Diagonale
Festival des österreichischen Films
21.–26. März 2023, Graz

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1+8
Dokumentarfilm, AT/US 2012, Farbe, 132 min., OmeU
Diagonale 2013

Regie: Angelika Brudniak, Cynthia Madansky
Buch: Angelika Brudniak, Cynthia Madansky
Kamera: Angelika Brudniak, Cynthia Madansky
Schnitt: Angelika Brudniak, Cynthia Madansky
Produzent*innen: Angelika Brudniak, Cynthia Madansky

 

Umgeben von acht Nachbarstaaten liegt die Türkei zwischen Europa und Asien. Cynthia Madansky und Angelika Brudniak suchen wenig bekannte Städte und Dörfer dies- und jenseits der türkischen Grenze auf. Deren Verlauf bestimmt das (Zusammen-)Leben und den Alltag der Menschen vor Ort. Formal getrennt und doch zusammengehörig vermitteln die 16 Porträts eine Geschichte der Gegenwart, wie sie spannender und weitreichender kaum sein könnte.

Katalogtext Diagonale 2013:

Umgeben von acht Nachbarstaaten liegt die Türkei zwischen Europa und Asien. Angelika Brudniak und Cynthia Madansky widmen sich dieser politisch und kulturell brisanten Geografie mit konzentrierter filmformaler Stringenz: Sie suchen kaum bekannte Städte entlang der türkischen Grenze sowie deren nachbarstaatliche Vis-à-vis auf. Das Ergebnis dieser Rundreise sind 16 Porträts von Orten und deren – teils unfreiwillig ansässigen – Bewohner/innen.

Der willkürlich gezogene Grenzverlauf bestimmt hier (Zusammen-)Leben und Alltag der Menschen, vielfach geprägt von Konflikten, (Guerilla-)Kriegen und militärischer Repression. Viele Geschichten drehen sich somit um die Suche nach Zugehörigkeit und autonomer Identität: „The flag is my dignity, my identity“, skandieren drei Mädchen in Sadarak, Aserbaidschan, symptomatisch.

Ohne zu kommentieren nähern sich die Filmemacherinnen den jeweils unterschiedlichen Lebensbedingungen an. Die daraus resultierenden Erzählungen vermitteln eine Geschichte der Gegenwart, wie sie spannender und weitreichender kaum sein könnte. (red)

Ausgangspunkte der außergewöhnlichen Reise sind die Stadt Nusaybin im Südosten der Türkei sowie ihr syrisches Gegenüber Al-Qamishli, und bereits hier zeigt sich jene präzise Beobachtung von sozialen und politischen Verhältnissen, die auch für den weiteren Verlauf des Films wesentlich ist. In beiden historisch willkürlich voneinander getrennten Städten leben hauptsächlich Kurd/innen, doch während in der Türkei ein Widerstandsgeist gegen die staatliche Obrigkeit herrscht, der von Schulkindern ebenso lautstark vorgebracht wird wie von Teilnehmer/innen an Demonstrationen für Abdullah Öcalan, regieren auf syrischer Seite Angst und Schrecken vor dem Regime Assads. Dominiert die Frage nach kurdischer Identität auch die Episoden an den Grenzen zu Irak und Iran – in denen die wenigen Minuten Schwarzfilm die Schilderung von Unterdrückung umso anschaulicher machen –, wird etwa in Georgien oder Armenien ersichtlich, wie die kommunistische Vergangenheit nach wie vor die Gegenwart der Menschen bestimmt. (Michael Pekler) Die Regisseurin wird anwesend sein.