Diagonale
Festival des österreichischen Films
5.–10. April 2022, Graz

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Another Coin for the Merry-Go-Round
Spielfilm, AT 2021, Farbe, 92 min., OmeU
Diagonale 2021

Regie, Buch, Schnitt: Hannes Starz
Darsteller*innen: Valerie Pachner, Voodoo Jürgens / David Öllerer, Tinka Fürst, Max Bogner
Kamera: Marianne Andrea Borowiec
Originalton: Hubert Haslacher
Musik: Manfred Engelmayr
Sounddesign: Vinzenz Schwab
Kostüm: Mave Venturin
Weitere Credits: 2. Kamera: Sonja Aufderklamm Farbkorrektur: Dimitri Aschwanden
Produzent*innen: Gabriele Kranzelbinder, Barbara Pichler, Hannes Starz
Produktion: KGP Filmproduktion

 

Anna (Valerie Pachner) liebt ihre Jugend, ihre Freund*innen, Drogen, Partys und Musik. Sie kämpft hart mit den immer schwieriger zu übersehenden Anzeichen, dass auch sie erwachsen werden soll, und tut alles, um dieser Realität zu entfliehen. Doch dann lässt ein folgenschweres Ereignis ihre Routinen plötzlich einbrechen. Die Geschichte eines harschen Coming-of-Age mit David Öllerer/Voodoo Jürgens sowie Auftritten von Alicia Edelweiss, Bulbul und anderen.

„I burn a fire to stay cool. I burn myself, I am the fuel.“
(Fugazi)

Die Freund/innen Anna, Niko, Ilias und Jools sind um die dreißig und professionelle Realitätsflüchtige. Sich an ihre gewohnte jugendliche Unbe­schwertheitsblase klammernd taumeln sie durch die Wiener Underground-Musikszene und versuchen, mit ihrer eigenen Band etwas zu schaffen, obwohl sie ihre Instrumente gar nicht richtig spielen können. Zwischen Drogen-Highs und Crash-Depressionen halten sie verzweifelt an Momenten fest, die ihnen Unendlichkeit – und Unversehrtheit – vorgaukeln. Selbst als Niko (David Öllerer aka Voodoo Jürgens) nach einem Selbstmordversuch im Rollstuhl landet. Vor allem Anna (Valerie Pachner) will sich nicht mit den Veränderungen auseinandersetzen, die das Le­ben nun mal mit sich bringt. Erst recht nicht als Niko plötzlich ganz verschwindet.
Mit sehr kleinem Team und ausschließlich mit natürlichen Lichtquellen hat Regisseur Hannes Starz einen bemerkenswerten Film über Freundschaft und Verlust und das Ringen mit dem Erwachsenwerden gemacht. Authentisch, weil er seine Protagonist/innen (darunter Szenegrößen wie Alicia Edelweiss und Bulbul) in deren „natürlicher Umgebung“ der Wiener Gürtel- und Szenelokale persönlich begleitet hat, und lebendig, weil er ihnen die meisten Dialoge nur inhaltlich vorgegeben hat. Dynamisch lässt sich die Kamera (Marianne A. Borowiec) auf das Geschehen ein, das manchen Frame mit eingeblendeten Zitaten anderer Künstler/innen wie Elliott Smith oder Arthur Rimbaud teilt. Eine plausible Widmung stellt Starz seinem Film voran: dem 2019 verstorbenen Musiker und Sänger Daniel Johnston.
(Katalogtext, az)

Der Wiener Do-it-yourself-Underground und die entsprechenden Lokale sind für mich als Universum immer klar gewesen. Diese Orte gibt es überall auf der Welt. Sie sind austauschbar, und allen haftet ein Gefühl der ewigen Jugend an. In diesem „Neverland“ habe auch ich meine Studentenzeit verlebt und bin in Kontakt mit der Wiener Musikszene gekommen. Die Textzeile aus dem Bruce-Springsteen-Song „No Surrender“ trifft für mich auch heute noch zu: „We learned more from a three-minute record, baby, than we ever learned in school.“.
Der Film hebt aber nie den Zeigefinger oder versucht, eine Antwort auf die Frage zu geben, wie man leben soll, sondern erzählt vom Gefühl, wenn neue, ungekannte Lebensfragen in einem spürbar werden. Es ist schwer, erwachsen zu werden. Und es ist oft schwer, sich das einzugestehen. Und es ist oft noch viel schwerer, gerade in diesen Phasen Hilfe anzunehmen, von Menschen, die einfach aus Freundschaft und ohne Selbstzweck handeln. Die Schau­spieler/innen kennen mich, und ich kenne sie. Für die Geschichte war mir immer wichtig, dass die Menschen auch privat eine Freundschaft verbindet und alle den struggle kennen, von dem darin erzählt wird.
(Hannes Starz)

Dieser Film ist am 12. Juni um 20.15 Uhr im Livestream auf FM4 zu sehen. Mehr zu Canale Diagonale – Ein Festival, viele Streams – unter diagonale.at/canale-diagonale.