| Diagonale-Preis Kurzdokumentarfilm 2026 |
| FÜR DEN BESTEN KURZDOKUMENTARFILM DES KULTUM. |
Sophie Bösker
Motherigine
Jurybegründung:
Entwaffnend ist der Film, aber nicht durchweg friedfertig: „Roses are red, violets are blue, I want to smash the patriarchy with you“ ist auf einer Postkarte an der Wand zu lesen. Motherigine von Sophie Bösker nimmt uns mit auf eine Erkenntnisreise, in der deutlich wird, dass sich dies nicht als individuelles Vorhaben bewerkstelligen lässt.
Drei Jahre lang, von der Schwangerschaft an, beobachtet Bösker radikal subjektiv sich, die Tochter und auch den Partner, der trotz 50/50-Vorsätzen verdächtig oft abwesend ist. Böskers eigentliche Komplizin, Zeugin und Beichtmutter zugleich, ist dabei eine spezielle Instanz: Die Kamera, die sie auf sich selbst richtet, in Überforderungslagen, bei Selbstanklagen und in alltäglichen und ziemlich komischen Situationen. Es ist ein Film, der seine Kraft aus seinem direkten und humorvollen Blick auf die tiefliegenden patriarchalen Mechanismen hinter den ersten Jahren der Mutterschaft schöpft. Bösker setzt sich überzeugend zur Wehr, mit den Mitteln der Künstlerin, die sie ist: Sie rappt, wütend, auf den Punkt, dem Patriarchat und auch uns ins Gesicht.
Jury Kurzdokumentarfilm
Ekkehard Knörer (Filmkritiker & Kulturwissenschaftler, DE)
Nina Kusturica (Regisseurin & Produzentin, AT)
Lisa Polster (Regisseurin, AT)