
Das Block
Dokumentarfilm, DE 2007, DCP, 75 min, OmeU
Vier Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, in einem Wohnkomplex in Sachsen-Anhalt. Die Kamera hält kaum Abstand, wirft sich aus unmittelbarer Nähe in die Gesichter und die offenen Münder der Protagonist:innen und erfährt von Einsamkeit, Ängsten und einer um sich greifenden Verlorenheit. Mit ihrer kompromisslosen Intimität entfalten Kolbe und Wright ein fragmentarisches Nachbarschaftsporträt, das sich den üblichen Klischees sozialer Einordnungen entzieht.
In einem Wohnkomplex in Sachsen-Anhalt trifft die Kamera auf vier alleinlebende Menschen. Sie
trifft
diese Einsamen aus verschiedenen Generationen am gesellschaftlichen Rand wortwörtlich, denn sie hält kaum Abstand, wirft sich aus unmittelbarer Nähe in die Gesichter und die offenen Münder der Protagonist:innen. So ist der schwere Atem des arbeitslosen Hans-Joachim zu hören, der sich mit einem ihn terrorisierenden Anrufer herumschlägt. Man beobachtet, wie sich die Nesselstiche auf Natalyas Haut ausbreiten, während die Frau, die schwelgerisch ukrainische Heimatlieder singt, sich in ein Brennnesselfeld legt, um ihre inneren Wunden zu heilen. Man sieht die feuchten Augen der Russlanddeutschen Olga, die außer einem einsamen Tod nichts mehr vom Leben erwartet und deshalb zurück nach Grosny möchte. Und man erkennt das Zittern der Lippen des im Heim aufgewachsenen Silvio, der von seiner ermordeten Mutter erzählt. Mit ihrer kompromisslosen Intimität entfalten Kolbe und Wright ein fragmentarisches Nachbarschaftsporträt, das sich den üblichen Klischees sozialer Einordnungen entzieht. Dazu passt auch, dass die Protagonist:innen zum Teil selbst Material gedreht haben. Trotzdem entsteht die Beschreibung einer Verlorenheit, die so unmittelbar wie allgemein greifbar ist. Das „Zu-nahe“ der Bilder lotet die Grenzen zwischen Übergriffigkeit und Zärtlichkeit aus. In diesem Film gibt es kein Bild, zu dem man sich als Zuschauer:in nicht verhalten muss. (Patrick Holzapfel, Friederike Horstmann)
Buch: Stefan Kolbe, Chris Wright
Darsteller:innen: Olga Anaeva, Silvio Pforte, Natalya Tscherkaskaya, Hans-Joachim Werner
Kamera: Stefan Kolbe
Schnitt: Chris Wright
Musik: Chris Wright
Weitere Credits: Tongestaltung und Mischung: Rainer Schwarte
Produzent:innen: Heino Deckert, Stefan Kolbe
Produktion: Ma.Ja.De Filmproduktion
Koproduktion: 3Sat, ARTE, ZDF









