Diagonale
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Festival des österreichischen Films
18. – 23. März 2026, Graz

FilmprogrammRegisseur:innen | Spielplan

 

Sonntag, 22.03.
15:30 Uhr, Rechbauer

Alltagsgeschichte: Am Stammtisch. Ein Heimatfilm von Elizabeth T. Spira

Dokumentarfilm, AT 1988, DCP, 58 min, dOF
Sammelprogramm: Und in der Mitte - Ein Wirtshaus: Kurzfilmprogramm

Elizabeth T. Spira beobachtet anlässlich der Waldheim-Affäre Gespräche in österreichischen Wirtshäusern. Offen zutage tretende Ressentiments, Machtansprüche und Ausgrenzung werfen die Frage auf, wessen Heimat hier verhandelt wird.

Die Gläser klirren, Rauch steht in der Luft. Man meint förmlich riechen zu können, wie sich das Dutzend vorwiegend beleibter Männer gegenseitig übertrumpft: an Lautstärke, an politischen und Wahrheitsansprüchen, an Gelächter und an Alkoholkonsum. Stammtische, wie man sie sich vorstellt, aber eigentlich nicht vorstellen möchte.

Elizabeth T. Spira zeigt in der Alltagsgeschichte -Episode von 1988, deren Ausstrahlung bis 2016 verhindert wurde, ein Soziotop, das beispielhaft für das Wirtshaus ist. Anlässlich der Affäre rund um die NS-Vergangenheit des damaligen Bundespräsidenten Kurt Waldheim fährt sie durch Österreich und dokumentiert Stammtischgespräche, die authentisch und gerade deshalb oft so schmerzhaft sind. Unverblümter Antisemitismus, stolz vorgetragener Sexismus, das Präsentieren von Waffen, Angebereien über den größten gefangenen Fisch. Das peinlich berührte Lachen bleibt einem im Hals stecken. Nur das zwischenzeitliche Musizieren scheint den Kloß wieder etwas zu lösen.

Am Stammtisch. Ein Heimatfilm stellt die Frage, wessen Heimat Österreich ist und wer das Anrecht hat, diesen Begriff für sich zu beanspruchen. Unweigerlich taucht die Frage auf, ob der Stammtisch zum Abbild der Gesellschaft oder der Abwesenden wird. Aber immerhin: Beim Reden kommen d’Leit zam. (Daniela-Katrin Strobl, Michael Zeindlinger)  

Regie: Elizabeth T. Spira
Kamera: Wilhelm Lindenberger
Schnitt: Inge Wistawel
Originalton: Rolf Leitenbohr
Weitere Credits: Produktionsleitung: Fridolin Pig; Redaktion: Peter Rabl
Produktion: ORF

 

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