Diagonale
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Vaterfilm
Dokumentarfilm, AT 2015, Farbe, 78 min., OmeU
Diagonale 2015

Regie, Buch, Kamera, Originalton: Albert Meisl
Schnitt: Rafael Haider
Sounddesign: Svenja Plaas, Bettine Ties, Tong Zhang, Nora Czamler
Produzent:innen: Albert Meisl
Produktion: Filmakademie Wien

 

Als Albert Meisl erfährt, dass sein Vater den Sommer möglicherweise nicht überleben wird, beginnt er, die Krankenbesuche im Elternhaus mit einer Kamera zu begleiten. In rauer, unaufgeregter Ästhetik dokumentiert er eine von Geduld und Fürsorge geprägte Pflegeroutine. In Form der Beobachtung wirft Vaterfilm dabei die Frage auf, wie dem Leiden eines geliebten Menschen begegnet werden kann. Und ist damit mehr, als sein Titel verspricht: ein Familienfilm nämlich und der bewegende Beleg einer Liebe bis zuletzt.
www.mdw.ac.at/filmakademie

Katalogtext Diagonale 2015:
Aus dem Radio erklingen die Nachrichten. Konzentriert lauscht die Mutter von Filmemacher Albert Meisl den Vorgängen in der Welt. Ein Innehalten, bevor sie sich wieder ihrem eigenen Alltag – der Pflege des demenzkranken Ehemanns – widmet. Als bekannt wird, dass dieser den Sommer möglicherweise nicht überleben wird, beginnt Meisl seine regelmäßigen Kran­kenbesuche im Elternhaus mit einer Mini­-DV­-Kamera zu begleiten. In rauer, unaufgeregter Ästhetik dokumentiert er eine Pflege­ und Lebensroutine, die von Geduld und Fürsorge geprägt ist. Analog dazu verharrt auch das Kamerabild in gedul­ diger Beobachtung, wird nicht eingerichtet, sondern in jener Form akzeptiert, die sich aus dem Moment heraus ergibt – wie beiläufig, statisch.

Zumeist fokussiert es das Krankenbett, das der Vater im halben Jahr der Dokumentation kaum noch verlässt. Repetitiv durch den Schleier der Demenz murmelnd interagiert er von dort aus mit Frau und Sohn. Bisweilen versagt seine Artikula­tion gänzlich. In einer der eindrücklichsten Szenen erwachen die lange Zeit geschlossenen Augen erst beim Klang eines klassischen Musikstücks zu ungewohnt geistesgegenwärtiger Klarheit. Es ist ein Moment höchster familiärer Intimität, der jene Anstrengungen aufwiegt, die mit der Betreuungssituation notgedrungen einhergehen. Und die sich in ihrem emotionalen wie körperlichen Ausmaß bemerkbar machen, wenn Meisl beim Versuch, den Vater anzukleiden, zunehmend ins Schwitzen gerät oder – nur allzu menschlich – mit aufkeimender Unge­duld hadert.

Über die ruhige Beobachtung wirft Vaterfilm die Frage auf, wie einer Krankheit und dem damit einhergehenden Leiden eines geliebten Menschen auf würdevolle Weise begegnet werden kann. In persönlichen Gesprächen zwischen Mutter und Sohn wird dieser Diskurs noch weiter geführt: Was man hätte anders machen, wie man hätte früher auf die Krankheit reagieren können, fragen sie und erklären die Überlegungen rasch für obsolet. „Man weiß nicht, was man tun soll“, sagt die Mutter. Aber man macht – und tut damit alles, was möglich ist. So gesehen ist Vaterfilm mehr, als sein Titel verspricht. Ein Familienfilm nämlich und der bewegende Beleg einer Liebe bis zuletzt. (sh)

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