Diagonale
Festival des österreichischen Films
24.–29. März 2020, Graz

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DIE TAGE WIE DAS JAHR
Dokumentarfilm, AT 2018, Farbe, 87 min., OmeU
Diagonale 2019

Regie, Kamera: Othmar Schmiderer
Buch: Angela Summereder / Othmar Schmiderer
Schnitt: Arthur Summereder
Originalton: Angela Summereder, Arthur Summereder, O.Schmiderer
Produzent/innen: Othmar Schmiderer
Produktion: o.schmiderer filmproduktion
Koproduktion: o.schmiderer filmproduktion

 

Ein Jahr im Leben von Gottfried und Elfie, die sich mit ihrem Gehöft einer Wirtschaftsweise verschrieben haben, die die Landwirtschaft als Miteinander von Natur und Mensch begreift. Ohne falsche Romantizismen erzählt Othmar Schmiderer von diesem Leben in Form von reinen Beobachtungen, die dieses Dasein nicht kommentieren, sondern sichtbar machen: als harte, ununterbrochene Arbeit, die ein schwer zu greifendes Gleichgewicht in Raum und Zeit in Balance hält. Ein Film im steten Rhythmus der Aktivität.

Landwirtschaftliche Arbeit am Gehöft von Gottfried und Elfie im Waldviertel. Konsequent haben sie sich für eine Wirtschaftsweise entschlossen, die den Boden, die Tiere, die Pflanzen nicht schröpft oder gar ausbeutet. Ein Jahr begleitet der Film – ohne jeglichen Kommentar – die beiden in ihren täglichen Verrichtungen, im permanenten Rhythmus der Aktivität, der die Tage wie auch das ganze Jahr durchgehend strukturiert. Die Sonne geht auf, die Sonne geht unter, der Sommer kommt, der Sommer geht, und im Zentrum dieser Zeitlichkeiten sehen wir Gottfried und Elfie all das tun, was einen Hof wie den ihren am Laufen hält: die Ziege bei der Geburt ihrer Kitze unterstützen, anschließend die Deckel der Einmachgläser säubern, dazwischen bürokratische Tätigkeiten, das Feld bestellen, am Abend die Bienenstöcke vorbereiten.
So wie DIE TAGE WIE DAS JAHR von einem Miteinander von Mensch und Tier erzählt – man hört in dem Film mehr Muhen, Quaken und Schnattern als sprachliche Artikulationen –, scheint auch Othmar Schmiderer sich im Laufe des Drehprozesses nicht neben oder über die Dinge gestellt, sondern sich in sie eingefunden zu haben. Die Kamera beobachtet und versteht, geht aber nie auf eine analytische Distanz oder in eine naiv faszinierte Nähe, sie strahlt eine Ruhe und Ausgeglichenheit aus, die auch der Arbeit von Gottfried und Elfie eigen scheint. Und auch der große Bogen des Films fängt etwas von diesem Leben und Lebensgefühl ein: So wie sich Jahreszeit an Jahreszeit reiht, verketten sich durch diese hindurch die Tätigkeiten, denen wir zusehen, von der Gewinnung des Rohstoffs zum fertigen Produkt bis hin zu seiner Verpackung und zum Verkauf am Telefon oder auf dem Markt. Kleine und kleinstteilige Prozesse verhaken sich miteinander zu immer größeren Ergebnissen.
Allzu leicht könnte man bei einem solchen Film in falsche Romantizismen verfallen, die Zyklen der Natur eins zu eins auf den Menschen übertragen und diese Lebensform als harmonischen Einklang zeichnen, der ein Gefühl von Ursprünglichkeit und – im Umkehrschluss – jedes andere Leben als entfremdet erscheinen lässt. Aber gerade das macht Schmiderer nicht; bei aller Ruhe, die sein Beobachten wie auch die Beobachteten charakterisiert, sehen wir auch und vor allem eines: Arbeit, harte, ununterbrochene, mit erstaunlicher Effektivität und ohne Schnörkel durchgeführte Arbeit. Kein Weg wird hier begangen, ohne etwas zu tragen, keine Sekunde vergeht, ohne dass hier etwas entsteht, umgewandelt oder verarbeitet wird – Raum und Zeit werden in ständiger Geschäftigkeit bewohnt, ohne je aus dem Gleichgewicht zu geraten.
(Katalog, ab)