
Indien
Spielfilm, AT 1993, DCP, 86 min, dOF
„Lauter Trotteln, de Wirt!“, schnaubt Bösel, ein grober, lauter Grantler, zum Kollegen Fellner, geschniegelter Halbyuppie mit Halbbildung. Die zwei ungleichen Gastro-Inspektoren ziehen von Wirtshaus zu Wirtshaus durch Niederösterreich: In verrauchten Gaststuben zwischen Landstraße, Bestechungsdoppler und Frittierfett legen die zwei Strizzis ihr Innerstes offen, nähern sich schließlich unerwartet an und enden melodramatisch im Krankenhaus. „Danke, ganz lieb!“
„Lauter Trotteln, de Wirt!“, blafft Herr Bösel (Josef Hader) gleich zu Beginn im Gastraum seinem Kollegen Kurt Fellner (Alfred Dorfer) zu. Damit ist gleich mal alles gesagt, was dem grobschlächtigen Gastronomie-Inspektor ständig über die alkoholschwangere Leber läuft. Nämlich seine eigene Arbeit.
Die zwei ungleichen Komplizen, Handelsreisende wie aus einer anderen Welt, knattern im verbeulten Ford durchs verbeulte niederösterreichische Flachland – zwischen Ölpumpen, gefährlicher Landstraße und fleischdunstigen Wirtshäusern sind die zwei Beamten im Dienste des Bundeslandes unterwegs und malträtieren auf ihrer Suche nach Verordnungsvergehen die Wirt:innen der dörflichen Gaststätten. Wein und Wurst werden dabei schnell zur heißen Bestechungsware, um auf die beiden „Verordnungs-Rowdies“ kalmierend einzuwirken. Zwischen Kirching, Kirchberg und Obkirchen wird alsbald auch das Zwischenmenschliche von Bösel und Fellner freigelegt: Alfred Dorfer gibt mit der besten Nineties-Krawatte den schnöseligen Salatyuppie mit Trivial-Pursuit-Wissen, während Josef Hader genüsslich die Frittierwaren der heimischen Küche mampft, um dann mit öligen Fingern die Schnapskarten kommentarreich über den Tisch gleiten zu lassen. Und irgendwann gilt auch bei diesen beiden: Beim Essen kommen d’Leit zam. Weshalb die Wirtshausreise eine unerwartete Annäherung zwischen den zwei Strizzis entstehen lässt, die melodramatisch im Krankenhaus endet.
Indien
wurde mit Sprüchen wie „90 Prozent von die Wirten san zu 100 Prozent Trotteln“ rasch ein Klassiker des österreichischen Films und liefert ganz nebenbei noch ein wunderbar überspitztes Zeitdokument ländlicher Wirtshauskultur und ihres ständigen „Gwirks“ mit behördlichen Verordnungen ab. (Daniela-Katrin Strobl, Michael Zeindlinger)
Buch: Josef Hader, Alfred Dorfer, Milan Dor
Darsteller:innen: Josef Hader, Alfred Dorfer, Maria Hofstätter, Roger Murbach, Karl Markovics, Wolfgang Böck
Kamera: Hans Selikovsky
Schnitt: Andreas Korpiva
Originalton: Reinhold Kaiser
Musik: Ulrich Sinn
Szenenbild: Ernst Wurzer
Kostüm: Heidi Melinc
Produzent:innen: Danny Krausz, Kurt Stocker
Produktion: Dor Film
Weltvertrieb: Filmladen
Verleih in Österreich: Filmladen
Gefördert von: ÖFI – Österreichisches Filminstitut
ORF Film/Fernseh-Abkommen
Kinostart: 07.10.1993
Produktionsformat: analog - 35mm

