Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Ordinary Creatures
Spielfilm, AT 2020, Farbe, 75 min., eOF
Diagonale 2020

Regie: Thomas Marschall
Buch: Anna Mendelssohn, Thomas Marschall
Darsteller/innen: Anna Mendelssohn, Joep van der Geest, Lynne Rey, Anat Stainberg, Alois Frank, Robert Slivovsky, Angela Christlieb
Kamera: Martin Putz
Schnitt: Stefan Fauland
Originalton: Tong Zhang, Florian Rabl
Musik: Jorge Sánchez-Chiong, Plexus Solaire, Larkin Grimm, Freddy & Francine u. a.
Sounddesign: Rudolf Pototschnig
Szenenbild: Wiltrud Derschmidt
Kostüm: Wiltrud Derschmidt
Produzent/innen: Daniela Praher
Produktion: Daniela Praher Filmproduktion

 

Diagonale’20 – Die Unvollendete. Die Diagonale’20 wurde aufgrund der behördlichen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 abgesagt.

Martha und Alex im roten Volvo, on the road Richtung irgendwo und zugleich eingesperrt in der Beschäftigung mit sich selbst. An einer Stelle so sehr, dass sie einen Hund überfahren. Dessen Hundemarke begleitet die beiden nun am Rückspiegel hängend, dessen Besitzer ihre Fahrt fortan in sicherer Distanz. Bis sie am Ende auf ihn treffen, fahren sie weiter, ohne Ziel, ohne Landmarks, aber in der Begegnung mit Menschen, Rauschzuständen, Streitereien und Versöhnungen.

Martha und Alex im roten Volvo, on the road Richtung irgendwo und zugleich eingesperrt in der Beschäftigung mit sich selbst. An einer Stelle so sehr, dass sie nicht die volle Konzentration auf die Straße richten und in einem Wald einen Hund überfahren. Dessen Hundemarke begleitet die beiden nun am Rückspiegel hängend, dessen Besitzer – ohne dass sie es bemerken – ihre Fahrt fortan in sicherer Distanz. Bis sie am Ende auf ihn treffen, bewegt sich das Auto weiter durch die Landschaft, ohne Startpunkt, ohne Ziel, ohne Landmarks, dafür aber in der wiederkehrenden Begegnung mit Menschen, Rauschzuständen, Streitereien und Versöhnungen. Man weiß nicht genau, wo man ist, es sieht aus wie Österreich, man spricht Englisch, Holländisch, Hebräisch, Fastfood-Restaurants und Raststätten gibt es überall, während die Bar samt exotisierenden Wandbemalungen und schweigender Stewardess-Kellnerin im Inneren eines Flugzeugs vermutlich einmalig ist.
Wovon Ordinary Creatures handelt oder was der Film erzählt, ist nicht leicht zu sagen, er bewegt sich zwischen Extremen, den Makroaufnahmen von Insekten und den Licht- und Farberscheinungen der durchfahrenen Landschaften, und verortet irgendwo dazwischen den Menschen. In seinem Kern ist er ein Paradox, ein Film über Dynamisierung, die sich wie Stillstand anfühlt, der Momente des Heiligen evoziert und zugleich um die profane Alltäglichkeit des Lebens kreist, der sich nur in Oppositionen beschreiben lässt: Gespräche über die Pflicht dieser Generation, den Verlauf der Welt umzudrehen, im roten, alten, benzinschluckenden Volvo; meditativ chillen und sich zugleich im Fadenkreuz eines Jagdgewehrs befinden; Wein, Marihuana, McDonald’s … und E-Zigaretten. Esoterische Entäußerung und innerliche Verkrampfung. Surreale Übertreibung und emotionales Understatement.
Als Roadmovie erzählt Ordinary Creatures in gewisser Weise etwas Klassisches: die Fahrt durch die Welt als Suche nach und zugleich Flucht vor sich selbst. Als ästhetische Erfahrung aber bringt er diese Bewegung auch an ein Ende: Wovor flüchten und wonach suchen, wenn alle Begriffe zu kurz greifen, um anderen und uns selbst zu vermitteln, wer wir sein wollen, wenn das Leben und seine Entwürfe nicht mehr zu kategorisieren sind? Wofür noch fahren? Oder: Warum je wieder damit aufhören?
(Katalogtext, ab)