
Thyla
Innovatives Kino kurz, AT 2026, DCP, 7 min, kein DialogSammelprogramm: Innovatives Kino Programm 3
Die Rastlosigkeit des letzten Tasmanischen Tigers. Eine naturnahe Auenlandschaft. Dazwischen bunte Tafeln als Farbcode für bedrohte Tierarten. Die Lesart dieses packenden Schauspiels mag offenbleiben, seine Botschaft ist klar: Mit dem Menschen hat das Zeitalter des Verschwindens begonnen.
Der letzte Tasmanische Tiger (Thylacinus cynocephalus), dem dieser Film seinen Titel verdankt, starb im Dezember 1936 im Zoo von Hobart, Tasmanien. Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden diese besonderen Tiger bis zur Ausrottung erbarmungslos gejagt. In
Thyla
sieht man historisches Bildmaterial des möglicherweise letzten Exemplars, wie es in seinem Käfig ruhelos an den Gitterstäben entlangläuft. Diese kurzen wiederkehrenden Aufnahmen wirken wie eine Unterbrechung jener verfremdeter Super8-Bilder, die der studierte Biologe, Musiker und Filmemacher Stefan Németh von einer naturnahen Auenlandschaft gedreht hat. Die bunten Tafeln, die wiederum das Weiß der Bäume und Gräser unterbrechen, verweisen auf das Schicksal des letzten Tasmanischen Tigers: Es sind die Farbcodes, mit denen die IUCN (International Union for Conservation of Nature) bedrohte Tiere in den Roten Listen klassifiziert werden.
Als würde sich die Rastlosigkeit des Tigers auf uns als Film-, Zoo- und Naturbeobachter:innen übertragen, meint man eine immer größer werdende und von einem treibenden Sound unterstützte Nervosität zu verspüren. „Die Lesart des Kurzfilms bleibt offen“, so Németh, „wobei Verknüpfungen zwischen den parallelen Strängen der stillen (Natur-)Beobachtung und einer Dokumentation des Verschwindens bzw. dessen Klassifizierung von außen frei hergestellt werden können.“ Kein Zweifel besteht jedoch, dass die gegenwärtigen Aussterberaten signifikant über jenen in der Vergangenheit, also vor menschlicher Einflussnahme, liegen. Der letzte Tasmanische Tiger trug übrigens den Spitznamen Benjamin. (Michael Pekler)
Kamera: Stefan Németh
Schnitt: Stefan Németh
Originalton: Stefan Németh
Musik: Stefan Németh
Produzent:innen: Stefan Németh
Produktion: Sonotope
Verleih in Österreich: sixpackfilm
Uraufführung: Diagonale '26
Produktionsformat: analog - Super8







