Diagonale
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Festival des österreichischen Films
18. – 23. März 2026, Graz

FilmprogrammRegisseur:innen | Spielplan

 

Montag, 23.03.
11:00 Uhr, KIZ Royal 1

A White, White Day / Hvítur, hvítur dagur

Spielfilm, IS/DK/SE 2019, DCP, 109 min, OmeU

Ingimundur (Ingvar Sigurðsson), Polizist und Witwer, betrauert den Unfalltod seiner Frau. Er renoviert außerdem ein Haus für die Familie seiner Tochter und verbringt viel Zeit mit seiner Enkelin (Ída Mekkín Hlynsdóttir). Doch während das Leben weitergeht, plagt ihn die Eifersucht: Hatte die Verstorbene vor ihrem Tod eine Affäre? Hlynur Pálmasons zweiter Spielfilm findet sein Gleichgewicht zwischen Obsession und einer ironischen, genauen Beobachtung, die noch den schwersten Dingen ihre Leichtigkeit zurückgibt.

Wie in seinem Debüt Winter Brothers gibt es auch in Hlynur Pálmasons zweitem Spielfilm eine Sequenz in der zweiten Hälfte, in der alles anzuhalten scheint und die Figuren – oder die Schauspieler:innen – separat gefilmt in die Kamera schauen, um sich von dieser porträtieren zu lassen. Als seien dies Aufnahmen aus dem Album einer Gemeinschaft, aus der sich Pálmasons Hauptfiguren irgendwann zu entfernen drohen (um am Ende doch wieder in sie zurückzukehren). Oder als könnte es theoretisch, wie in einem Film von Bergman (Passion z. B.), jederzeit zu einer Unterbrechung kommen, in der die Schauspieler:innen vor der Kamera über die von ihnen gespielten Personen reflektieren.

Dass es eine solche Form der Selbstkritik bei Pálmason gerade nicht gibt, macht den typischen Pálmason-Touch aus, der sich auch in A White, White Day findet. Zwar hat man stets das Gefühl, alles „von außen“ zu beobachten. Etwa das Auto, das anfangs im winterlichen Nebel von der Fahrbahn gleitet und dessen Insassin wir nicht sehen. Oder das zunächst verlassene Haus in den isländischen Weiten, das, gefilmt von derselben Stelle durch die Jahreszeiten hindurch, renoviert wird. Doch wenn wir hier nicht bei Bergman sind, sind wir auch nicht bei Haneke, an den diese Art des frontalen Filmens denken lässt: Kein:e Zuschauer:in soll hier an die eigene Rolle und Schaulust erinnert werden. Die Kamera nimmt die Position außerhalb des Hauses nicht ein, um eine:n Voyeur:in zu stellen. Sie steht da, um zu zeigen, wie die Zeit vergeht und wie die Menschen sich in ihr einrichten.

In dem Haus arbeitet Ingimundur (Ingvar Sigurðsson), Polizist und Witwer; im eingangs verunglückten Auto saß seine geliebte Frau. Nun renoviert er das Anwesen inmitten der isländischen Landschaft für die Familie seiner Tochter und seiner äußerst lebendigen Enkelin (Ída Mekkín Hlynsdóttir), mit der er viel Zeit verbringt. Doch während das (eigentlich gute) Leben weitergeht, lässt ihn die Tote nicht los. Denn an Ingimundur nagt die Eifersucht: Hatte seine Frau vor ihrem Unfall eine Affäre?

A White, White Day findet sein Gleichgewicht zwischen Ingimundurs Obsession und Pálmasons Ironie, seiner genauen, leicht distanzierten Beobachtung, die auf jeden modernistisch-entfremdenden Reflex verzichtet und stattdessen Leichtigkeit erzeugt. In der schönsten Sequenz des Films folgt Pálmason in mehreren Schnitten einem Stein, der einen Abhang hinabrollt und schließlich ins Wasser fällt. Einmal mehr denkt man an einen modernen Filmemacher, an Bresson und dessen Mouchette. Die zerlegte Bewegung greift den Abgang des verunglückten Autos wieder auf, wie sie Ingimundurs Besessenheit, der Vergangenheit seiner Frau auf den Grund zu gehen, etwas Spielerisches verleiht: Man könnte auch einfach von ihr lassen, um einen sehr weißen, also fast perfekten Tag zu genießen. (Philipp Stadelmaier) 

Regie: Hlynur Pálmason
Buch: Hlynur Pálmason
Darsteller:innen: Ingvar Sigurðsson, Ída Mekkín Hlynsdóttir, Hilmir Snær Guðnason, Sara Dögg Ásgeirsdóttir
Kamera: Maria von Hausswolff
Schnitt: Julius Krebs Damsbo
Musik: Edmund Finnis
Sounddesign: Lars Halvorsen
Szenenbild: Hulda Helgadóttir
Kostüm: Nina Grønlund
Produzent:innen: Anton Máni Svansson, Guðmundur Arnar Guðmundsson
Produktion: Join Motion Pictures (IS)
Koproduktion: Film i Väst (SE), Snowglobe Films (DK)
Weltvertrieb: New Europe Film Sales
Uraufführung: Festival de Cannes Semaine de la critique 2019

 

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