Diagonale
Festival des österreichischen Films
28. März–2. April 2017, Graz

 

Maikäfer flieg von Mirjam Unger nach der Romanvorlage von Christine Nöstlinger (Uraufführung)

Dienstag, 8. März 2016

Eröffnungssponsor: AVL Cultural Foundation
Kosponsor: ALMERT & Partner und Energie Steiermark

Zu den Spielterminen von Maikäfer flieg bei der Diagonale’16 …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mirjam Unger © Pamela-Russmann/asablanca

Mirjam Unger © Pamela-Russmann/asablanca

Eröffnungsfilm: Maikäfer flieg

„Es ist Krieg. Es ist schon lange Krieg. Ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern, dass einmal kein Krieg war.“ Die Welt der neunjährigen Christl (Zita Gaier) besteht vor allem aus Trümmern, Staub und Nächten im Luftschutzbunker. Die Nachricht vom nahen Kriegsende bedeutet für sie und ihre Familie kaum Erleichterung, denn schon naht die nächste Bedrohung: Die Russen kommen. Frauen und Kinder sollen nach Möglichkeit raus aus Wien, heißt es. Die Großeltern (Krista Stadler, Heinz Marecek) bleiben in der halb zerbombten Wohnung in Hernals zurück, weil Oma nicht in einem Nazi-Haus Zuflucht suchen will.
Und so findet sich in einer Villa im Vorort Neuwaldegg ein kleines Häufchen gebeutelter, völlig mittelloser Überlebenswilliger: Christl, ihre Mutter (Ursula Strauss), ihre große Schwester (Paula Brunner), die ehemalige Herrin der Villa Frau von Braun (Bettina Mittendorfer), deren kleiner Sohn (Lino Gaier) – und auch Christls verwundeter Papa (Gerald Votava), der aus dem Lazarett desertiert ist, um nicht fernab von der Familie in ein deutsches Lazarett geschickt zu werden.

Maikäfer flieg © Filmladen/KGP

Maikäfer flieg © Filmladen/KGP

Christl ist ein neugieriges, kluges Kind, das sich kein X für ein U vormachen lässt. Sie erkundet die neue Umgebung mit großen Augen und wenig Angst – und blickt mit kindlicher Unschuld tief in menschliche Abgründe. Und als die gefürchteten Russen, mittlerweile Siegermacht, die Villa in Beschlag nehmen, findet Christl im Außenseiter Cohn (Konstantin Khabensky) sogar einen richtigen Freund. Ob er sie wohl in die Stadt zu ihren geliebten Großeltern bringen kann?
Es fällt heutzutage schwer, sich eine Kindheit im zertrümmerten Wien der 1940er-Jahre vorzustellen. Wie viel der Alltag einer Kinderseele damals zugemutet hat, wie viele Gefahren und wie wenig Verständnis es gab, aber auch wie viel unbeugsamen Willen für ein besseres, würdiges Leben und wie viel Sinn für Humor – davon handelt der autobiografische Roman „Maikäfer, flieg! Mein Vater, das Kriegsende, Cohn und ich“ (1973) von Christine Nöstlinger. Filmemacherin Mirjam Unger bringt die ebenso berührende wie beinharte Vorlage authentisch und liebevoll auf die Leinwand: als spannend-humorvolle Geschichte einer Kindheit, als Porträt einer Zeit des (buchstäblichen) Umbruchs – und nicht zuletzt als Hommage für eine der größten österreichischen Autorinnen.

Maikäfer flieg © Filmladen/KGP

Maikäfer flieg © Filmladen/KGP

Mirjam Unger über ihren Film: „Christine Nöstlinger ist als Frau mit politischer Haltung und als Künstlerin ein Vorbild, eine Kraftgeberin. Es ist sicher kein Zufall, dass bei dieser Verfilmung ihrer Kindheit hinter den Kulissen in fast allen Main Departments Frauen am Werk waren. Wir alle durften uns mit einem Budget, das die (für Frauen bislang) gläserne Decke durchbrochen hat, an diese historische Verfilmung wagen. Es ist uns allen bewusst, dass wir hiermit ein klares frauenpolitisches Statement setzen.“

Biografie
Mirjam Unger, geb. 1970 in Klosterneuburg, studierte bei Axel Corti und Wolfgang Glück Regie an der Filmakademie Wien. Ihre ersten Kurzfilme wurden mehrfach prämiert und liefen bei zahlreichen internationalen Festivals. Einem breiten Publikum ist sie als Gestalterin und Moderatorin diverser Jugendformate (X Large, Nitebox etc.) im ORF Fernsehen und bei Radio FM4 bekannt. Für ihren ersten Dokumentarfilm, Vienna’s Lost Daughters, in dem sie sich mit ihren jüdischen Wurzeln beschäftigte, wurde Unger bei der Diagonale 2007 mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Zuletzt zeigte Mirjam Unger ihren Kinodokumentarfilm Oh Yeah, She Performs! auf der Diagonale. Neben ihrer Arbeit als freie Regisseurin und Autorin für Kino ist sie auch als Sprecherin, Livemoderatorin und Fotografin tätig.

Filmografie
Oh Yeah, She Performs! (Dokumentarfilm, 2012)
Vienna’s Lost Daughters (Dokumentarfilm, 2007, Diagonale-Publikumspreis 2007)
Ternitz, Tennessee (Spielfilm, 2000)
mehr oder weniger (Kurzspielfilm, 1998)
Speak Easy (Kurzspielfilm, 1997)
Nachricht von H. (Kurzspielfilm, 1996)