
Uncomfortably Comfortable
Dokumentarfilm, US/AT 2021, DCP, 71 min, OmdU
Filmische Porträts über marginalisierte Protagonist:innen können unbehagliche Unterfangen sein. Ein Jahr lang begleitet Maria Petschnig mit einer kleinen Digitalkamera den Alltag von Marc Thompson, der seit 20 Monaten ohne festen Wohnsitz in seinem Auto auf den Straßen New Yorks lebt. Im gemeinsamen Prozess entsteht ein Film, der traumatische Erinnerung, rassistische Viktimisierung und strukturelle Gewalt verhandelt – und zugleich die Bedingungen von Dokumentation, Exposition und Exploitation befragt.
Filmische Porträts über marginalisierte Protagonist:innen können unbehagliche Unterfangen sein.
Uncomfortably Comfortable
zeigt solch eine asymmetrische Konstellation: Über den Zeitraum eines Jahres begleitet Maria Petschnig mit einer kleinen Digitalkamera den Alltag von Marc Thompson, der seit 20 Monaten ohne festen Wohnsitz in seinem Auto auf den Straßen New Yorks lebt. Die Kamera folgt ihm oft von hinten – auf dem Weg zum Fitnessstudio, zur Wäscherei, zur Bibliothek. Thompsons Wunsch, sein Gesicht nicht zu zeigen, verweist auf einen kooperativen Prozess zwischen der weißen, in Brooklyn lebenden Künstlerin und dem rassifizierten Schwarzen, der 17 Jahre inhaftiert war. Solche Absprachen sind im Film präsent: in Form von Fragebögen, Textnachrichten und Gesprächsfragmenten aus dem Off. Wo die Filmemacherin im Hinblick auf das filmische Produkt agiert, sind die Grenzen für ihren Protagonisten weniger klar gezogen: „You view my life as a project, and it’s not, this is my life.“
Die Sichtbar- und Hörbarmachung von unterschiedlichen Interessen und Funktionen situiert die multiplen Asymmetrien in einer rassistisch strukturierten Welt. Distanzierende Totalen und fragmentierte Nahaufnahmen übersetzen das ungleiche Machtgefüge visuell. Im Prozess des Annäherns entsteht ein Film über traumatische Erinnerung, rassistische Viktimisierung und strukturelle Gewalt sowie über Fragen der Dokumentation, Exposition und Exploitation. Maria Petschnigs jüngster Spielfilm
Beautiful and Neat Room
ist im Diagonale-Hauptprogramm zu sehen. (Patrick Holzapfel, Friederike Horstmann)
Buch: Maria Petschnig
Darsteller:innen: Marc Thompson
Kamera: Maria Petschnig
Schnitt: Maria Petschnig
Originalton: Maria Petschnig
Weitere Credits: Konzept: Maria Petschnig; Tonmischung: Guisburg
Produzent:innen: Maria Petschnig
Weltvertrieb: sixpackfilm
Verleih in Österreich: sixpackfilm
Uraufführung: Duisburger Filmwoche 2021
Österreichische Erstaufführung: this human world – International Human Rights Film Festival 2021
Produktionsformat: digital
