Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Fata Morgana
Innovatives Kino, AT 2012, Schwarzweiß, 140 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie: Peter Schreiner
Buch: Peter Schreiner
Darsteller/innen: Giuliana Pachner, Christian Schmidt, Awad Elkish
Kamera: Peter Schreiner
Schnitt: Peter Schreiner
Originalton: Johannes Schmelzer-Ziringer
Musik: Johannes Schmelzer-Ziringer
Weitere Credits: Mitarbeit Maria Schreiner Tonaufnahmen Leo Schreiner Tonaufnahmen Johannes Schmelzer-Ziringer Tonmischung Johannes Schmelzer-Ziringer
Produzent/innen: Peter Schreiner
Produktion: echt.zeit.film

 

„Mein Leben ist ein Haus am Rand der Wüste. Drin bin ich geborgen und gefangen.“ Mit kontrastreichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen taucht Peter Schreiner in die Tiefe der Psyche ab. Der Kamerablick schwenkt über Sanddünen und in den Innenraum eines dazwischen verlorenen Hauses. In Gedanken umherschweifend finden sich darin Personen auf einer Suche nach Halt. Erst die Scheinrealität der Fata Morgana macht Abstrakta begreifbar, Metaphern erträumbar. Das Kino als Ort traum-hafter Selbstreflexion.

Katalogtext Diagonale 2013:

Gewohnt bildgewaltig verortet Peter Schreiner seine Protagonist/innen inmitten einer kargen Wüste – umgeben von Weite, einem ausgeräumten Raum, einer ausgeräumten Landschaft. „Der Mensch muss einen Bezugspunkt finden“, sagt einer, „und das ist schon ein kreativer Prozess.“ Wo, wenn nicht in der Kunst, wäre die Suche nach Halt – psychisch wie räumlich – besser aufgehoben? Meditativ schweift der Kamerablick also über Sanddünen und in den Innenraum eines zwischen diesen verlorenen Hauses. In den kontrastreichen Schwarz-Weiß-Bildern werden psychische Momente „als Abstrakta ‚begreifbar‘, als Metaphern ‚erträumbar‘“, wie Schreiner sagt, wird die Wüste zum Sinnbild einer quasi ontologischen Dauer. (red)

Fata Morgana ist der Versuch, mein Gefühl von Defiziten zu teilen, mitzuteilen – und wir sind ja tatsächlich mit der Filmarbeit in diese Defizite auch hineingeraten: nicht nur konkret in den Krieg in Libyen. Auch gab es keine geringen Konflikte in jedem Einzelnen von uns – ganz zu schweigen von den Verletzungen und Verletzlichkeiten, die wir zu bearbeiten hatten. Und schließlich die Auseinandersetzung mit den uns umgebenden Landschaften, die – wie nach außen projizierte Innenwelten – auf uns (und in den Film) zurückwirkten (etwas wird uns genommen, verschwindet, und wir bekommen es verwandelt wieder zurück).

Ich wollte mit dem Film helfen, (zuerst einmal meine) Gefühle zu klären, dann zu ordnen, einen Ort für sie schaffen, denn wo sonst hätten unsere Empfindungen einen Ort als den, den die Gesellschaft heute „Kunst“ nennt und der vielleicht ein letzter Zufluchtsort ist in all der rasenden Atemlosigkeit des Konsums, die uns umgibt, uns durchdringt.

Fata Morgana ist mein Statement zur aktuellen Lage (auch zu meiner eigenen natürlich). Man spricht heute viel von einer fundamentalen Krise. Der Film versucht, eine solche Krise im psychischen Bereich zu mikroskopieren. Möglicherweise könnte das ja auch brauchbar sein für die Menschen – und ist vielleicht eine Bereicherung für das Kino, als Ort der traumhaften Selbstreflexion. (Peter Schreiner)