
Joan of Arc / Jóhanna af Örk
Spielfilm kurz, IS/DK/FR 2025, DCP, 61 min, OmeUSammelprogramm: POSITION Hlynur Pálmason: Kurzfilmprogramm
In Joan of Arc wird die aus The Love That Remains bekannte Ritterfigur, von Pálmasons Kindern als Zielschiebe benutzt, zur Hauptdarstellerin. Ein minimalistisches Spin-Off, eine wunderbare Landschaftsstudie und nebenbei die humorvollste aller Johanna-Verfilmungen.
Die Jungfrau von Orléans musste auch im Kino schon einiges erleiden. Bei Carl Theodor Dreyer, Jacques Rivette, Luc Besson, Bruno Dumont – und nun auch bei Hlynur Pálmason. Wobei ein wesentlicher Unterschied darin besteht, dass die französische Nationalheldin diesmal eine isländische Puppe ist, die eigentlich ein Ritter hätte sein sollen. Und dass man ihr eine Stunde lang aus unveränderter Perspektive bei ihrer Geburt, ihrem kläglichen Dasein und ihrem möglichen Ende zusieht. Zweifellos ist Pálmasons Version jedoch die lustigste aller bisherigen Verfilmungen. Inklusive Scheiterhaufen.
Wer Pálmasons jüngsten Langfilm The Love That Remains gesehen hat, wird Johanna in dieser Dokufiction sofort wiedererkennen: Sie ist jener lebensgroße Ritter von der traurigen Gestalt, den Grímur and Þorgils, die Zwillingssöhne des Filmemachers, in langwieriger Arbeit gebastelt haben und nun auf einer kleinen Wiese an einen Holzpflock festbinden und als Zielscheibe mit Pfeilen traktieren. Und der nun von Ída, der älteren Schwester, mit einem Grasbüschel als Haarersatz zur Frau gemacht wird.
Doch Joan of Arc ist mehr als ein humorvoll gestaltetes Porträt von Pálmasons sympathisch-aufgeweckten Kindern. Der jüngste Eintrag in die lange Reihe der Johanna-Verfilmungen ist zugleich eine wunderbar minimalistische Landschaftsstudie: Blumen im grünen Gras, leiser Schneefall, Matsch und bizarr anmutende Eisformationen auf dem kleinen Küstenstreifen markieren den Wechsel der Jahreszeiten und die damit einhergehenden extremen Veränderungen der isländischen Natur. Und die strittige Sache mit dem Wikingerblut werden Grímur and Þorgils auch noch klären. (Michael Pekler)
Buch: Hlynur Pálmason
Darsteller:innen: Ída Mekkín Hlynsdóttir, Grímur Hlynsson, Þorgils Hlynsson, Elín Ósk Óskarsdóttir, Hrafn Þráinsson
Kamera: Hlynur Pálmason
Schnitt: Julius Krebs Damsbo
Originalton: Björn Viktorsson
Sounddesign: Björn Viktorsson
Produzent:innen: Anton Máni Svansson, Katrin Pors
Produktion: Still Vivid (IS)
Koproduktion: Snowglobe (DK), Maneki Films (FR)
Weltvertrieb: New Europe Film Sales
Uraufführung: Internationales Filmfestival San Sebastián 2025
Österreichische Erstaufführung: Diagonale '26

