Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Lourdes
Spielfilm, AT/FR/DE 2009, Farbe, 99 min., OmdU
Diagonale 2020

Regie: Jessica Hausner
Buch: Jessica Hausner
Darsteller/innen: Sylvie Testud, Léa Seydoux, Gilette Barbier, Gerhard Liebmann, Bruno Todeschini, Elina Löwensohn u. a.
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Karina Ressler
Originalton: Uve Haußig
Weitere Credits: Dramaturgie: Géraldine Bajard
Produzent/innen: Bruno Wagner
Produktion: coop99 filmproduktion
Koproduktion: Essential Filmproduktion (DE), Société Parisienne de Production (FR), Thermidor Filmproduktion

 

Mit ihrem eingespielten Team realisierte Jessica Hausner Lourdes. Das Drehbuch zu diesem Drama über die Wunderheilung der an Multipler Sklerose erkrankten Christine, die in den Wallfahrtsort Lourdes reist und plötzlich wieder gehen kann, verfasste Hausner selbst. Der experimentelle Kurzfilm Arabesque for Kenneth Anger von Marie Menken mit Musik von Teiji Ito komplettiert den Programmslot.

Gemeinsam mit ihrem eingespielten Team realisierte Jessica Hausner Lourdes (2009). Der Film ist eine österreichisch-deutsch-französische Koproduktion und wurde in Frankreich mit den Schauspielerinnen Sylvie Testud und Léa Seydoux in den Hauptrollen gedreht. Hausner schrieb selbst das Drehbuch zu diesem Drama über die Wunderheilung der an Multipler Sklerose erkrankten Christine. Die junge Frau sehnt sich nach einem Leben ohne Rollstuhl, und obwohl sie nicht an Wunder glaubt, fährt sie in den Wallfahrtsort Lourdes. Eine junge Nonne begleitet sie und macht ihr ein wenig Hoffnung auf Heilung. Erstaunlicherweise kann Christine plötzlich wieder gehen. Doch wie lange wirkt ein Wunder? Jessica Hausner zeigt die Ambivalenz zwischen Glauben, Hoffen und der kalkulierten Vermarktung von Spiritualität. Bei den Filmfestspielen von Venedig, wo Lourdes Premiere feierte, wurde der Film mit dem FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik ausgezeichnet.
(Katalogtext, ast)

Das Drama, um das es in Lourdes geht, handelt davon, dass man eben hofft, alles möge gut ausgehen. Man erwartet sich Liebe, hat Sehnsucht, hofft, dass irgendwer ein Netz aufspannt, dass man geborgen ist. Im Gegensatz dazu erkennt man jeden Tag, dass dem nicht so ist, dass das Weltall dunkel und kalt ist und man am Ende sterben wird. Dass das, was man tut, vielleicht gut ist, aber nicht dazu führt, ein erfülltes, glückliches Leben zu haben. Es geschehen andere Dinge, egal ob man diese „Zufall“, „Glück“ oder „Gott“ nennt, die stärker sind und ihren Einfluss nehmen, und die Dinge nehmen einen unerwarteten (unerwünschten oder unverhofften) Verlauf. Dieser Gegenpart ist mächtig und hat viel mit der Willkür der Ereignisse zu tun.
(Jessica Hausner)

Die große Stärke des Films besteht in seiner distanzierten Darstellung sowohl der religiösen als auch der zwischenmenschlichen Handlungen. Hausner geht mit dem teilnahmslos beobachtenden Blick ihrer Protagonistin den Glaubensgeschäften nach, ohne sich im Trubel des Wallfahrtsortes oder dem Versuch einer satirischen Darstellung zu verlieren. Zwischen Dokumentation und Inszenierung schwankend (für Massenszenen etwa wurden keine Statisten engagiert, sondern beispielsweise bei einer Segnung in Absprache mit den Priestern der übliche Betrieb gefilmt), wird hier das Geschehen in und um Lourdes nicht in aufdringlicher Weise gewertet. Es dient vielmehr als Schauplatz für das eigentliche Thema, das Wunder und seine ambivalenten Auswirkungen auf die Beteiligten.
(Helene Sorgner, Ray Filmmagazin)