Diagonale
Festival des österreichischen Films
16.–21. März 2021, Graz

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Amour Fou
Spielfilm, AT/LU/DE 2014, Farbe, 96 min., OmeU
Diagonale 2020

Regie, Buch: Jessica Hausner
Darsteller/innen: Birte Schnöink, Christian Friedel, Stephan Grossmann, Sandra Hüller, Holger Handtke, Marie-Paule von Roesgen u. a.
Kamera: Martin Gschlacht
Schnitt: Karina Ressler
Originalton: Uve Haußig
Kostüm: Tanja Hausner
Weitere Credits: Ausstattung: Katharina Wöppermann
Produzent/innen: Martin Gschlacht, Antonin Svoboda, Bruno Wagner, Bady Minck, Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Philippe Bober
Produktion: coop99 Filmproduktion
Koproduktion: AMOUR FOU Luxembourg (LU), Essential Filmproduktion (DE), In Zusammenarbeit mit WDR/ARTE

 

Mit Amour Fou begibt sich Jessica Hausner vor eine historische Kulisse. Die Tragikomödie spielt im Berlin der Jahre 1810/11 und ist inspiriert vom Doppelsuizid des Dichters Heinrich von Kleist und seiner Freundin Henriette Vogel. Die historische Verortung der Erzählung erforderte nicht zuletzt ein aufwendiges Produktions- und Kostümdesign. Eine besondere Herausforderung für Ausstatterin Katharina Wöppermann und Kostümbildnerin Tanja Hausner – die Schwester und beständige Kollaborateurin der Filmemacherin.

Mit Amour Fou (2014) begibt sich Jessica Hausner vor eine historische Kulisse. Die Tragikomödie spielt im Berlin der Jahre 1810/11 und ist inspiriert vom Doppelsuizid des Dichters Heinrich von Kleist und seiner Freundin Henriette Vogel. Während die bürgerliche Gesellschaft sich die Zeit mit Kammermusik und Gemeinschaftsabenden vertreibt, sehnt sich Kleist (Christian Friedel) nach dem Freitod und sucht nach einer Gefährtin für diesen letzten Schritt. Henriette (Birte Schnöink), die junge Ehefrau eines Bekannten, erwägt nach einer schwerwiegenden Diagnose, den Avancen des Dichters zu folgen. Die historische Verortung der Erzählung erforderte nicht zuletzt ein aufwendiges Produktions- und Kostümdesign – eine klare Ästhetik mit dem Fokus auf gelbe und rote Farben bestimmt die Szenerie. Eine besondere Herausforderung für Ausstatterin Katharina Wöppermann und Kostümbildnerin Tanja Hausner – die Schwester und beständige Kollaborateurin der Filmemacherin. Für den Film ließ sie sich vor allem von Renaissance- und Barockbildern z. B. von Jan Vermeer inspirieren, die mit einer klaren, kräftigen Farbigkeit dennoch etwas Kostümhistorisches in sich haben. Einfachheit und Schlichtheit dominieren die außergewöhnlichen Kostüme, die allesamt aus Naturfasern gefertigt wurden. Amour Fou feierte seine Premiere in der Reihe „Un Certain Regard“ auf den Filmfestspielen in Cannes.
(Katalogtext, ast)

Für mich ist es paradox zu glauben, dass man „zu zweit sterben“ kann. Im Augenblick des Sterbens ist man unweigerlich allein, der Tod trennt einen auch immer von der anderen Person. Dieses Paradoxon hat mich, wie viele andere, gereizt. Dazu muss man wohl sagen: Amour Fou ist keine naturalistische Erzählung. Es geht nicht um einen konkreten „Fall“, sondern eher um eine Versuchsanordnung zur These: Liebe ist ein ambivalentes Gefühl. Im einen Moment ist man einander nahe, man ist eins mit der anderen Person, man versteht einander, und im nächsten Moment merkt man, wie missverständlich das ist. Dass man gleichzeitig auch gegenteilige Gefühle für die Person empfinden kann, die einen vielleicht sowieso schon längst nicht mehr liebt.
(Jessica Hausner)

Egal, welche Epoche man darzustellen versucht, es ist immer eine Interpretation der Wirklichkeit, das möchte ich sehr betonen. Die wahre Darstellung eines historischen Moments gibt es nicht. Jede Haupttendenz hat auch ihre Abschweifungen. Ich finde, dass das Biedermeier und auch die Zeit davor sehr farbkräftig und mutig waren. Ich hatte es mir dezenter vorgestellt und man neigt prinzipiell dazu, historische Dinge abzutönen und zu schattieren. In Wirklichkeit waren Muster und kräftige Farben gang und gäbe, ein Umstand, der Jessica auch für die Kostüme sehr wichtig war.
(Katharina Wöppermann, austrianfilms.com)

Eine comédie humaine, in der sich die Mitwirkenden streng genommen nicht anders aufführen als anderswo. Das allerdings in den Koordinaten ihrer Zeit, ihrer Rhetorik und ihrer rollenspezifischen Möglichkeiten. Und so fügt sich auch diese nur scheinbare Historizität von Amour Fou samt der detailbegeisterten Ausstattung in das Hausner’sche Œuvre. ( … ) Die Depressionen der jeweiligen Gesellschaft scheinen in den Raumkonstruktionen von Jessica Hausner und des unverwechselbar präzisen Kameramannes Martin Gschlacht immer schon vorgefertigt.
(Birgit Glombitza, taz)