
Vorwärts
Dokumentarfilm, AT 1995, Film 35mm, 82 min, dOF
Eine Innenansicht einer Wiener Sektion der SPÖ. Diese kleinste Einheit der seit Jahrzehnten gleich gebliebenen Parteistruktur reflektiert die Befindlichkeit des Überbaus und die politische Stimmungslage des Landes. Das Wahlergebnis vom 9. Oktober 1994 wird zur Katastrophe für die Partei und für die Sektion. Die Genossen fragen sich ratlos, was sie falsch gemacht haben.
Bei der Wahl am 9. Oktober 1994 verlor die SPÖ in der Wiener Leopoldstadt ein Fünftel ihrer Stimmen. Im Büro der Sektion-22 werden am Wahlabend die telefonisch ermittelten Zahlen von Hand in Listen übertragen, zur Verwaltung dienen Klebemarken und Karteikarten. Diese zeigen für die letzten vier Monate 13 Austritte und fünf Todesfälle. Eine Liste weiblicher Mitglieder dient der Nelkenbestellung zum Muttertag statt der Gleichstellung gegenüber der bräsigen Kumpelei. Die neue Bezirksvorsitzende Brigitte Ederer ist mit ihren knapp 40 Jahren die einzige Hoffnung.
Der Film begleitet die Genoss:innen in den Monaten vor der Wahl zu Sitzungen, Hausbesuchen, Tanzabenden und Werbeauftritten, bei denen ihnen Echos der FPÖ-Propaganda entgegentönen. Meistens ist die Kamera nur Beobachterin, doch bei einem Wahlkampfbesuch bei der Feuerwehr etwa forciert die Regisseurin mit Fragen aus dem Off die Kommentare. Heute ist ihr Film ein historisches Dokument der Arbeiterbewegung, nicht nur in Österreich. (Silvia Hallensleben)
Kamera: Jerzy Palacz
Schnitt: Hubert Canaval
Originalton: Helmut Junker
Weitere Credits: Produktionsleitung: Martina Kreishl
Produzent:innen: Helmut Grasser
Produktion: Allegro Filmproduktionsgesellschaft
Gefördert von: ÖFI – Österreichisches Filminstitut





