Diagonale
Festival des österreichischen Films
16.–21. März 2021, Graz

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Die Grazer Gruppe
Dokumentarfilm, AT 2020, Farbe, 65 min., dOF
Diagonale 2020

Regie, Buch, Kamera: Markus Mörth
Darsteller/innen: Alfred Kolleritsch, Barbara Frischmuth, Klaus Hoffer, Willi Hengstler, Klaus Kastberger, u. a.
Schnitt: Oliver Wendlinger
Originalton: Uwe Seifner
Musik: Hannes Gill
Sounddesign: Peter Utvary
Produzent/innen: Markus Mörth
Produktion: Markus Mörth Filmproduktion
Koproduktion: ORF III

 

Diagonale’20 – Die Unvollendete. Die Diagonale’20 wurde aufgrund der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 abgesagt.

Eine kleine Geschichte der Grazer Gruppe, von der Gründung des Forum Stadtpark bis zum Literaturnobelpreis für Peter Handke: Erzählt wird nicht die Erfolgsgeschichte einer Kunstbewegung, sondern ein Ineinander von politischer Zeit, materiellem Ort und den Publikationen der Literaturzeitschrift „manuskripte“. Auf diese Weise steckt hier auch Material für die Gegenwart: im Nachdenken über die Bedeutung von Forum Stadtpark und vergleichbaren Orten für das kulturelle Leben in Graz and beyond.

Die Grazer Gruppe sei noch nicht erzählt worden, heißt es zu Beginn von einem ihrer Protagonist/innen. Markus Mörths Dokumentarfilm unternimmt diesen Versuch, indem er mit den Involvierten der ersten Stunde (u. a. Barbara Frischmuth, Peter Handke, Klaus Hoffer und Wilhelm Hengstler) sowie einigen Fachleuten spricht und deren Aussagen mit Archivmaterialien ins Verhältnis setzt. Von der Gründung des Forum Stadtpark 1960 bis zum Literaturnobelpreis für Peter Handke im Jahr 2019 reicht der Bogen, der nicht chronologisch auserzählt, sondern in Bruchstücken andeutungsweise sichtbar wird.
Die Erinnerung an eine Zeit verwebt der Film mit Bildern aus dieser, was die historischen Aufnahmen immer auch einem bestimmten Blick unterwirft und sie zuordnet. Ein roter Faden entspinnt sich, weil versucht wird, nicht eine homogene Geschichte ohne Widersprüche und Brüche zu erzählen, sondern die Dinge nebeneinander stehen zu lassen: Die Grazer Gruppe, das wird deutlich, beschreibt nicht einen gewissen Stil oder die Vereinigung von Autor/innen unter einer gemeinsamen ästhetisch-politischen Agenda, sie beschreibt eine Formation, die sich zu einem gewissen Zeitpunkt und an einem gewissen Ort bildet, um über diese hinaus zu wirken.
Außer für die Kernautor/innen sowie einige später mit der Gruppe assoziierte Literat/innen – beispielsweise Elfriede Jelinek oder Gerhard Roth – interessiert sich Die Grazer Gruppe in ebenbürtiger Weise für das Forum Stadtpark sowie die Literaturzeitschrift „manuskripte“. Auf angemessen komplexe Art beschreibt der Film, wie es zu künstlerischen und politischen Widerständen kommen kann und dass es in ihrem Kern um mehr als nur kluge Menschen geht, die zueinanderfinden: Materielle Orte (die bespielt werden), Kommunikation (die streitet und nachdenkt), Unabhängigkeit (die zwischen Ausverkauf und Überleben errungen werden muss) sind Ideen, die der Film umkreist und als Wolke beschreibt, die sich um einen „Kern als Leerstelle“ gebildet hat. So steckt in der Auseinandersetzung mit der Geschichte auch Material für die Gegenwart, etwa im Nachdenken über die Bedeutung des Forum Stadtpark und vergleichbarer Orte für das kulturelle Leben in Graz 2020 and beyond.
(Katalogtext, ab)