Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

 

Festivaleröffnung:
Dienstag, 24. März 2020
19.30 Uhr
Helmut List Halle

Der schönste Platz auf Erden
(AT 2020) von Elke Groen
Uraufführung

Eröffnungssponsorin:
AVL Cultural Foundation

Kosponsor/innen:
Almert & Partner und
Energie Steiermark

Eröffnungsfilm’20: Der schönste Platz auf Erden von Elke Groen

Der schönste Platz auf Erden © Golden Girls Film/Elke Groen

Elke Groens neuer Dokumentarfilm Der schönste Platz auf Erden (AT 2020) eröffnet die Diagonale’20. Auf der größten Leinwand des Landes zeigt das Festival des österreichischen Films bei seiner 23. Ausgabe in Graz Groens präzise montiertes und eindringliches Porträt des kleinstädtischen Mikrokosmos Pinkafeld. Der von Golden Girls Filmproduktion (Arash T. Riahi und Sabine Gruber) verantwortete Dokumentarfilm feiert seine Uraufführung in Graz. Elke Groen, die in der Vergangenheit besonders auch als Cutterin und Regisseurin experimenteller und dokumentarischer Arbeiten in Erscheinung getreten ist, wird genauso wie die Protagonist/innen ihres Films bei der Eröffnung am 24. März anwesend sein.

Pinkafeld im Burgenland
Ein kommunaler Melting Pot in einer globalisierten Welt

Der schönste Platz auf Erden ist eine Bank unter einem Baum. Ist ein Gasthof. Eine Diskothek. Dort, wo kein Krieg ist. Vielleicht ist es Österreich. Vielleicht Pinkafeld im Burgenland. Kaum sechstausend Menschen leben hier. Der schönste Platz auf Erden setzt im Jahr 2016 an. In Pinkafeld setzt man sich für seinen berühmtesten Bewohner Norbert Hofer als Bundespräsident ein, obwohl man sonst SPÖ wählt. Drei aufreibende Jahre stehen den Menschen bevor. Zwischen Gedankenaustausch im Wirtshaus, Perchtenlauf und Ibiza-Video hört Elke Groen den Pinkafelder/innen zu, diskutiert und zeichnet ein vielperspektivisches Bild des gesellschaftlichen Lebens abseits der großen Ballungsräume. Ihre offenen Interviewsituationen treffen einen Nerv bei den politisch durchgerüttelten und sich gleichzeitig mit ihrer jeweiligen Lebensrealität auseinandersetzenden Pinkafelder/innen. Der schönste Platz auf Erden ist stets ein individueller, die Fragen hingegen, die sich dort stellen, sind universell.

Die Festivaleröffnung mitsamt der Verleihung des Großen Diagonale-Schauspielpreises für Verdienste um die österreichische Filmkultur (Bekanntgabe am 19. Februar via Medienmitteilung) findet am Dienstag, dem 24. März, in der Grazer Helmut List Halle statt. Mit einem Fassungsvermögen von mehr als 1.200 Besucher/innen wird letztere für einen Abend zum größten Kino Österreichs.

 

Der schönste Platz auf Erden © Golden Girls Film/Elke Groen

Mehr zum Film Der schönste Platz auf Erden

Im kleinen Pinkafeld im Burgenland stellt ein Journalist dem derzeit prominentesten Bewohner die Frage: „Is this the Austria that you want to preserve?“ Und der antwortet: „Yes, this should be the Austria I would like to preserve.“ Dabei hat es Pinkafeld im Jahr 2016, in dem Elke Groen ihren Film ansetzt, nicht leicht. Man beäugt die Stadtgemeinde skeptisch, aus der jener Norbert Hofer stammt, der in diesem Jahr reale Chancen hat, zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt zu werden. Ein Blauer, ein Rechtspopulist, hinter dem siebzig Prozent der Pinkafelder/innen stehen, obwohl der Ort traditionell der SPÖ anvertraut ist. Eine Landwirtin erzählt, dass man es dieser Tage nicht gerade gut habe als FPÖ-Wählerin. Sofort werde man als Nazi abgestempelt.

