Diagonale
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Festival des österreichischen Films
27. März–1. April 2025, Graz

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Zoo Lock Down
Dokumentarfilm, AT 2022, Farbe, 72 min., kein Dialog
Diagonale 2023

Regie: Andreas Horvath
Buch: Konzept & Realisation: Andreas Horvath
Produzent:innen: Andreas Horvath

 

Normalerweise sind sie 365 Tage im Jahr den Blicken und Rufen der Besucher*innen ausgesetzt, doch während des Lockdowns erleben die Tiere im Salzburger Zoo erstmals ein menschenleeres Umfeld. Ein spannungsgeladener Thriller, der die surreale Atmosphäre und Absurdität des besuchslosen Zooalltags mit bedrohlich verstörender Geräuschkulisse, hypnotischem Minimalismus, trauriger Schönheit und fesselnder Intensität in Szene setzt.

In einem dunklen Raum mit unheimlich beleuchtetem Terrarium liegt ein Kaiman erstarrt auf der Lauer, im Piranhabecken schwimmt ein Mann und jätet Unkraut, und vor dem Untersberg zieht ein Nashorn über die Wiese. Währenddessen genießen die Affen ein Nickerchen in der Hängematte, und die Lemuren breiten sich im Restaurant aus, machen es sich auf den Tischen bequem oder klettern über Zäune, um andere Tiere zu besuchen: Alltag im Zoo oder ein befreiender Ausbruch in Zeiten des Ausnahmezustands? Während des Lockdowns erleben die Tiere im Salzburger Zoo erstmals menschenleere Wege und Plattformen vor ihren Gehegen, Vogelgezwitscher statt Kindergeschrei, das Ausbleiben der konstanten Geräuschkulisse Hunderter Besucher*innen an 365 Tagen im Jahr. Plötzlich müssen sie sich nicht mehr vor den aufdringlichen Blicken verstecken. Eine erholsame Auszeit vom tierischen Spektakeldasein steht an, vielleicht sogar ein Zustand, der ihrem natürlichen Habitat am nächsten kommt. In einem Spiel aus abwesenden, zusehenden, starrenden und befremdenden Blicken beobachtet der Film die Tiere in ihrem liebenswürdigen, urkomischen und oft unaufgeregten Dasein und stößt dabei unvermeidlich auch auf die notwendige oder dekorative Simulation des scheinbaren Naturzustands: Vor den Maya-Tempel-Nachbildungen im Leopardengehege hängt ein Amazon-Paket mit Fleischlieferung, ein Löwe blickt sehnsüchtig in die Weite der auf die Wand gemalten Savanne, und auch nach Stunden starrt das Reptil unbewegt, fast statuenhaft, in die Kamera. Zoo Lock Down hat alles, den Witz, die Tragik, den Nervenkitzel – und das, obwohl gar nicht so viel passiert. Zumindest nichts Neues, denn genau genommen ist Lockdown für Zootiere ein Dauerzustand. Doch dystopische Science-Fiction-Klänge, geisterhaftes Dröhnen und bedrohliche Chöre erzählen eine andere Geschichte: Mit der Vertonung synthetisch verzerrter Zoogeräusche erzeugt Regisseur Andreas Horvath einen zunehmend beunruhigenden Spannungsbogen, der auf eine vorhersehbare, doch folgenschwere Situation zusteuert. Zoo Lock Down ist ein spannungsgeladener Thriller, der wie die Persiflage einer Wildlife-Doku erscheint und mit amüsanter wie auch trauriger Schönheit, hypnotischem Minimalismus und fesselnder Intensität die fantastisch-surreale Atmosphäre und Absurdität des besuchslosen Zooalltags festhält.
(Katalogtext, mg)

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