Diagonale
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Festival des österreichischen Films
18. – 23. März 2026, Graz

FilmprogrammRegisseur:innen | Spielplan

 

Samstag, 21.03.
19:15 Uhr, Schubertkino 2

B wie Bartleby

Spielfilm, AT 2025, DCP, 72 min, OmeU

In ihrem mit starker Hand locker geflochtenen Film geht Summereder dem sprichwörtlich gewordenen „Ich möchte lieber nicht“ des von Herman Melville erdachten ikonischen Verweigerers Bartleby auf den Grund. Sie bringt die existenzielle Frage, die des Kanzleischreibers Verneinung uns stellt, im Resonanzraum einer heutigen Gesellschaft zum Klingen, und klar hörbar wird das „Ja“ zu einem freien Leben, das in dieser Frage steckt. Einem Leben allerdings, für das die Leistungsgesellschaft – Bartlebys, unsere – keinen Platz hat.

„I would prefer not to.“ Diesen Satz gibt der Kanzleischreiber Bartleby zur Antwort, egal um was es sich handelt, einen Arbeitsauftrag oder eine Interessensbekundung. Bartleby möchte lieber nicht arbeiten, einem Ansinnen entsprechen, etwas erklären. Der Schreiber verweigert sich – passiv, gewaltlos – solcherart auch der Gesellschaft, und das sorgt für Ratlosigkeit. Und schließlich vergeht er, weil für sein Lieber-nicht-Wollen in der Welt, in der er lebt, kein Platz vorgesehen ist.

Bartleby the Scrivener ist der Titel einer Erzählung, die Herman Melville 1853 auf seinen Megaflop, den Riesenschinken Moby Dick , folgen ließ. B wie Bartleby heißt der Film, in dem Angela Summereder die existenzielle Frage, die des Schreibers Verneinung uns stellt, im Resonanzraum einer heutigen Gesellschaft zum Klingen bringt – und vielfach hallt das Echo der Frage in zahlreichen Bedeutungen wider. Denn verweigert Bartleby tatsächlich die gesellschaftliche Teilhabe? Oder verweigert er nicht vielmehr ein entfremdetes Leben, wie es sich in seinen eintönigen Aufgaben – Abschreiben und Wiederlesen – spiegelt? In einem Büro wohlgemerkt, das sich in der New Yorker Wall Street lichtlos inmitten der eng stehenden Häuser befindet.

Summereder besucht Melvilles Familiensitz am oberen Hudson River, fragt junge Mädchen, was sie von Bartlebys Mantra halten („Ich würde das auch gerne dauernd sagen“, antwortet eine), lässt jugendliche Rapper sich einen Reim drauf machen und Schauspieler:innen den Originaltext proben. Das alles auch in Erinnerung an ihren inzwischen verstorbenen Expartner Benedikt Zulauf, der immer einen Bartleby-Film hatte machen wollen. Bzw. einen Film über das „Ja“ zu einem freien, aber von der Leistungsgesellschaft verweigerten Leben, das in diesem „Ich möchte lieber nicht“ im Grunde steckt. (Alexandra Seitz)  

Regie: Angela Summereder
Buch: Angela Summereder
Darsteller:innen: Benedikt Zulauf, Beatrice Frey, Maxi Blaha, Anna Mendelssohn, Alex Deutinger, Florian Tröbinger, Leopold von Verschuer, Kevin Dooley, Rosalie Christa Sommersguter, Sarah Belar u.a.
Kamera: Antonia de la Luz Kašik
Schnitt: Sebastian Schreiner
Originalton: Daniel Hasibar
Musik: Wolf-Maximilian Liebich
Weitere Credits: Dramaturgische Beratung: Claus Philipp
Produzent:innen: Daniela Praher
Produktion: Praherfilm
Weltvertrieb: sixpackfilm
Verleih in Österreich: Filmgarten
Gefördert von: BMWKMS – Kunst und Kultur
ÖFI+
Stadt Wien MA 7
Land Oberösterreich Kultur
Land Niederösterreich Kultur
Uraufführung: DocLisboa 2025
Österreichische Erstaufführung: Viennale 2025
Kinostart: 09.01.2026
Produktionsformat: analog - 16mm

 

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