
Pilije
Dokumentarfilm, AT 2026, DCP, 77 min, 21.3 OmeU, 22.3. OmdU
Ferlach in Kärnten ist bekannt für das traditionelle Handwerk der Büchsenmacherei. Die Geschichte hat tiefe Spuren in der nahe der slowenischen Grenze gelegenen Kleinstadt hinterlassen. Wo früher Wehrmacht und Partisan:innen einander bekämpften, werden heute noch immer Flinten produziert, und das Brauchtum spielt nach wie vor eine große Rolle. Ein ruhiger, beobachtender Film, der genau zuhört und mit dem die junge zweisprachige Filmemacherin der komplexen Geschichte des Kärntner Grenzgebiets nachspürt.
Früher habe man in dem Tal, in dem sie aufwuchs, kaum deutsch gesprochen, berichtet die Filmemacherin auf Slowenisch. Der Vater habe gar erst in der Schule Deutsch gelernt. Heute sei es umgekehrt, und das Slowenische verschwinde. Nach Jahren in Wien sei ihr Blick auf das alte Zuhause ein anderer geworden.
Diesen veränderten Blick wirft Samira Fux in
Pilije
auf ihre Heimat in Kärnten, wohin sie für diesen Film zurückgekehrt ist. Ferlach, eine Kleinstadt, in der sie sich nie wohlgefühlt hat und immer vorsichtig war, mit wem sie slowenisch sprach, ist nach wie vor bekannt für die traditionelle Waffenproduktion. Ein paar Kleinbetriebe haben im globalen Markt überlebt. Hier wird noch gefeilt, gesägt, graviert. Man ist stolz auf die in Handarbeit hergestellten Flinten und Büchsen. Und der schwarzweiße Werbefilm aus der Nachkriegszeit, den man bald zu sehen bekommt, preist nicht nur die handwerkliche Tradition, sondern auch die deutsche Volkskultur: „Fertigkeit und Fingerspitzengefühl haben die Büchsenmacher von ihren Vätern geerbt – und die Liebe zum Gesang.“ Das klare Wasser der Karawanken fließt über lustig plätschernde Bäche in die Drau.
An der Höheren Schule wird Waffentechnik gelehrt, und die Waffenhändlerin zeigt Fotos in ihrem Hochglanzkatalog. Beim Schießen gehe es um Leben und Tod, meint sie, und dass der Waffenhandel eine ehrliche Branche sei, in der offen geredet werde. Der zweisprachige Vater habe bereits an Tito Waffen geliefert. Die Filmemacherin ist überrascht, „das Slowenische bei den Ferlacher Büchsenmachern zu finden. Doch Mehrsprachigkeit ist im Handel von Vorteil.“ Das Gasthaus der zweisprachigen Wirtin heißt „Zum Pili“, benannt nach dem slowenischen Ausdruck für Büchsenmacher, von manchen wird hier der „Jugowein“ nicht getrunken.
Langsam schreitet man in diesem Film in die Vergangenheit zurück, zum Widerstand der slowenischen Partisan:innen, zu Aussiedlern, Verschwundenen und verängstigten Heimkehrern.
Pilije
ist ein stiller, beobachtender Film, der genau zuhört und mit dem die junge Filmemacherin versucht, die komplexe Geschichte des Kärntner Grenzgebiets zu erfassen. Die alten Kämpfe sind vorbei, aber sie haben Spuren hinterlassen – sichtbare und unsichtbare. (Michael Pekler)
Kamera: Gabriel Monthaler, Samira Fux, Lennart Hüper
Schnitt: Maria Lisa Pichler
Originalton: Lukas Ellmer, Francesco Tacoli
Weitere Credits: Ton: Frederic Stritter; Farben: Caroline Bobek
Produzent:innen: Samira Fux
Weltvertrieb: sixpackfilm
Verleih in Österreich: sixpackfilm
Gefördert von: BMKÖS
Stadt Wien MA 7
Land Kärnten Kunst und Kultur
Akademie der Bildenden Künste Wien
Uraufführung: Filmfestival Max Ophüls Preis 2026
Österreichische Erstaufführung: Diagonale '26
Produktionsformat: digital










