Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Hotel
Spielfilm, AT/DE 2004, Farbe, 74 min., dOF
Diagonale 2020

Regie, Buch: Jessica Hausner
Darsteller/innen: Franziska Weisz, Birgit Minichmayr, Marlene Streeruwitz, Peter Strauss, Regina Fritsch
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Karina Ressler
Originalton: Frida Glöckner
Produzent/innen: Antonin Svoboda, Martin Gschlacht, Philippe Bober, Susanne Marian
Produktion: coop99 filmproduktion
Koproduktion: Essential Filmproduktion (DE)

 

Hotel ist ein zentraler Film in Jessica Hausners Werk, mit dem sie auch international Aufmerksamkeit erregte. Im Mittelpunkt des Psychothrillers steht die Rezeptionistin eines Berghotels, deren Schicksal sich mit dem ihrer auf mysteriöse Weise verschwundenen Vorgängerin zu verweben beginnt. Als Vorfilm wird der experimentelle Kurzfilm Meshes of the Afternoon von Maya Deren und Alexander Hammid gezeigt. Das Werk der US-amerikanischen Avantgarderegisseurin sowie die Klangwelten des 1982 verstorbenen Komponisten Teiji Ito stellen eine große Inspirationsquelle für Hausners Schaffen dar.

Hotel feierte 2004 bei den Filmfestspielen in Cannes in der Reihe „Un Certain Regard“ Premiere. Nach ihrem Debüt Lovely Rita (2001) und ihrem Filmakademie-Abschlusswerk Inter-View (1999), das in der Cannes-Nachwuchsschiene „Cinéfondation“ lief, war dies bereits der dritte Film, den Jessica Hausner an der Croisette einem internationalen Publikum präsentierte. Hotel ist ein zentraler Film in Hausners Werk, der von der heimischen Kritik nicht so positiv besprochen wurde, international aber viel Aufmerksamkeit erregte. Zum ersten Mal arbeitete Hausner mit der Editorin Karina Ressler zusammen, die fortan ein fester Bestandteil ihres Teams um Kameramann und coop99-Gründungskollege Martin Gschlacht, Kostümbildnerin Tanja Hausner und Produzent Philippe Bober werden sollte. Im Mittelpunkt des Psychothrillers, der 2005 den Großen Diagonale-Preis „Bester Spielfilm“ gewann, steht Irene (Franziska Weisz), die die Arbeit als Rezeptionistin eines renommierten Berghotels antritt und bald bemerkt, dass sich ihr eigenes Schicksal mit dem ihrer auf mysteriöse Weise verschwundenen Vorgängerin zu verweben beginnt. Auch der experimentelle Kurzfilm Meshes of the Afternoon von Maya Deren und Alexander Hammid rankt sich in halluzinatorischen Bildern um den Albtraum einer namenlosen Frau, die sich schließlich das Leben nimmt. Das Werk der Avantgarderegisseurin Deren bedeutete eine ebenso große Inspirationsquelle für Hausners Schaffen wie die Klangwelten des 1982 verstorbenen Komponisten Teiji Ito, die sowohl Meshes of the Afternoon als auch Hausners neuesten Film Little Joe musikalisch verdichten.
(katalogtext, ast)

Das Spiel mit Genre-Elementen hat mich schon immer gereizt. Mein Film Hotel war zum Beispiel eine Art Fingerübung in Hitchcock. Mich interessiert Filmsprache. Und das Genrekino hat eine sehr ausgeprägte Filmsprache entwickelt. Ich finde es spannend, mit diesen Konventionen zu spielen, weil man damit auch eine gewisse Erwartungshaltung des Publikums hinterfragt oder verunsichert.
(Jessica Hausner, taz.de)

Hotel folgt einem Rhythmus aus Ellipsen und Wiederholungen, einer Bewegung, die eine starre und kleinliche Ordnung beschreibt, die sich ohne Weiteres gewiss auch als Metapher für Österreich selbst verstehen lässt. Zweifellos bemerkenswert ist in Jessica Hausners Film diese Form des sozialen Albtraums, wie ihn die Hauptfigur erlebt, der mit Leichtigkeit auf die Konventionen des Gruselmärchens ebenso wie auf die Grundregeln des Horrorfilms verweist – ein Horrorfilm jedoch, der mit nachdrücklicher Absicht die obligaten Szenen entfernt hat, um danach zu suchen, was die Gesellschaft selbst an gewöhnlichem und primitivem Horror in sich birgt.
(Jean-François Rauger, Le Monde)