Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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Kottan ermittelt: Der Geburtstag (Folge 2)
Spielfilm, AT 1977, Farbe, 87 min., dOF
Diagonale 2019

Regie: Peter Patzak
Buch: Helmut Zenker
Darsteller/innen: Peter Vogel, C.A. Tichy, Walter Davy, Bibiana Zellner, Erni Mangold, Hanno Pöschl
Kamera: Michael Epp
Schnitt: Traude Kollmann
Originalton: Rolf Schmidt-Gentner
Produktion: ORF, Satel

 

Zwei ORF-Produktionen aus den 1970er-Jahren entwerfen ein selbstkritisches Österreichbild und zeigen Hanno Pöschl als jungen Schauspieler im Fernsehen: Als frisch gelernter Betriebsassistent liegt ihm in Die Industrie entlässt ihre Kinder nicht nur die Wirtschaftlichkeit der heimischen Stahlfirma am Herzen, sondern auch die hübsche Anni. In der zweiten Folge der Polizeisatire Kottan ermittelt wird Pöschl als trinkfreudiger Bahnarbeiter in einen Mordfall verwickelt.

Seinen 45. Geburtstag verbringt Kottan wie jedes Jahr im Kreise seiner Familie und der Kollegen. „Wieder ein Schritt näher an der Pension“, scherzt der einbeinige Schremser. Auch der Ort, an dem das Fest steigt, ist immer derselbe: der Schrebergarten in der Polizistensiedlung – allerdings ist es Winter und eisig kalt. Doch auch das hat Tradition. Denn Fans der kultigen Polizeisatire um den latent rassistischen, frauenfeindlichen und faulen Inspektor wissen: Stete Wiederholung ist dann irgendwann doch verdammt lustig. So wie die Running Gags, die sich über alle Folgen spannen und zu Klassikern mutiert sind: die ruckartig aufgestoßene Fahrertür des Polizeiautos, die jeden Verbrecher zu Fall bringt, der siedend heiße Kaffee, an dem sich Kottan immer verbrennt, und die harsche Antwort „Inspektor gibt’s kaan“, wenn der Polizeimajor Adolf, in den ersten beiden Folgen verkörpert von Peter Vogel, mal wieder falsch angeredet wird. Natürlich gehören auch der obligatorische Blick in die Kamera und die selbstkritischen Seitenhiebe Kottans auf die schrecklichen Krimiserien im Fernsehen dazu. Zwei Morde ereignen sich natürlich auch, die der Ermittler dann lösen muss, obwohl sie in den Zuständigkeitsbereich seiner niederösterreichischen Kollegen fallen. Doch die sind unfähig, und außerdem ist Kottans Tochter ins Geschehen involviert: Sie hat nämlich eine Affäre mit einem Soldaten, dessen Verlobte tot aufgefunden wird. Auch ein zweiter Mordfall, in den der junge Pöschl als trinkfreudiger Bahnarbeiter verwickelt ist, bereitet dem Polizistenteam keine größeren Schwierigkeiten. Kultstatus erreichte die Serie spätestens nach der Ausstrahlung der Geburtstags-Folge im Juni 1977, woraufhin der ÖVP-Abgeordnete Walter Suppan sich öffentlich darüber echauffierte, dass der Fernsehfilm das Ansehen der Exekutive herabsetze und das Vertrauen in den Polizeiapparat untergrabe. Und Pöschl sieht man ab diesem Zeitpunkt häufig im österreichischen Fernsehen.
(Katalogtext, ast)

Dank an Die Südsteirische Weinstraße