| Franz-Grabner-Preis | 2026 |
Der Preis wurde von Familie Grabner, AAFP, Film Austria, ORF und der Diagonale im Andenken an den ORF-Journalisten Franz Grabner (1955–2015) initiiert. Prämiert wird ein im ethischen und moralischen Sinne verantwortungsvoller und glaubwürdiger Umgang der Filmschaffenden mit ihrem Medium. Er dient der Unterstützung österreichischer Dokumentarfilme und Dokumentationen für Kino und Fernsehen zu Themen aus Kultur, Gesellschaft, Politik oder Geschichte. Diese sollen sich kritisch mit gesellschaftlich relevanten Sujets befassen. Die Auszeichnung wird im Rahmen der Diagonale ’26 zum neunten Mal vergeben und ist mit jeweils € 5.000 dotiert — gestiftet von AAFP und ORF. Das Preisgeld ist für die Entwicklung des Folgeprojektes der Preisträger:innen vorgesehen.
| KINODOKUMENTARFILM |
| Pavel Cuzuioc für Grünes Licht |
Jurybegründung:
Es ist ein brisantes und gesellschaftlich umstrittenes Thema, an das uns der Film heranführt. Achtsam und einfühlsam offenbaren sich lange und sehr individuelle Leidenswege – nicht überwundene Traumata, Einsamkeit, Schmerzen, der Verlust der Autonomie, Depressionen. Jedes Wort, jede Empfindung zählt und hat Gewicht. Das Thema fordert. Es führt den Protagonisten, den Neuropsychiater Dr. Johann Spittler, an seine Grenzen. Emotional und ethisch. Er reflektiert sein eigenes Handeln, seine Entscheidungen laufend. Dieser Mann übernimmt Verantwortung von größter Tragweite und setzt sich immer und immer wieder Extremsituationen aus, denen sich jeder entziehen möchte. Der Film nimmt uns an diese Grenze mit – und wahrt dabei die Würde aller Beteiligten auf beeindruckende Weise. Mit präzisem Blick, so empathisch wie der Protagonist selbst, so respektvoll und doch so konkret, werden wir an eine Frage herangeführt, für die es keinen Raum in der Gesellschaft gibt und die nur ganz persönlich beantwortet werden kann. Wir fühlen die Verzweiflung und Last, die Enge und Schwere der Betroffenen und des Protagonisten. Gedanken und Überlegungen dringen aus uns hervor, die wir üblicherweise nicht zulassen. Grünes Licht von Pavel Cuzuioc ist ein mutiger Film. Er erkundet filmisch wie inhaltlich Handlungsspielräume, vor denen die meisten zurückschrecken. Der Film beleuchtet mit einer klaren Haltung den assistierten Suizid aus den Begegnungen des Neuropsychiaters Dr. Johann Spittler mit jenen Menschen, die den Tod herbeisehnen. Und er fordert sein Publikum, eine eigene Haltung zu diesem tabuisierten Wunsch zu entwickeln.
Weiters nominiert in dieser Kategorie waren Girls & Gods von Arash T. Riahi & Verena Soltiz und Noch lange keine Lipizzaner von Olga Kosanović.
| FERNSEHDOKUMENTARFILM / TV-SERIE / WEBFORMAT |
| Robert Styblo für Österreich unter dem Regenbogen |
Jurybegründung:
Ausgehend von den bunten, lustvollen Bildern der Gegenwart taucht der Film in die traumatische Vergangenheit ein: Ausgrenzung, Vorurteile und Kriminalisierung verunmöglichen ein freies, würdiges und selbstbestimmtes Leben – das ein Menschenrecht ist. Anhand persönlicher Lebensgeschichten wird der lange Kampf um Anerkennung und Gleichstellung der queeren Community empathisch, behutsam und zugleich lebendig, laut und lebensfroh erzählt. Dabei wird die Vielfalt gezeigt und gefeiert, zugleich werden die historischen und gesellschaftspolitischen Zusammenhänge greifbar. Der Film verneigt sich liebevoll vor couragierten Pionieren und Pionierinnen, den Vorkämpfer:innen einer viel zu späten, schwer erkämpften Anerkennung. Und er bleibt nicht dort stehen. Er zeigt neue Kämpfe um Akzeptanz und Gleichstellung auf und er weist darauf hin, dass Toleranz und lang erkämpfte Rechte keine Selbstverständlichkeit sind. Österreich unter dem Regenbogen von Robert Styblo nimmt sein Publikum an der Hand und führt es durch die Geschichte der Emanzipation der schwulen, lesbischen und queeren Bewegung, die allzu oft mit unmenschlicher Verfolgung und Ächtung für das Menschlichste bestraft wurde: für Liebe und Begehren. Österreich unter dem Regenbogen ist ein lebensfroher Film voller starker und positiver Persönlichkeiten. Der Weg vom erzwungenen, unfreiwilligen Verstecken hin zum lauten, freudigen Sich-Zeigen ist kraftvoll. Und es ist einer, den heute viele Menschen in- und außerhalb der queeren Community stolz und selbstverständlich mitgehen.
Weiters nominiert in dieser Kategorie waren Das Rohstoff-Dilemma – Mit Bergbau aus der Klimakrise von Linda Osusky und Monika Grassl und Visionen bauen von Diego Breit Lira.
Jury 2026:
Antje Boehmert (Produzentin & Autorin, DE)
Jakob Brossmann (Filmemacher & Bühnenbildner, AT)
Karin Moser (Filmwissenschaftlerin, AT)
Entscheiden Sie sich bitte, wenn möglich, für eine klimaschonende An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Von den Haltestellen am Hauptplatz (Straßenbahnen 1, 3-7) und am Geidorfplatz (Busse 58, 63) sind es noch etwa 500 Meter, von der Haltestelle am Karmeliterplatz (Bus 30) sind es noch 100 Meter zum Veranstaltungsort. Aktuelle Fahrpläne finden Sie → hier oder in der GrazMobil App. Der Veranstaltungsort ist barrierefrei zugänglich. Infos zu Barrierefreiheit finden Sie → hier.
