
Grünes Licht
Dokumentarfilm, AT 2025, DCP, 101 min, OmeU
Der Neuropsychiater Johann Spittler ist einer der wenigen Fachärzt:innen in Deutschland, die Menschen mit dem Wunsch nach assistiertem Suizid begutachten dürfen. Spittler führt Gespräche und prüft die Beweggründe – mehr als 700 Gutachten hat er im Laufe der Jahre erstellt. Grünes Licht eröffnet einen intimen, empathischen Blick auf die stille und von großer Verantwortung geprägte Welt eines Mannes, dessen tägliche Arbeit von ethischer Abwägung und Entscheidung geprägt ist.
Dr. Johannes Spittler reist durch Deutschland, führt Gespräche, hört zu, prüft, wägt ab. Seit vielen Jahren erstellt der Neuropsychiater Gutachten für Menschen mit Suizidwunsch. Diejenigen, die zu ihm kommen, sind entschlossen: Sie wollen ihr Leben beenden, aber nicht allein. In langen Gesprächen berichten sie ihm von körperlichen Schmerzen, psychischem Leid, Erschöpfung – von einem Leben, das als Zumutung erfahren wird.
Spittlers Aufgabe ist, diese Gründe nicht zu bewerten, sondern zu klären, ob ein Mensch die Tragweite der Entscheidung überblickt und ob Hilfe unter diesen Bedingungen verantwortbar ist. Seine Arbeit bewegt sich in einem rechtlich wie gesellschaftlich umkämpften Feld, in dem Verantwortung nicht delegiert werden kann. Und sie folgt einem klaren Verfahren: Abläufe werden erklärt, Fragen gestellt, Aussagen strukturiert und eingeordnet. Zugleich gibt Spittler Raum – lässt erzählen, wiederholen, abschweifen. Urteil entsteht hier nicht im Moment, sondern im Verlauf: als Prozess, der Distanz schafft und sie zugleich Nähe ermöglicht.
Der Film setzt bei dieser Arbeitsweise an. Er begleitet Spittler bei Gesprächen, auf Autofahrten, bei Spaziergängen. Mit minimalem technischem Equipment und einem kleinen Team findet Pavel Cuzuioc den passenden Zugang, der nicht hierarchisiert, erklärt oder kommentiert, sondern beobachtet und zuhört. Nähe entsteht nicht durch Intimität, sondern durch Aufmerksamkeit und Zeit. Diese Zurückhaltung ist keine Neutralität, sondern eine ethische Setzung.
Grünes Licht
zeigt keine Entscheidungen, sondern kreist um deren Voraussetzungen. Verantwortung erscheint hier nicht als Gewissheit, sondern als etwas, das getragen werden muss: im fortgesetzten Abwägen, Prüfen und Aushalten von Unsicherheit. Der Film beruhigt diese Ambivalenzen nicht – er gibt sie weiter. (Michelle Koch)
Content Notes:
Grünes Licht thematisiert Tod und Suizid
Buch: Pavel Cuzuioc
Kamera: Pavel Cuzuioc
Schnitt: Anna Kirst
Sounddesign: Atanas Tcholakov
Produzent:innen: Pavel Cuzuioc
Produktion: Pavel Cuzuioc Filmproduktion
Verleih in Österreich: Stadtkino Filmverleih
Gefördert von: BMWKMS – innovative film
Uraufführung: Locarno Film Festival Semaine de la Critique 2025
Österreichische Erstaufführung: Viennale 2025
Kinostart: 27.03.2026
Produktionsformat: digital