In der Diskothek „Hallelujah“ sorgt man sich derweil um andere Probleme. Die Kundschaft bleibt in letzter Zeit öfters aus. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zurück bleibt ein Betreiber, der sich einerseits sorgt und gleichwohl gelassen in die Zukunft schaut, wenn er auf die Gesamtzusammenhänge blickt. Immerhin seien, seit sich der Hass in Österreich auf Geflüchtete konzentriere, die alten Ressentiments kein Thema mehr – für Sinti und Roma wie ihn interessiere man sich nun weniger. Der Humor ist schwarz, aber ehrlich. Kurz nach der Ibiza-Affäre schallt „We’re going to Ibiza!“ von den Vengaboys durch den leeren Gastraum. Von all dem bekommt die syrische Familie, die sich seit zwei Jahren in Pinkafeld aufgehoben fühlt, nichts mit. Ihre Sicht auf den Mikrokosmos Pinkafeld ist von Dankbarkeit geprägt. Ein älterer Herr wiederum, der von sich behauptet, er wäre überall dort zuhause, wo er gerade ist, artikuliert Ängste. Jenen Einwanderungsstatistiken, die die Regisseurin vorbringt, schenkt er wenig Glauben. Eine klare Sache von Fälschung, meint er. All diese Menschen lässt Elke Groen in Der schönste Platz auf Erden zu Wort kommen, hakt manchmal nach, lässt vieles unkommentiert. Ihre offenen Interviewsituationen treffen einen Nerv bei den politisch durchgerüttelten und sich gleichzeitig mit ihrer jeweiligen Lebensrealität auseinandersetzenden Pinkafelder/innen.

 

Der schönste Platz auf Erden © Golden Girls Film/Elke Groen

Der schönste Platz auf Erden im größten Kino Österreichs. Das erscheint uns in mehrfacher Hinsicht stimmig: zum einen, weil Dokumentarfilm viel zu selten die ganz große Festivalbühne bekommt. Zum anderen, weil Elke Groen einen Film gestaltet hat, der entgegen weitläufiger populistischer Floskeln tatsächlich ins Land – Österreich – hineinhört und den Dialog sucht, ohne den Leuten nach dem Mund zu reden. Groen ist am Zusammenleben im kleinstädtischen Kosmos interessiert und denkt dabei global, verschaltet Eigen- und Fremdwahrnehmung, lokal und international. Beiläufig ist Der schönste Platz auf Erden dabei auch eines: ein zentrales Dokument jüngerer österreichischer Zeitgeschichte.“
— Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber

Der schönste Platz auf Erden ist ein Film, der Menschen, wie auch immer sie denken, verstehen möchte. Es ist ein Film, der keine vorgefasste Meinung hat und dadurch an Dinge und Wahrheiten herankommt, die überraschen. Ein Film, der anhand einer kleinen Gemeinde im Burgenland ein vielschichtiges Bild einer viel größeren Gesellschaft zeichnet, die durch Populismus gespalten wurde und doch die Sehnsucht nach Zusammenhalt nie aufgegeben hat.“
— Elke Groen

 

Elke Groen © Golden Girls Film/Roland Ferrigato

Elke Groen

Geboren 1969 in Gmunden. Studium der Architektur und der Fotografie in Wien. Seit 1995 als Filmemacherin und Cutterin tätig. 2005 Gründung von groen.film, spezialisiert auf experimentelle Filme. Zuletzt war Groen bei der Diagonale mit dem Kurzdokumentarfilm Bojo Beach (AT 2017) und der innovativen Arbeit Optical Sound (AT 2014) vertreten. Ihre Arbeiten Optical Sound und Nightstill (AT 2008) feierten ihre Premiere im Kurzfilmwettbewerb der Berlinale. Für letzteren wurde sie zudem mit dem Experimentalfilmpreis beim Ji.hlava International Documentary Film Festival sowie beim International Animation Film Festival Animateka in Ljubljana ausgezeichnet. Als Cutterin wirkte Groen an Arbeiten wie Der Stoff aus dem Träume sind (R: Michael Rieper, Lotte Schreiber, AT 2019), Free Lunch Society (R: Christian Tod, AT/DE 2017), Und in der Mitte, da sind wir (R: Sebastian Brameshuber, AT 2014) und Global Shopping Village (R: Ulli Gladik, AT 2014) mit.

Filme: Bojo Beach (AT 2017, Dokumentarfilm), Optical Sound (AT 2014, Innovatives Kino), Nightstill (AT 2008, Innovatives Kino), Jeder siebte Mensch (AT/LU 2006, Dokumentarfilm), Bunica (AT/LU 2005, Dokumentarfilm), Tito Material (AT 1998, Innovatives Kino)