Diagonale
Festival des österreichischen Films
16.–21. März 2021, Graz

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LOVECUT
Spielfilm, CH/AT 2020, Farbe, 94 min., OmeU
Diagonale 2020

Regie: Iliana Estañol, Johanna Lietha
Buch: Iliana Estañol, Johanna Lietha
Darsteller/innen: Sara Toth, Kerem Abdelhamed, Max Kuess, Luca von Schrader, Melissa Irowa, Valentin Gruber, Doris Schretzmayer, Marcel Mohab u. a.
Kamera: Georg Geutebrück, Steven Heyse
Schnitt: Lisa Geretschläger, Sebastian Longariva
Originalton: Jón H. Geirfinnsson, Lenja Gathmann
Musik: Michael Sauter
Sounddesign: Lenja Gathmann, Rudolf Pototschnig
Szenenbild: Mira König, Katharina Haring
Kostüm: Veronika Harb
Produzent/innen: Iliana Estañol, Johanna Lietha
Produktion: Silverio Films (CH)
Koproduktion: Everything Is Film

 

Diagonale’20 – Die Unvollendete. Die Diagonale’20 wurde aufgrund der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 abgesagt.

Sex-Tapes und Skype-Dates, Clubnächte und Abendessen mit den Eltern. Der Episodenfilm LOVECUT folgt sechs jungen Menschen bei ihrer Suche nach Liebe, Beziehung und Körperlichkeit. Die Anonymität und die Schnelllebigkeit des Internets prägen jene Lebensrealitäten, in denen die Jugendlichen Beziehungen (aus-)probieren und die eigene Identität erforschen. Ein flirrender Drift durch eine Lebensphase, die wahnsinnige Energien freisetzt – produktive wie zerstörerische.

Anna und Jakob sind ein verliebtes Paar. Sie sind jung, experimentierfreudig und brauchen das Geld. Also filmen sie sich mit der Handykamera beim Sex: auf einem Hausdach oder in einem Hotelzimmer. Und stellen ihre Sex-Tapes ins Internet. Aus einem Versuch werden mehrere, die Liebesspiele inszenierter, die Outfits und Settings gewagter. „Es ist doch nur ein Spiel“, sagt Anna und stellt damit ihre Beziehung zu Jakob zunehmend auf die Probe. Im Episodenfilm LOVECUT driften sechs junge Menschen auf der Suche nach Liebe, Zuneigung und Körperlichkeit durch Wien. Die Schicksale der Digital Natives, deren Lebenswelt von der Anonymität und der Schnelllebigkeit des Internets geprägt ist, sind subtil miteinander verwoben: Die beiden Drehbuchautorinnen und Regisseurinnen Iliana Estañol und Johanna Lietha zeigen in flirrenden Momentaufnahmen, wie die Jugendlichen zwischen exzessiven Clubnächten, Wohnungseinbrüchen und Abendessen mit den Eltern Beziehungen erproben und die eigene Identität erforschen. In Zeiten von Tinder und Co ändern sich vielleicht Modus und Geschwindigkeit des Datings, doch die Fragen, die sich Heranwachsende (und nicht nur die) in Herzensangelegenheiten stellen, sind immer noch dieselben: Was bedeuten Lügen und Ehrlichkeit für eine Partnerschaft? Was heißt Liebe? Will und kann man überhaupt eine Beziehung führen?
In dieser Hinsicht ist sich Luka ganz sicher: Obwohl sie sich zu Tinder-Date Ben hingezogen fühlt, will sie keine Beziehung und keine Gefühle aufbauen. Den Glauben an die Liebe hat sie durch den Dauerstreit ihrer Eltern verloren. Auch ihre beste Freundin Momo hat mit der Liebe zu kämpfen: Sie führt eine virtuelle Beziehung mit Alex. Dass dieser im Rollstuhl sitzt und sie aus diesem Grund nicht treffen will, weiß sie nicht. Die Leichtfüßigkeit, die Sensibilität und vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der Estañol und Lietha von den Schwierigkeiten eines verliebten, körperlich beeinträchtigen jungen Mannes und dessen Wunsch nach Sexualität erzählen, sind bemerkenswert. LOVECUT ist ein warmherziger Film über die Liebesnöte rebellischer Teenager, der einehmend und ohne erzieherischen Gestus veranschaulicht, dass die Pubertät vor allem auch eine Lebensphase ist, die wahnsinnige Energien freisetzt – produktive wie zerstörerische.
(Katalogtext, ast)