Diagonale
Festival des österreichischen Films
13.–18. März 2018, Graz

In Kooperation mit Ö1

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Österreichpremiere

 

Kinostart von
Über die Jahre:
20. März 2015
Trailer

 

Personale Nikolaus Geyrhalter

Einen Höhepunkt der Diagonale markiert die alljährlich einer herausragenden Persönlichkeit des österreichischen Filmschaffens gewidmete Personale. 2015 rückt diese den renommierten Dokumentarfilmer Nikolaus Geyrhalter und seine Arbeiten in den Mittelpunkt.

In ruhig gefilmten Einstellungen erzählen Geyrhalters vielfach preisgekrönte Filme bildmächtig von Orten und Nicht-Orten an den Rändern der Welt. Ausgehend von einer spezifischen Situation legt der Reisende in Sachen dokumentarisches Kino immer wieder beeindruckende Bestandsaufnahmen gesellschaftlicher Abläufe und Umbrüche vor. Mit seinem unverkennbaren Stil – der konzentrierten, unkommentierten Beobachtung – enthebt Geyrhalter den Alltag seiner Normalität und macht dem Publikum faszinierende Erfahrungsräume zugänglich. „Als Dokumentarist stoße ich auf Orte und Systeme, die könnte ich mir gar nicht ausdenken, wenn ich sie nicht finden würde.“ (Nikolaus Geyrhalter)

Das Jahr nach Dayton © Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

Das Jahr nach Dayton © Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

Nikolaus Geyrhalters 1994 entstandenes Debüt Angeschwemmt erzählt von Menschen, die in der umliegenden Donaulandschaft leben, sowie von den unzähligen am Wiener Friedhof der Namenlosen begrabenen Wasserleichen. In unaufdringlichen Bildern erkundet Geyrhalter die Geschichten und Eigenheiten von Fischern und Friedhofswärtern, Obdachlosen und gestrandeten Frächtern.

Das Jahr nach Dayton führt ihn 1997 in ein zersplittertes und traumatisiertes Bosnien und Herzegowina. Vor der Kulisse eines noch nicht vollends durchgestandenen Krieges zeigt Geyrhalter die Verluste und Nöte, mit denen die Menschen zu ringen haben.

Eindrucksvoll und sorgsam tastet Geyrhalters Kamera die verlassene Stadt in Pripyat (1999) ab. In genau kadrierten Plansequenzen und unkommentierten Interviews erschließt sich das veränderte Leben der Menschen (zum Zeitpunkt des Reaktorunfalls lebten hier etwa 48.000 Personen), die in die verstrahlte Sperrzone rund um das havarierte Atomkraftwerk Tschernobyl zurückgekehrt sind. Es sind diese Momentaufnahmen von entlegenen Orten fernab der urbanen Zentren, die Nikolaus Geyrhalter immer wieder mit der Kamera einfängt.

In der aufsehenerregenden vierstündigen Dokumentation Elsewhere (2001) reist er mit seinem Filmteam zwölf Monate um den Globus und fotografiert Menschen in ihrem Alltag: von West-Papua nach Namibia, von Grönland nach Mikronesien. „Anderswo“ war immer schon eine Frage des Standorts, und so induziert das bildgewaltige Opus so etwas wie eine „weltumspannende“ Seherfahrung.

Unser täglich Brot © Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

Unser täglich Brot © Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

Funktionalistische, sterile Räume durchmisst die Kamera in Unser täglich Brot (2005). Geyrhalter filmt in der für ihn typischen Weitwinkeloptik und bringt so die sich in die Unendlichkeit verlaufenden Ausdehnungen einer Hightech-Landwirtschaft auf die Leinwand. Die an Science-Fiction erinnernde Nahrungsproduktionsstudie kommt dabei ganz ohne Interviews, Musik und Offkommentar aus.

Bilder des Verweilens in einer beschleunigten Welt vermittelt der 2008 fertiggestellte Dokumentarfilm 7915 KM. An der Rallyestrecke zwischen Paris und Dakar findet der Dokumentarist Zeit für Begegnungen und Gespräche mit Männern, Frauen und Kindern und erforscht so die virulenten Vorstellungen und Vorurteile zwischen Europa und Afrika.

Zurück in Europa arbeitet Nikolaus Geyrhalter an seinem viel beachteten Essayfilm Abendland, der seine Weltpremiere bei der Eröffnung der Diagonale 2011 feiert. Gedreht wird ausschließlich bei Nacht. In behutsam komponierten Bildern entwirft er ein Panorama des gegenwärtigen Europa, wie es lebt, hofft, bangt, tanzt, abschiebt, am Abgrund steht und weiterlebt.

Über eine Dauer von zehn Jahren hat sich Geyrhalter seinem jüngsten Projekt Über die Jahre (2015) gewidmet. Darin beobachtet er den Niedergang einer Waldviertler Textilfabrik, erzählt aus der Sicht der Betroffenen vom Prozess des Arbeitsloswerdens und des Manchmal-wieder-Arbeit-Findens. Ein Film, der anonyme Arbeitslosenzahlen zu Menschen macht, und ein Denkmal für Industriezweige, die in Europa auszusterben beginnen. Nach seiner erstmaligen Präsentation im Berlinale Forum feiert Über die Jahre im Wettbewerb der Diagonale seine Österreichpremiere.

Die Diagonale 2015 bringt im Rahmen der Personale alle Kinodokumentarfilme Geyrhalters zur Aufführung und eröffnet somit die rare Gelegenheit, ein herausragendes dokumentarisches OEuvre neu- und wiederzuentdecken.
In einem Werkstattgespräch wird der Regisseur außerdem Einblicke in seine Arbeitsweise und in sein neuestes Filmprojekt Irgendwann geben.

Über die Jahre © Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

Über die Jahre © Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion

 

Die Diagonale 2015 präsentiert:

Über die Jahre (2015, Österreichpremiere)
Abendland (2011)
7915 KM (2008, Diagonale-Preis Beste Bildgestaltung Dokumentarfilm 2009)
Unser täglich Brot (2005)
Elsewhere (2001, Diagonale-Preis Innovative Produktionsleistung 2003)
Pripyat (1999, Großer Diagonale-Preis 1999)
Das Jahr nach Dayton (1997)
Angeschwemmt (1994)

 

Biografie Nikolaus Geyhalter

Nikolaus Geyrhalter © Philipp Horak

Nikolaus Geyrhalter © Philipp Horak

Nikolaus Geyrhalter, geb. 1972 in Wien, ist Regisseur, Autor, Kameramann und Produzent. Als Autodidakt begann er sehr jung mit dem Filmemachen und übernahm von Anfang an die Kameraarbeit selbst. 1994 gründete er die Nikolaus Geyrhalter Filmproduktion (NGF). 2003 wurde aus der Einzelgesellschaft eine GmbH, die er gemeinsam mit Markus Glaser, Michael Kitzberger und Wolfgang Widerhofer führt. Die Basiskompetenzen der NGF sind der Kinodokumentarfilm mit Autor/innen-Handschrift und Arbeiten für Qualitätsprogramme im Fernsehen.
Nikolaus Geyrhalter lebt und arbeitet in Wien.