Diagonale
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Festival des österreichischen Films
18. – 23. März 2026, Graz

FilmprogrammRegisseur:innen | Spielplan

 

Sonntag, 22.03.
10:30 Uhr, Schubertkino 2

der wackelatlas – sammeln und jagen mit H. C. Artmann

Dokumentarfilm kurz, AT 2001, DCP, 58 min, OmeU

„Ich möcht ja kein Abbild des Lebens geben“, sagt H. C. Artmann einmal in diesem Film, den seine Tochter Emily Artmann und seine Nichte Katharina Copony im Herbst 2000 in seiner Wohnung in Wien gedreht haben. Wenige Wochen vor seinem Tod können wir dem großen Lyriker und Schriftsteller in diesem zutiefst empathischen letzten Porträt zuhören, wie er in einem kleinen, karg möblierten Zimmer über die Kunst und sein Verständnis von literarischer Arbeit nachdenkt. „Am Beginn des Schreibens ist absolute Stille.“


Er ist „der Jüngste von uns allen geblieben, die wir damals in den fernen Fünfzigerjahren begonnen hatten, die neue Poesie für uns und die Welt wiederzuentdecken“, sagte Friederike Mayröcker 1991 über H. C. Artmann. Und jung wirkt der 1921 in Wien geborene Lyriker und Schriftsteller auch im Herbst des Jahres 2000 noch, als er mit seiner Tochter Emily Artmann und seiner Nichte Katharina Copony am Filmporträt der wackelatlas arbeitet. Wenige Wochen später, am 4. Dezember 2000, starb Artmann an Herzversagen.

Die knapp einstündige Doku, die die Wiener Wohnung des Autors nie verlässt und ausschließlich ihn selbst in verschiedenen Sesseln sitzend zeigt, ist Zeugnis einer entspannten Dreierkonversation. Die beiden jungen Frauen, die aus dem Off zu hören sind, regen den Künstler mit den meerblauen Augen mit ihren Fragen zum Erzählen an. Hier und da geht es um Biografisches, zentral aber um Sprache(n), Kunst, das Künstlerdasein. Verschmitzt schmuggelt Artmann immer wieder seine geliebten Kalauer ins Gespräch hinein.

Neun Kapitel, die jeweils mit je drei Wörtern das Kommende ankündigen, fungieren wie liebevoll beschriftete Schraubgläser, in denen die gemeinsam gesammelten Gedanken aufbewahrt sind. Ergänzt um eine Auswahl von H. C. Artmanns Gedichten bildet diese Sammlung einen kleinen Schatz, der nun auch ein Andenken an Emily Artmann darstellt. Die Filmeditorin, Filmemacherin und Lyrikerin ist im Jänner 2026 im Alter von 50 Jahren gestorben. (Sabina Zeithammer)  

Regie: Emily Artmann, Katharina Copony
Schnitt: Katharina Copony, Krista Fleischmann, Niki Mossböck, Emily Artmann
Musik: Curd Duca, 8 oder 9
Weitere Credits: Produktionsleitung: Nike Glaser-Wieninger
Produzent:innen: Kurt Mayer
Produktion: Kurt Mayer Film
Koproduktion: ORF
Weltvertrieb: sixpackfilm
Verleih in Österreich: sixpackfilm
Gefördert von: FFW – Filmfonds Wien
Bundeskanzleramt
Land Niederösterreich Kultur
Land Salzburg
Uraufführung: Viennale 2001

 

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