| Position | Birgit Minichmayr |
FILMSCHAU ZU EINER DER PRÄGENDSTEN SCHAUSPIELERINNEN IHRER ZEIT

Birgit Minichmayr in Wien im Oktober 2026, fotografiert für die Diagonale ’27 | Foto: Stefan Oláh
Die Diagonale freut sich, der Schauspielerin Birgit Minichmayr zur kommenden Festivalausgabe 2027 eine Position zu widmen. Minichmayr, geboren 1977 in Linz, begeistert seit ihrer Ausbildung am Max Reinhardt Seminar nicht nur auf den Theaterbühnen, sondern seit ihrem Kinodebüt im Jahr 2000 auch im Film.
„Die feinnervige Intensität ihres Spiels, ein unablässiges Nachjustieren, erinnert an die Arbeit einer Bildhauerin, die mit Hammer und Meißel Überflüssiges abträgt, bis aus Material lebendiger Ausdruck wird. So bringt Birgit Minichmayr Charaktere hervor, die in Bewegung bleiben – kraftvoll plastisch, schillernd künstlich oder irritierend verdruckst“, so das Intendanzduo Dominik Kamalzadeh und Claudia Slanar.
Aktuell ist sie als Kammerzofe in Ulrike Ottingers Die Blutgräfin und als trauernde, widerständige Mutter in Sandra Wollners Everytime zu sehen. Die Dreharbeiten zu Im Verborgenen, dem neuen Spielfilm von Goran Rebić, in dem sie als Aktivistin Eva Arnautović im Wien der 1930er Jahre zu sehen sein wird, wurden kürzlich abgeschlossen. Minichmayrs Filmschaffen gleicht einem Panorama lebenszugewandter Frauenfiguren: die eigenbrötlerische Malerin Maria Lassnig in Anja Salomonowitz’ Mit einem Tiger schlafen (2024), die Wirtin im Brenner-Krimi Der Knochenmann (2009) von Wolfgang Murnberger oder eine der desillusionierten Freundinnen in Barbara Alberts Fallen (2006). Dazu kommen internationale Arbeiten wie Maren Ades fragiles Beziehungsstück Alle Anderen (2009). Kein bestimmter Typus verbindet diese Figuren, sondern Minichmayrs Fähigkeit, zwischen Gegensätzen zu changieren: zwischen Bestimmtheit und Verletzlichkeit, Körperlichkeit und Entzug, Komik und Niedergeschlagenheit.
Ebendiese Fähigkeit überzeugte 2009 auch die Jury für den Diagonale-Schauspielpreis: „Diese Schauspielerin verwandelt sich in eine Frau, die uns allen bekannt vorkommt, die ‚ganz normal‘ ist und dann doch mit ihrem Lachen, ihren Reaktionen, ihrem Schweigen, ihrer Präsenz überrascht“, so die Begründung zu Minichmayrs Auszeichnung für ihre Rolle als Küchenchefin und Wirtin in Der Knochenmann. Zehn Jahre später, zur Festivalausgabe 2019, erhielt Birgit Minichmayr den Großen Diagonale-Schauspielpreis für Verdienste um die österreichische Filmkultur: „Birgit Minichmayr zieht einen sofort in ihren Bann – man kann den Blick nicht von ihr lassen, so außergewöhnlich ist ihre Kraft. Mit ihrem Spiel, mit ihrer Präsenz hat sie österreichischen genauso wie internationalen Produktionen zu unvergleichlicher Intensität verholfen“, so die Jury damals. 2024 folgte ein weiterer Diagonale-Schauspielpreis für ihre Darstellung der Künstlerin Maria Lassnig in Mit einem Tiger schlafen, erneut zeigte sich die Jury beeindruckt: „Es ist schwer, kein Muffensausen zu verspüren bei diesem hohen Drahtseilgang durch das Leben der Maria Lassnig, die Birgit Minichmayr in atemberaubender und kongenialer Weise verkörpert, ohne ein Fangnetz und ganz ohne Maske.“
Mit der Position zu Birgit Minichmayr, einer der prägendsten österreichischen Schauspielerinnen ihrer Zeit, blickt die Diagonale im Jubiläumsjahr des Festivals nicht nur auf ein außergewöhnliches schauspielerisches Schaffenspektrum zurück, sondern auch auf ein Stück österreichischer Filmgeschichte.
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Die Diagonale dankt dem Gartenbaukino für die kollegiale Unterstützung bei den Fotoaufnahmen.