
Die noch unbekannten Tage
Dokumentarfilm, AT 2026, DCP, 81 min, 21.3. OmeU + AD, 22.3. OmdU (CC)
Als die fortschreitende Demenz ihrer Mutter die Erinnerungen verblassen lässt, versucht Jola Wieczorek, selbst werdende Mutter, die noch verbleibenden Bilder von der Flucht der Familie aus Polen und vom Neuanfang in Österreich festzuhalten. Ihr Filmessay verwebt intime Gespräche, Briefe und Archivmaterial zu einer poetischen Erzählung, dokumentiert den steinigen Weg in die neue Heimat, hinterfragt den Prozess des Sicherinnerns und thematisiert die vielseitigen Auswirkungen von Migration.
Erst lässt das Sehvermögen nach, dann das Gedächtnis. Als die Regisseurin schwanger wird, beginnt ihre Mutter zu vergessen. Nicht nur die Erinnerungen an die polnische Heimat, aus der sie 1989 mit Mann und Kindern nach Österreich flüchtete, werden löchrig. Auch die schwierigen Anfangsjahre im fremden Land, die von Geldsorgen, Sprachproblemen, Heimweh und der Suche nach Anschluss gezeichnet waren, verblassen. Doch bevor die fortschreitende Demenz alle Bilder auszulöschen droht, unternimmt die Tochter und Filmemacherin Jola Wieczorek den Versuch, die verbleibenden Erinnerungen festzuhalten.
Mit Mutter, Vater, Bruder und einer Super8-Kamera im Gepäck reist sie in die Vergangenheit, um die eigene Familiengeschichte zu rekonstruieren: von Polen, wo die Familie einst im 13. Stock einer Hochhaussiedlung lebte, über das Flüchtlingslager Traiskirchen, wo sie 1989 auf das neue Leben wartete, bis nach Bad Goisern in den idyllischen Alpen. Ironischerweise wird der Geburtsort des umstrittenen FPÖ-Chefs Jörg Haider zur neuen Heimat der Regisseurin, die das Gefühl des Dazwischenseins nie loswerden wird. Anhand von intimen Briefen, Gesprächen und Archivmaterial wird spürbar, wie schmerzhaft und einsam das neue Leben im provinziellen Salzkammergut der Neunzigerjahre für eine geflüchtete Familie gewesen sein muss. In ihrem filmischen Essay hinterfragt Wieczorek nicht nur den Prozess des Sicherinnerns, sondern thematisiert auch die vielseitigen Auswirkungen von Migration. Aus der persönlichen Innensicht entsteht, stellvertretend für viele Schicksale, eine universelle Migrationsgeschichte. (Anna Steinbauer)
Buch: Jola Wieczorek
Darsteller:innen: Wiesława Wieczorek, Romuald Wieczorek, Kacper Wieczorek-Oppenauer
Kamera: Klemens Koscher, Serafin Spitzer
Schnitt: Ewa Golis, Rubén Rocha
Originalton: Andreas Pils, Andreas Hamza
Musik: Dorit Chrysler
Sounddesign: Victoria Dopplinger
Szenenbild: Andrej Rutar
Kostüm: Denise Leisentritt
Weitere Credits: Tonmischung: Manuel Meichsner; Herstellungsleitung: Hanne Lassl
Produzent:innen: Jola Wieczorek, Hanne Lassl
Produktion: Fahrenheit Films
Weltvertrieb: Austrian Films
Verleih in Österreich: Stadtkino Filmverleih
Gefördert von: BMWKMS – innovative film
ÖFI+
ORF Film/Fernseh-Abkommen
Land Oberösterreich Kultur
Stadt Wien MA7
Uraufführung: Filmfestival Max Ophüls Preis 2026
Österreichische Erstaufführung: Diagonale '26
Kinostart: 25.09.2026
Produktionsformat: analog+digital



