Diagonale
Festival des österreichischen Films
19.–24. März 2019, Graz

FilmprogrammRegisseur/innen | Spielplan


Freitag, 22.03.
21:15 Uhr, KIZ Royal
Samstag, 23.03.
23:00 Uhr, UCI Annenhof Saal 6

NEVRLAND

Spielfilm, AT 2019, 90 min, OmdU

Um den Haushalt zu unterstützen, beginnt der 17-jährige Jakob, als Aushilfskraft in einem Schlachthof zu arbeiten. Bald setzen bei ihm unerklärliche Panikattacken ein, die ihn arbeitsunfähig machen. Jakob zieht sich immer mehr zurück. In einem Sex-Cam-Chat für schwule Männer lernt er den 26-jährigen Künstler Kristjan kennen. Ein drängendes Zeitporträt über Körperlichkeit und Selbstwerdung.

Die starre Routine, die den Alltag des 17-jährigen Jakob (Simon Frühwirth) prägt, tropft in Gregor Schmidingers NEVRLAND aus den Bildern wie lähmendes Gift. Doch was starr ist, gibt auch Sicherheit – ein Gefühl, das Jakob abhandenzukommen scheint, als er allmählich zu realisieren beginnt, dass sich sein Leben wesentlich von dem seines Vaters (Josef Hader), mit dem er in einer kleinen Wohnung lebt, unterscheiden soll. Um den Haushalt zu unterstützen, beginnt Jakob als Aushilfskraft in einem Schlachthof zu arbeiten, doch damit setzen bei ihm auch die ersten Panikattacken ein. Diagnose: Angststörung. Ohnehin sehr schüchtern, zieht sich Jakob noch weiter zurück und verbringt seine Zeit in Sex- Cam-Chats für schwule Männer. Dort lernt er den 26-jährigen Künstler Kristjan kennen, zuerst eine virtuelle Freundschaft. Mit einem realen Treffen möchte Jakob noch warten, auch weil er weiß, dass das eine Konfrontation mit seiner bisher nicht bewusst gelebten Sexualität bedeuten würde. Doch ewig verstecken will er sich nicht.
Expressive Bilder und ein treibender, atmosphärisch alles verdichtender Soundtrack begleiten Schmidingers Protagonisten in seinen troubled times. Doch nicht das Coming-out oder die sexuelle Orientierung der Hauptfigur machen NEVRLAND zu einem dringlich-drängenden Zeitporträt, sondern die Fragen nach der personellen Identifikation mit Körperlichkeit in einer von Virtualität bestimmten Ära und der daraus resultierenden, immer weiter klaffenden Schere zwischen Vorstellung und Selbstwerdung.
(Katalogtext, az)

NEVRLAND von Gregor Schmidinger ist ein faszinierender Film wie aus einem Guss, wie man ihn, wenn man Glück hat, vielleicht alle zehn oder zwanzig Jahre mal sieht.
(Thomas Reinhardt, Saarbrücker Zeitung)

Angststörungen sind die am häufigsten diagnostizierte psychische Erkrankung in der westlichen Welt und überproportional in der Millennial-Generation zu finden. Auch mein Leben wurde zehn Jahre lang von einer teils sehr lähmenden Angststörung beeinflusst. NEVRLAND war eine Möglichkeit, mich auch auf eine künstlerische Art mit dem Thema Angst zu beschäftigen und zugleich mit dem Thema der Selbstwerdung. (…) Mir war es wichtig, Sexualität zeitgenössisch darzustellen, also auch den starken Einfluss von Pornografie und digitalen Medien, unter dem sie heute steht, zu zeigen. Und ich wollte einen Film aus der Post-Gay-Perspektive machen, d. h., die Homosexualität der Hauptfigur nicht ins Zentrum des Films zu rücken oder sie gar zu problematisieren bzw. das Coming-out zum großen Thema zu machen.
(Gregor Schmidinger)  

Regie: Gregor Schmidinger
Buch: Gregor Schmidinger
Darsteller/innen: Simon Frühwirth, Paul Forman, Josef Hader, Wolfgang Hübsch, Markus Schleinzer, Anton Noori
Kamera: Jo Molitoris AAC
Schnitt: Gerd Berner
Originalton: Gregor Kienel
Musik: Gerald VDH
Sounddesign: Thomas Pötz
Szenenbild: Conrad Moritz Reinhardt
Kostüm: Christine Ludwig
Produzent/innen: Ulrich Gehmacher
Produktion: Orbrock Filmproduktion