| Thomas Pluch Drehbuchpreise | 2026 |
des drehbuchVERBAND Austria in Kooperation mit der Diagonale
Hauptpreis für das Beste Drehbuch
eines abendfüllenden Kinospiel- oder Fernsehfilms (ab 70 min) | dotiert mit € 12.000
| Rose | von Markus Schleinzer |
Jurybegründung:
„Die umständliche und wahrhaftige Beschreibung
einer Land- und Leutebetrügerin,
die obwohl als eine Weibs-Person geboren
dem zum Trotz als Manns-Bild sich betragen,
und viel üble Schandtat hat getrieben.
Diese Texttafel eröffnet die filmische Erzählung, setzt sogleich den Ton des Drehbuchs. Die historisch anmutende Sprache zieht uns unmittelbar in die kleine Welt eines Dorfs während des 30-jährigen Kriegs. Mit einer beeindruckenden Reduziertheit auf der Dialogebene werden mit ein, zwei Sätzen Spannungsfelder zwischen Figuren entworfen, gerade das Nicht-Gesagte erzeugt dröhnende Stille. Und eine wunderbar originäre Erzählstimme führt uns mit einer Mischung aus Empathie und Kommentar durch die Geschichte.
Bereits beim Lesen lässt die Präzision im Detail und die dramaturgische Souveränität im Erzählen die Geschichte in aller Klarheit vor dem inneren Auge entstehen.“
Spezialpreis der Jury
für das Beste Drehbuch eines abendfüllenden Kinospiel- oder Fernsehfilms (ab 70 min) mit besonders herausragend behandelten Aspekten | dotiert mit € 7.000
| Teresas Körper | von Magdalena Chmielewska |
Jurybegründung:
„Mit dem Thomas Pluch Spezialpreis der Jury zeichnen wir ein Drehbuch aus, das sehr klar die Folgen patriarchaler Gewalt und deren transgenerationale Auswirkungen erlebbar macht, aber den Figuren auch Geheimnisse lässt. Das Private ist hier nicht nur politisch, sondern in der konkreten sprachlichen Ausgestaltung ein starkes künstlerisches Statement, das auch als reiner Text einen Sog entfaltet ohne die hybrid-dokumentarischen Elemente zu verschleiern. Die gelungene Berücksichtigung der Tonebene in Kombination mit einem starken visuellen Konzept überhöht das Konkrete des einen Körpers, der einen Familie, in gesellschaftspolitisch wirksam werdende Abstraktion.
Herzlichen Glückwunsch zum Thomas Pluch Spezialpreis der Jury an Magdalena Chmielewska für Teresas Körper.“
Preis für das Beste Drehbuch
für kurze oder mittellange Kinospielfilme (von 15 min bis maximal 70 min) | dotiert mit € 3.000
| Ein Unfall | von Angelika Spangel & Sophia Wiegel |
Jurybegründung:
„Das Drehbuch für den besten Kurzfilm, das wir heute auszeichnen, macht eine große Gefahr sichtbar, die gesellschaftspolitisch und ethisch sehr wichtig erscheint: Wegschauen. Fehlende Solidarität. Vereinzelung. Ohnmacht.
Wir lernen ein österreichisches Dorf kennen. Wir beobachten Kinder bei einem Streich, einen Vater und einen Sohn, die miteinander streiten. Die Autorinnen halten eine Lupe auf die Bewohner und beleuchten das scheinbar Banale ohne dabei in Klischees zu verfallen. Das Beschriebene ist spezifisch, wie aus dem Leben gegriffen und zieht uns als Lesepublikum dieses Drehbuchs in den Bann. Unterschiedliche Figuren treten in verschiedenen Erzählsträngen in Erscheinung, verbunden durch den fein gewobenen Plot und das Thema der Geschichten.
Angelika Spangel und Sophia Wiegele zeichnen gekonnt, wie es passiert, dass Empathie und Hilfsbereitschaft vernachlässigt werden, diese Grundpfeiler eines friedlichen Zusammenlebens. Denn hier helfen die Figuren einander nicht, sie gehen davon aus, dass jemand anderer einschreiten wird und fühlen sich im Moment, in dem sie einen Brand sehen, nicht verantwortlich, „Weil sie gerade das Handy nicht eingesteckt haben“.
In Zeiten zunehmender Autokratien und spürbarem politischen Rechtsruck resoniert der Fokus auf Menschen, die wegschauen. Die etwas geschehen lassen. Ein Drehbuch über unterlassene Hilfeleistungen.
Wir gratulieren Angelika Spangel und Sophia Wiegele mit Ein Unfall herzlich zur kritischen Beobachtung und zum diesjährigen Thomas Pluch Drehbuchpreis für den besten Kurzfilm.“
NOMINIERUNGEN 2026:
Landkrimi Acht von Marie Kreutzer
Rose von Markus Schleinzer, Alexander Brom
The Stories von Abu Bakr Shawky
Teresas Körper von Magdalena Chmielewska
White Snail von Elsa Kremser, Levin Peter
Internationale Jury 2026:
Lorenz Dangel (Filmkomponist & Musiker, DE)
Milan Dor (Drehbuchautor & Dramaturg, AT)
Kyra Scheurer (Dramaturgin & Kuratorin, DE)
→ Preisvergabe für den Haupt- & Spezialpreis
Nationale Jury 2026:
Jacob Groll (Drehbuchautor & Regisseur)
Marie Luise Lehner (Drehbuchautorin, Schriftstellerin & Regisseurin)
Joana Scrinzi (Editorin)
→ Vergabe Preis für kurze oder mittellange Kinospielfilme sowie Nominierung Drehbücher für Haupt- & Spezialpreis