| Nachtrag | Diagonale Film Meeting | 2026
Ein Branchenforum für Veränderungen und Ideen

© Diagonale / Miriam Raneburger
Als Anlaufstelle für die aktuellsten filmpolitischen Fragen sowie als Plattform für Fokusthemen und kurze Updates aus der Branche fand der erste Tag des Film Meetings im Diagonale Forum im Heimatsaal im Volkskundemuseum statt und war ein Ort des Austausches, der Diskussionen und der Ideen. Der zweite Tag ermöglichte durch geschlossene Think Tank-Gruppen konzentriertes und detailliertes Ausarbeiten der Ideen und möglichen Maßnahmen. Das Diagonale Film Meeting wurde von Michael Zeindlinger gestaltet.
Hier ein Nachtrag zu einigen der besprochenen Themen 2026:
FOKUS: KINDER- & FAMILIENFILM
Das Fokusthema wurde von drei Seiten beleuchtet – Rikke Flodin (DK) hat in ihrer Keynote berichtet, was Kinder eigentlich sehen wollen. Maciej Jakubczyk (PL) hat dem Publikum erzählt, wie es in Polen in den letzten zehn Jahren gelungen ist, mehr Kinderfilme zu produzieren. In einem Bühnengespräch mit Katharina Posch, Kris Staber und Dunja Bernatzky kamen aktuelle Perspektiven aus Österreich zu Wort; dabei wurden auch mögliche Zukunftsszenarien formuliert. In einem großen Think Tank wurde das Thema in Kooperation mit der Akademie des Österreichischen Films nochmals in konzentrierter Form und in Anwesenheit zahlreicher Schlüsselkräfte aus der Branche diskutiert. Als Ergebnis dieser Diskussionen und vorangegangener Gespräche wurde u. a. die IG Kindermedien von den drei Produzent:innen Dunja Bernatzky, Katharina Posch und Kris Staber gegründet, um den Diskurs weiterzuführen: „Trotz der Tatsache, dass 40 % der österreichischen Haushalte Familienhaushalte sind und 14 % der Bevölkerung Kinder sind, bildet sich diese Realität bisher kaum in der heimischen Medienlandschaft und -produktion ab. Es ist essenziell, dass die Branche diesen Umstand thematisiert und gezielt österreichische Kultur sowie Inhalte für ein junges Publikum schafft. Am Anfang einer solchen Entwicklung steht immer der Diskurs – Dank an die Diagonale, dass sie hierfür den Raum geboten hat.“
GREEN FILMING REPORT
Nina Hauser und Christian Ruthner vom Green Filming Department des Österreichischen Filminstituts präsentierten den ersten Green Filming Report der österreichischen Kinofilmförderung. Der Report ist ein Online-Tool, das zweisprachig und barrierefrei verfügbar ist und → hier abrufbar.
KI-KOORDINATION DES ÖFI
In einem Kurzimpuls wurden von Christian Ruthner wesentliche Eckpunkte der Position des Österrreichischen Filminstituts zu KI präsentiert (grundsätzliche Technologieoffenheit, achtsamer und transparenter Einsatz, Human in the Lead). Die ausgearbeitete Präsentation ist → hier abrufbar.
ZWISCHENRUF! AMS-ZUVERDIENST
Im Rahmen des Film Meetings gab es einen gemeinsamen Zwischenruf sowie einen Think Tank zum Thema „Zuverdienst muss möglich sein! Jetzt!“ vom Dachverband der österreichischen Filmschaffenden, dem Forum österreichischer Filmfestivals und der IG Bildende Kunst, um auf die Folgen des de-facto-Zuverdienstverbots zum Arbeitslosengeld, das seit 1.1.2026 gilt, aufmerksam zu machen. Die entsprechende Petition „AMS-Zuverdienstverbot aufheben!“ ist → hier abrufbar.
JAHRESBERICHT #WE_DO! OMBUDSSTELLE FILM & FERNSEHEN
Sophie Rendl und Daniel Sanin präsentierten den Jahresbericht der neu aufgestellt Ombudsstelle. Die zentralen Erkenntnisse sind → hier nachzulesen.
INVESTITIONSBEITRAG DER STREAMINGDIENSTE
Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Obmann des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft, skizzierte ein EU-konformes Modell zur Stärkung des Filmstandorts Österreich durch die Einführung einer Kombination aus Investment Obligation (Direktinvestitionen) und einer Abgabe (Levy) in Österreich. Dieses Modell sieht vor, dass eine zweckgewidmete Abgabe zur Finanzierung bestehender Filmförderstrukturen mit einer zusätzlichen Investitionsverpflichtung für Streaminganbieter in österreichische Filmproduktionen kombiniert wird.
Für Österreich wird konkret vorgeschlagen:
→ Einführung einer 7 %‑Levy zugunsten der Bundesfilmförderung (rund € 40 Mio. jährlich)
→ Etablierung einer 18 %‑Direktinvestitionsverpflichtung in kulturell qualifiziertes österreichisches Programm (rund € 90 Mio. jährlich)
Argumentiert wurde mit den wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen und gesellschaftlichen Effekten der Filmwirtschaft, einschließlich positiver Tourismuseffekte und einer höheren Wertschöpfung.
INTERNATIONALE FAIRNESS STANDARDS FÜR DIE FILMBRANCHE – EINE ERLEICHTERUNG?
In diesem Think Tank von Clar Gallistl wurde über Potenziale und Herausforderungen internationaler Fairness-Standards für Filmproduktionen reflektiert. Es wurden Risiken benannt, die im Zusammenhang mit transgressivem Verhalten für Filmproduktionen entstehen. Die Risiken sind bekannt und ihre Auswirkungen drastisch: ausbleibende Förderungen, verfestigte Seilschaften, unklare Kommunikation, Rassismus, Einbußen bei der künstlerischen Qualität und hoher Zeitdruck. Als Potenziale internationaler Standards wurden vor allem Klarheit und Sicherheit diskutiert, als größte Herausforderungen fehlende Daten und fehlende Konsequenzen. Die Ergebnisse werden in die Erarbeitung eines von der Wirtschaftsagentur Wien geförderten „Fairness Audit“ einfließen.



