Kampf an. Das österreichisch-indische Arthouse-Drama erzählt mit Farrukh Jaffar, der Grande Dame des indischen Kinos, in der Hauptrolle die rührende Emanzipationsgeschichte Mehrunisas, die gegen Diskriminierung kämpft und zum Idol für Millionen von Frauen wird.

Das Ehebett geht in Flammen auf. Die achtzigjährige Inderin Mehrunisa zerhackt es nach dem Tod ihres Mannes und zündet es im Hinterhof an. In einer exzentrischen Befreiungsgeste entledigt sich die einstige Schauspielerin der Dominanz ihres patriarchalischen Gatten und schlägt ein neues Kapitel in ihrem Leben auf: Sie hat keine Lust mehr, sich unterzuordnen und von Männern sagen zu lassen, was sie tun soll – egal ob es dabei um den Verkauf ihres Hauses oder den lebenslangen Wunsch geht, die Hauptrolle in einem Film zu spielen. Denn kurz nach dem Tod ihres Mannes stehen zwei Bollywoodproduzenten vor Mehrunisas Tür und wollen sie für ein gigantisches Filmprojekt gewinnen. Das Drehbuch hat für die alternde Schauspielerin allerdings einen Haken: Der ihr angebotene weibliche Part ist lediglich eine Nebenfigur in dem Geschichtsdrama rund um die Belagerung von Lucknow 1857 durch die britische Kolonialmacht. Mit Unterstützung ihrer Enkelin beginnt Mehrunisa einen Kampf gegen die mächtige männerdominierte Filmindustrie – und macht sich dafür stark, dass die Geschichte aus der Perspektive einer Frau erzählt wird.
Der in Wien lebende Filmemacher Sandeep Kumar besetzt in seinem österreichisch-indischen Arthouse-Drama die Grande Dame des indischen Kinos, die legendäre 88-jährige Farrukh Jaffar, erstmals in einer Hauptrolle. Die rührende Emanzipationsgeschichte Mehrunisas, die sich mit zunehmendem Alter keinerlei Diskriminierung mehr bieten lassen will, bricht mit sämtlichen Erzählkonventionen des Mainstream-Bollywood und übt Kritik an der noch immer pa­triarchal strukturierten indischen Filmbranche. Das Drama begleitet seine Hauptfigur auf ihrem erstaunlichen Weg zur Politisierung und zeigt ihren Kampf für die eigenen Rechte in einem Land, in dem es keine Selbstverständlichkeit ist, dass eine Frau einen Beruf ergreift oder sich gegen eine Heirat entscheidet. Ihr Mut und ihre Unnachgiebigkeit machen sie zum Vorbild für Millionen von indischen Frauen. Mehrunisa wurde in Indien gedreht, die komplette Besetzung des Films wurde in der Region gecastet und spricht Hindi. Das Team hinter und an der Kamera brachte Kumar aus Österreich mit. Versuche, indische Koproduzent/innen zu finden, scheiterten an der Entscheidung des Regisseurs, eine 88-Jährige als Hauptdarstellerin zu wählen. Unterhaltsam und tiefsinnig eilt Mehrunisa der von Mavie Hörbiger angestoßenen Diskussion um Altersdiskriminierung vor allem von Frauen im Film und auf Bühnen voraus.
(Katalogtext, ast)