Diagonale
Festival des österreichischen Films
16.–21. März 2021, Graz

Des drehbuchVERBAND Austria in Kooperation mit der Diagonale

Gestiftet vom Bundesministerium Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport

Die Carl-Mayer- und die Thomas Pluch Drehbuchpreise wären am Freitag, dem 27. März im Hotel Wiesler, Salon Frühling, im Rahmen eines Festakts in Kooperation mit dem Kulturressort der Stadt Graz und dem drehbuchVERBAND Austria verliehen worden. Die Preisträger/innen wurden nach Covid-19-bedingter Absage der Diagonale’20 per Kommuniqué bekanntgegeben.

Thomas Pluch Drehbuchpreise 2020

Johanna Moder © Lukas Moder, Sandra Wollner © Privat, Stefan Langthaler © Georg Weiss

Hauptpreis:
Waren einmal Revoluzzer – Drehbuch von Johanna Moder

€ 12.000

Für das beste Drehbuch eines abendfüllenden Kinospielfilms oder eines abendfüllenden Fernsehfilms

Jurybegründung:
Waren einmal Revoluzzer von Johanna Moder untersucht das politische Engagement zweier linksliberaler Freundespaare, die eine politisch verfolgte russische Familie aufnehmen. Die Geschichte begleitet die ‘Retter/innen’ in ihrem Akt der hilflosen Hilfsbereitschaft, bei dem die Gewissheiten ihres bürgerlichen Lebens in Frage gestellt werden. Was bleibt übrig von den Träumen und den Idealen der eigenen Jugend, wenn die Realität sie plötzlich auf eine Probe stellt? Die Krise bringt private und berufliche Probleme der Figuren gnadenlos und humorvoll an den Tag. Johanna Moder begleitet sie dabei mit kritischer Sympathie, die niemals denunziatorisch ist. Wenn wir also über die pointierten Dialoge dieses starken Ensembles lachen, dann lachen wir eben auch über unser eigenes Phlegma, unsere Lebenslügen und unsere Hilflosigkeit. Das Drehbuch überzeugt mit Witz, Leichtigkeit und Intelligenz und führt uns vor Augen, dass es mit zunehmendem Alter nicht einfach ist, jugendliche Revoluzzer/innen zu bleiben.”

 

Spezialpreis der Jury:
The Trouble with Being Born – Drehbuch von Sandra Wollner

€ 7.000

für ein Drehbuch eines abendfüllenden Kinospielfilms oder eines abendfüllenden Fernsehfilms mit besonders herausragend behandelten Aspekten

Der Spezialpreis der Jury geht an die österreichische Drehbuchautorin und Regisseurin Sandra Wollner, die das Drehbuch zu The Trouble With Being Born gemeinsam mit Roderick Warich verfasst hat. Warich ist als deutscher Staatsbürger für den Thomas Pluch Preis nicht zugelassen.

Jurybegründung:
The Trouble With Being Born erzählt von einer beklemmenden Zukunft, in der Menschen Androiden nach ihren Vorstellungen individualisieren und ‘benutzen’ im abstoßenden Sinne des Wortes: Als Sexspielzeug, Sozialkontakt, Trostpflaster, Sandsack … Die zehnjährige Ida ist ein solcher Androide. Je weiter ihre ‘Besitzer’ diese perfekte Puppe nach ihren Wünschen formen und umformen, desto mehr tun sich ihre menschlichen Abgründe vor unseren Augen auf. Ist Ida ein Therapeutikum? Ein Suchtmittel? Eine Prothese für nicht Gelebtes? Die Menschen sind jedenfalls heillos defekt, nicht die Maschine. Sandra Wollner und Roderick Warich wagen sich mit ihrer Geschichte in ein irritierendes und beklemmendes Zwischenreich zwischen Horror und Science-Fiction. Sie stellen unbequeme Fragen zu dem, was den Menschen zum Menschen macht und sind dabei so mutig und konsequent, viele Antworten schuldig zu bleiben. The Trouble With Being Born ist ein radikaler, eigenwilliger und riskanter Blick in unsere Zukunft.”

 

Preis für kurze oder mittellange Kinospielfilme:
Fabiu – Drehbuch von Stefan Langthaler

€ 3.000

für das beste Drehbuch eines Kinospielfilms mit einer Mindestlänge von 15 bis maximal 70 Minuten

Jurybegründung:
“Zwei Männer aus unterschiedlichen Zeiten, die sich doch ähnlicher sind, als der erste Blick verrät. Beginnend mit einer starken Ausgangssituation folgen wir gespannt der unvorhersehbaren melancholischen Erzählung, die trotz ihrer Kürze rund und in sich geschlossen ist. Eine zutiefst menschliche Geschichte über ungelebte Sehnsüchte, die vermeintlich letzte Chance und wahre Liebe. Das ist Fabiu von Stefan Langthaler, der handwerklich gekonnt mit filmischen Bildern und größter Verantwortung seiner Figuren gegenüber äußerst sensible die Begegnungen von Arthur und Fabiu erzählt.”

Jury Thomas Pluch Hauptpreis und den Thomas Pluch Spezialpreis der Jury: Wolfgang Kohlhaase (Drehbuchautor, Regisseur, Schriftsteller, DE), Dorothee Schön (Drehbuchautorin, DE), Jacqueline Surchat (Drehbuchautorin, CH)

Jury Thomas Pluch Preis für kurze oder mittellange Kinospielfilme: Marie Kreutzer (Drehbuchautorin, Regisseurin, AT), Nina Kusturica, (Drehbuchautorin, Regisseurin, Produzentin, AT), Gregor Schmidinger (Drehbuchautor, Regisseur, AT)

Die nationale Jury nominiert aus allen Einreichungen fünf Drehbücher, aus denen die internationale Jury den Hauptpreis und den Spezialpreis vergibt. Der Kurzfilmpreis wird von der nationalen Jury ausgewählt.